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Kirche in WDR 5 | 15.05.2018 | 06:55 Uhr

„Die ganze Schönheit der Welt“

„Die ganze Schönheit der Welt“

Auschwitz 1944. Mala kommt oft in die Baracke mit der Nummer sieben. Hier gibt es einen Holzdielenboden und einen Ofen, um die Musikinstrumente gegen Feuchtigkeit zu schützen.

Sprecherin:

Doch Mala „kommt nicht aus Liebe zur Musik. In ihrem Leben haben nur zwei Arten von Liebe einen Platz: die Liebe zur Freiheit und die Liebe zu Edek. Manchmal treffen sich die beiden in unserem Block. Das ist jedes Mal ein einzigartiger Augenblick. Sie kommt. Kurz danach kommt er. Sie schauen sich an, gehen bis auf ein paar Schritte aufeinander zu. Sie berühren sich nicht, sagen kein Wort… es knistert und zündet… wenn sie sich anschauen. Ihre Liebe bringt für Sekunden die ganze Schönheit der Welt wieder“.

So schreibt die Holocaustüberlebende Fania Fénelon in ihrem autobiografischen Roman „Das Mädchenorchester von Auschwitz“.

Fast 200 Seiten lang lese ich mich durch die an meiner Seele zerrenden Schilderungen, bevor ich von Mala Zimellbaum und Edek Kalinski erfahre. Es ist eine Liebesgeschichte von mitreißender Kraft. Eine Belgierin und ein Pole, 26 und 21 Jahre alt. Sie Jüdin, er katholischer Christ. Zwei junge Menschen mit widerständigen Herzen. Zwei Menschen, die mit ihrer Liebe tausenden Schicksalsgenossen ein Zeugnis geben von einer anderen Erde unter einem anderen Himmel als dem, von dem es Asche regnet. Es sind nur Augenblicke des gemeinsamen Erlebens, in denen doch für viele sichtbar und spürbar wird, dass es ein Leben gibt, das sich nicht brechen und nicht besiegen lässt. Auch nicht von Meister Tod aus Deutschland.

Mich bewegt, wie innig die Liebe zwischen Mala und Edek in den sonst so quälenden Erinnerungen von Fania Fénelon und anderen Holocaustüberlebenden ihren besonderen Platz gefunden hat. Dass inmitten der Todesmaschinerie von Auschwitz zwei Menschen den inneren Freiraum aufbringen, sich nicht nur kennen-, sondern liebenzulernen ist für mich nahezu unfassbar – oder wunderbar: dass die Liebe zwei Menschen findet mit ganz unterschiedlichen Wurzeln, die gemeinsam zu Zeugen des Lebens werden stärker als der Tod in seinen vielen Ausdrucksformen.

Liebe und Leben stärker als der Tod. Das ist auch das Grundmotiv des christlichen Osterfestes, dessen Festkreis in dieser Woche zuende geht. Jedes Jahr aufs Neue ist es für uns Kirchenmenschen eine große Herausforderung, nicht nur stammelnd oder allzu floskelhaft zum Ausdruck zu bringen, was den Kern christlichen Glaubens und Hoffens ausmacht. Vielleicht mag es für den einen oder die andere verwunderlich sein, doch mir zeigen Mala Zimellbaum und Edek Kalinski auf absolut packende Weise, was es bedeuten kann, von der verwandelnden Kraft der Liebe zu sprechen und dieses Motiv aus seinen „schönen Worten“ ins Leben zu befreien. Beide sterben noch in Auschwitz. Dennoch konnte ich noch nie anders, als ihre Geschichte als eine Auferstehungsgeschichte des Lebens gegen den Tod zu lesen. Nach einer dramatischen, zunächst glücklichen und dann nach 15 Tagen doch jäh beendeten Flucht werden beide im September 1944 vor aller Augen im Lager hingerichtet. Es soll ein Exempel sein. Generalappell im Frauen- wie im Männerlager. Nach erfolgloser Folter werden Mala und Edek blutüberströmt in die Mitte der Appellplätze gezerrt, „ungebrochen, stolz, mit erhobenem Haupt“, schreibt Fania Fénelon. Und weiter: „Tausende von Häftlingen stehen da und halten den Atem an. Uns schießen die Tränen in die Augen, Tränen der Liebe und der Anerkennung. Sie haben uns ein wunderbares Beispiel gegeben.“ Auch mir. Heute. Im Jahr 2018. Fügt hinzu: Vera Krause aus Köln.

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