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Kirche in WDR 2 | 04.12.2017 | 05:55 Uhr

Fluchtwege

Ein Gottesdienst in einer Kirche? Normal. Ein Konzert in einer Kirche? Mittlerweile üblich. Aber ein Baukran? Speziell. Eine Störung. Das Ding ließ sich auseinanderklappen und sah aus wie eine riesige Spinne. Der Kran reichte bis an die Kirchendecke. Baustelle Kirche. Die Kirche ist eine Baustelle.

Fehlende Fluchtwege waren das Problem. Daraufhin hat man Wände eingerissen, neue Treppen und einen Aufzug gebaut. Jetzt gibt es sie also – die Fluchtwege. Falls es mal brennt. Dabei hatten wir in den vergangenen Jahrzehnten eher das Problem, dass die Menschen wegblieben, weil die Kirche nicht mehr brannte. Vieles wirkte so eingefroren. Ob jetzt alles anders wird? Jetzt, wo wir sogar Fluchtwege haben?

Das Problem ist vielleicht, dass kein Mensch gerne flieht. Jeder Mensch bleibt lieber, als dass er flieht. Es sei denn, es brennt. Sein Zuhause z.B. oder die Welt. Schade, dass der Kran nur bis zur Kirchendecke reicht und nicht bis zum Himmel. Dann könnte man sich mithilfe des Krans in den Himmel ziehen lassen und mal mit Gott reden.

„Hör mal, Gott“ könnten wir sagen, „auf der Erde ist der Teufel los. Die Welt brennt oder zumindest ganz viele Teile davon. Viele Menschen können gar nicht mehr bleiben, wo sie zu Hause sind, weil alles kaputt ist. Machst du dir keine Sorgen? Jedenfalls müssen wir reden, Gott. Hörst du?“

Genauso allerdings müssen wir über uns reden: dass wir Fluchtwege in den Kirchen bauen – bauen müssen – von Amts wegen, obwohl kaum noch Leute in die Kirche gehen. Am Ende ist die Kirche sicher, aber kein Mensch mehr da! Geht´s noch?!

Oder habe ich was falsch verstanden? Sind die Fluchtwege gar keine Wege, um rauszufinden aus der Kirche, wenn es brennt? Sondern Wege, um hinein zu kommen, weil´s draußen brennt? Dann habe aber nicht nur ich was falsch verstanden, sondern auch die Architekten, die Verantwortlichen in der Kirche und vor allem die Menschen draußen. Die haben überhaupt noch nicht verstanden, dass unsere neu gebauten Fluchtwege für sie sind: Für alle, die auf der Flucht leben, vor unerträglichem Leid, menschlicher Sauerei oder vor sich selbst. Wir müssten unsere Fluchtwege bunt anmalen, besonders kennzeichnen, auf Youtube erklären: „Wenn Sie fliehen wollen, kommen Sie zu uns! Wir haben neue Fluchtwege! Sichere Fluchtwege! Legal! Vom Amt abgenommen!“ Den Kran müssten wir ausfahren bis kurz vor den Himmel und ein riesiges Schild dran hängen: „Kommt in die Kirche! Wir haben endlich Fluchtwege! `Refugees welcome!` Alle Flüchtlinge dieser Welt sind willkommen! Die, die davor fliehen müssen, weil die Welt brennt und die, die vor sich selbst fliehen!“

Und während wir noch das riesige Schild an dem Kran befestigen, so kurz vor dem Himmel, wird uns Gott auf die Schulter klopfen und lachen und mit der Spraydose unten drunter auf das Schild sprayen: „Volunteers welcome too!“ Diejenigen, die sich für Flüchtlinge vor Ort engagieren und diejenigen, die Fluchtwege bauen, sind genauso willkommen!

Ein Gottesdienst in einer Kirche ist normal. Ein Kran in einer Kirche: eine Störung. Aber gerade eine Störung kann uns Gott ein Stück näher bringen. Wie schön, dass die Kirche eine Baustelle ist!

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