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Kirche in WDR 3 | 07.09.2018 | 07:50 Uhr

Ausgebremst

Ein Hopser, ich komme falsch auf der Erde auf, ein stechender Schmerz in meinem Fuß und kann nicht mehr auftreten. Irgendwas ist da ganz und gar nicht in Ordnung. So ein Mist. Zuerst warte ich noch einen ganzen Tag, in der Hoffnung, dass es besser wird. Wird es aber nicht, im Gegenteil. Es bleibt mir nichts anderes übrig als in die Notaufnahme des nächsten Krankenhauses zu fahren, bzw. fahren zu lassen. Zum Glück ist eine Freundin an meiner Seite. Lange sitze ich dort im Wartebereich und fühle mich vergessen. Menschen kommen und gehen. Ich bekomme mit, wie andere Verletzte mit dem Krankenwagen gebracht werden und in Behandlungsräumen verschwinden. Es ist viel los hier, was mir nachher auch eine gehetzt wirkende Krankenschwester bestätigt. Und da bin ich mit meinem Fuß eben ganz hinten in der Schlange – nicht Lebensbedrohlich. Endlich bin ich dann doch an der Reihe. Das Röntgenbild ergibt: ich habe einen Bruch. Gipsschiene, Krücken, Thrombosespritze und mein Urlaub ist von da an ein anderer. Mit Krücken lässt sich nichts tragen, noch nicht einmal eine Tasse Tee. Überallhin muss ich gefahren werden und an lange Wanderungen ist gar nicht mehr zu denken. Ich muss eben umdenken.

„Da bist du mal wieder ganz schön ausgebremst worden Jordana, was soll dir das wohl sagen!“ So ein Kommentar wohlwollender Freundinnen.

Ja, das frage ich mich auch. Ich bin doch schon im Urlaub, habe mir Zeit für mich genommen, was denn noch? Meist bin ich jemand, die lieber ein wenig zu viel zu tun hat als zu wenig. Meine Devise ist: ich habe keinen Stress, ich habe nur viel zu tun. Und da kann so ein Bruch, einen ganz schön aus der Bahn werfen. Aber das Schlimmste an meiner Situation ist, dass ich Hilfe annehmen muss. Und zwar für fast jede Kleinigkeit – wie gesagt, noch nicht mal die Tasse Tee kann ich mir zu meinem Sessel tragen. Zwar bin ich in solchen Situationen immer sehr erfinderisch (mir ist es nämlich schon mehrmals passiert) und kann dank meiner Gelenkigkeit so einiges selber bewältigen, aber eben nur einiges.

Das ist vielleicht der beste Lerneffekt solch eines Bruches. Einen, den viele

irgendwann einmal machen müssen. Spätestens im Alter, wenn alles nicht mehr so geht, wie es der Kopf noch will. Ich bewundere Menschen, die ihr Nichtkönnen annehmen ohne wütend oder ungeduldig zu werden mit sich und den Menschen um sie herum. Menschen, die mit einer Behinderung leben müssen und trotzdem unglaubliche Leistungen vollbringen und ihren Alltag meistern. Jedes Mal wenn ich mir die Paralympics anschaue dann bin ich voll Bewunderung. Oder wenn ich sehe, wie sich ein alter Mensch mit Rollator im Supermarkt versorgt. Man sieht die Mühe dahinter, aber auch den Willen es noch selbst zu können. Denn Autonomie gehört glaube ich zu den wichtigsten Bedürfnissen von uns Menschen – na, jedenfalls ist eines meiner wichtigsten Bedürfnisse. Diese bei Kindern zu fördern und bei Menschen in Krankheit oder Behinderungen zu erhalten, ist ein wichtiger Wert. Dafür braucht es Sensibilität in unserer Gesellschaft. Wo es manchmal eben schneller geht es selbst zu machen, statt nur behilflich zu sein. Wo man Menschen die langsamer sind überholt, wo selbst die Grünphase der Fußgängerampeln nicht ausreicht um jemand mit einer Gehbehinderung hinüber zu lassen. Hilf mir es selber zu tun, so eine Lehre aus der Pädagogik. Aber meines Erachtens ist er nicht nur wichtig für die Pädagogik. Mein kleines Handicap mit dem Fuß geht vorüber. Für mich war es wichtig zu erfahren, dass Leben nicht immer nur ohne Blessuren verläuft. Dass ich Hilfe annehmen darf und kreativ werde, meine Autonomie zu erhalten. Damit ich ein freier Mensch bleibe – auch mit Krücken.

In diesem Sinne wünsche ich ihnen einen autonomen Tag. Ihre Sr. Jordana Schmidt aus Waldniel.

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