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Kirche in WDR 3 | 04.12.2017 | 07:50 Uhr

Heilige Barbara

„Zuerst war ich außer mir! Dieser hässliche, karge Zweig hatte mir meinen schönen Mantel zerrissen! Der Pferdewagen war auf dem Weg zum Gefängnis an einem Kirschbaum vorbeigefahren und hatte einen Zweig mitgezerrt. Als ich dann vor dem Kerker aussteigen musste, verfing er sich in meinem Mantel und riss ein großes Stück Stoff heraus. Hastig zog ich den lästigen Zweig aus meinem Mantel und merkte erst in meinem Verlies, dass ich ihn immer noch in der Hand hielt. Da stand ich, eingeschlossen - mal wieder - allein, mit nichts als diesem mikrigen Holz, das mir den Mantel kaputt gemacht hatte. Und sah den Zweig an. Erst wütend.

Dann sah ich mich an und dachte: Ich bin auch wie ein Zweig im Winter. Trocken und kahl. Mein Leben verdorrt. Abgerissen von meinem Stamm, getrennt von meinen Wurzeln. Nie wieder darf ich richtig leben, aufblühen, süße Früchte bringen! Dabei schlummert in mir soviel Kraft, ich habe solche Sehnsucht nach Leben. Wie dieser abgerissene Kirschzweig! Also habe ich ihm etwas von meinem wenigen Wasser in der Zelle abgegeben. Jeden Tag haben wir das Wasser geteilt.

Drei Wochen lang. Drei Wochen in denen sie alles taten, damit ich mich von meinem christlichen Glauben lossagte. Mein Vater hatte mich persönlich den Christenverfolgern ausgeliefert! Er war davon überzeugt: Die würden mich schon dazu bringen, wieder umzukehren - zu den römischen Göttern. Er hatte einfach solche Angst, auch vor der Gesellschaft. Wessen Familie den römischen Göttern nicht huldigte, gefährdete das Wohl des ganzen Reiches. Aber ich wollte mehr. Ich wusste mehr, ich hatte sie alle gelesen, die Philosophen und Theologen. Origines von Alexandrien schrieb ich einen Brief. Ich wollte wissen, ob das Leben mehr zu bieten hat als Gehorsam. Als Origines den christlichen Priester Valentinus schickte, log ich meine Eltern an und sagte, er sei Arzt. Aber seine Medizin war meine Taufe. Nachdem ich ihnen davon erzählte, setzten sie mich in den Pferdewagen zum Kerker des Marcianus. Es folgten drei Wochen voller Folter.

Und: Drei Wochen Wasser für mich und meinen Zweig. Drei Wochen Hoffnung. Denn so wie ich dem Zweig jeden Tag etwas Wasser gab, so gab Gott mir jeden Tag neue Kraft mein Martyrium zu überstehen. Ich war nicht von meinem Glauben abzubringen.

Gott war immer bei mir, das habe ich gespürt. Der Zweig hat mich daran erinnert. Ich habe ihn so wieder zum Leben erweckt, wie auch ich getauft wurde. Mit Wasser. Ich habe so gehofft, dass er weiterlebt! Und als er nach zwei Wochen blühte, wusste ich, dass auch ich wieder blühen werde. Wie Christus nach drei Tagen. Ich habe es gewusst, ich werde auch wieder zu Leben kommen, egal was kommt. Nach drei Wochen haben sie mich hingerichtet, aber ich hatte keine Angst. In mir habe ich das neue Paradies getragen.“

Hier endet die Legende der Heiligen Barbara. Mitten im Advent erzählt sie eine Ostergeschichte. Und so schneide ich als evangelische Pfarrerin gemeinsam mit meinen katholischen Geschwistern heute am Barbaratag Kirschäste ab und gebe ihnen Wasser, damit das Leben auch mitten im Winter blüht.

Stellen doch auch Sie heute einen Zweig ins Wasser, damit die Hoffnung Früchte trägt! Gott kann auch aus kargen Ästen süße Kirschen hervorbringen!

Ihre Katrin Berger, Pfarrerin in Hamm.

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