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Kirche in WDR 3 | 17.05.2018 | 07:50 Uhr

„Das größte Wunder, das je geschehen ist“

Moses, der Pharao, die zehn Plagen, der Zug durchs Rote Meer und dann zunächst die große Wüste. Für Hollywoodregisseure ist das Stoff für eine spektakuläre Geschichte. Für Juden und Christen ist es Teil der langen Heilsgeschichte Gottes mit den Menschen. Für mich ist er beides: der Exodus, der Auszug des Volkes Israel aus der Knechtschaft im Alten Ägypten.

Weit über die jüdisch-christliche Glaubenswelt hinaus hat sich diese Erzählung ins Menschheitsgedächtnis eingeschrieben. Auch in mein Herz: der kleine Moses, der in einem Binsenkörbchen auf dem Nil ausgesetzt wird und als ägyptischer Prinz aufwächst; dann seine Berufung zu dem, der die Hebräer aus Ägypten heraus in die Freiheit führt. Zunächst aber der blutrote Nil, die Heuschrecken… und schließlich die wundersame Rettung am Schilfmeer, durch das die Israeliten trockenen Fußes hindurchgelangen.

Die Exoduserzählung ist tatsächlich großes Kino. Immer wieder neu bebildert, vertont, verfilmt. Es scheint, als solle jede Kinogeneration ihre eigene Version bekommen. Und auch die Religionsgelehrten wagten immer wieder ganz eigene Interpretationen. So auch die jüdischen Rabbinen. In deren alten Lehrtexten, im Midrasch, findet sich eine Variation der Geschichte, die ich heute gern mit Ihnen teilen möchte. Sie geht so:

Sprecher:

„Als das Volk Israel auf seinem Weg aus der Sklaverei in Ägypten durch das Rote Meer zog, erlebte es ein großes Wunder; einige sagen, das größte Wunder, das je geschehen ist. […] Das Meer spaltete sich und die Wasserwellen standen da wie große Wände, während das Volk Israel von einem Ufer ans andere in die Freiheit floh.

Erstaunlich und wunderbar! Aber nicht für alle. Zwei Männer, Ruben und Schimon, eilten mit der Menge, die durch das Meer zog. Kein einziges Mal aber schauten sie nach oben. Sie bemerkten nur, dass der Boden unter ihren Füßen schlammig war.

„Ach“, sagte Ruben, „hier ist überall Schlamm!“

„Ja“, rief Schimon, „meine Füße sind auch schon voller Schlamm!“

„Wie scheußlich“, antwortete Ruben, „als wir Sklaven in Ägypten waren, mussten wir Ziegel aus Lehm machen, und der Lehm war genau wie dieser Schlamm hier!“

„Ja“, erwiderte Schimon, „da ist gar kein Unterschied zwischen der Sklaverei in Ägypten und der Freiheit!“

So ging es die ganze Zeit. „Oh, wie scheußlich!“ „Oh, wie unangenehm!“

So jammerten und klagten Ruben und Schimon den ganzen Weg. Für sie gab es kein Wunder. Nur Schlamm“ (Midrasch Exodus Rabba 24,1).

Was für ein Bild für das Leben! Die meisten von uns werden über Schritte im Schlamm zu erzählen wissen. Auch ich. Darum schätze ich diese Midraschgeschichte. Sie macht ein großes Geschehen klein, damit es in meinem Leben wieder groß und bedeutsam werden kann.

Denn: Auf die Blickrichtung kommt es an. Wie gehe ich durchs Leben? Wie nehme ich den Grund unter meinen Füßen wahr? Habe ich den Blick, zu sehen, was es in meinem Leben alles zu sehen gibt? Den Schlamm, ja… Doch auch die kleinen und die großen Wunder?

Juden wie Christen sehen in der Exoduserzählung einen Weg, auf dem Gott Menschen befreit. Ich glaube das ganz konkret auch für mein Leben. Das ermutigt mich nicht nur, das ist eine Frage von Lebensqualität: Stets Ausschau halten zu dürfen nach mehr als dem, was jetzt mein Blick erfasst. – Dass auch Sie dann, wenn der Boden unter Ihren Füßen schlammig ist, das Vertrauen wagen können, dass da ein Grund ist, der sie trägt, wünscht Vera Krause aus Köln.

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