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Kirche in WDR 4 | 07.06.2018 | 08:55 Uhr

Du sollst nicht lärmen!

Guten Morgen!

„Lärmsparend fahren!“ fordert mich ein Plakat am Straßenrand auf. Der Appell gibt mir gleich ein gutes Gefühl, bin ich doch mit dem Fahrrad unterwegs. Nur das Geräusch der Reifen auf dem Asphalt schnurrt behaglich wie eine Katze. Ich überlege, wie viel Lärm ich jetzt wohl spare und wie hoch die Gutschrift auf meinem Lärmkonto ist. Ich überlege auch schon mal, wofür ich mein Lärmguthaben später ausgeben werde. Vielleicht für ein Wahnsinnsfeuerwerk mit Megaböllern? Darin liegt ja das Wesen des Sparens: Spare in der Zeit, dann hast du in der Not! Ich habe schon ein ziemlich üppiges Polster auf meinem Lärmkonto, stelle ich mit Befriedigung fest. Ich mag Musik auch, wenn sie leise ist. Ich liebe nämlich die Stille.

Was Stille ist, habe ich begriffen, als ich aus dem Ruhrgebiet weggezogen bin. Dort habe ich auch in tiefster Nacht das Hintergrundrauschen der nächsten Autobahn gehört. Und jeden Sonntag Fetzen einer Lautsprecherstimme und wummernde Bässe. Innenstädte müssen ja wieder belebt werden, heißt die Philosophie, und das scheint am besten mit Lärm zu funktionieren, denn Stille gilt offenbar als Merkmal des Todes.

Das ist Stille jedoch mitnichten. Stille ist lebensnotwendig. Ich vermute, dass es die Stille ist, die die Menschen heute mehr als alles andere in die Kirchen zieht und der sie dort lauschen. Die Kirche hat seit ihren Anfängen der Stille einen Platz in der Gesellschaft und im Leben der Menschen freigehalten: Jene lebendige und lebensnotwendige Stille, die man braucht, um Lebenskräfte zu regenerieren, sich zu konzentrieren und nachzudenken, das Gezwitscher von Vögeln und die leisen Stimmen zu hören. Jene Stille, die man braucht, um die eigene innere Stimme wahrzunehmen, und, wenn man sich dafür öffnen mag, auch Gottes Stimme. Die ist nämlich nicht der laute Donnerhall, sondern das leise Wehen, so steht es in anrührender Formulierung in der Bibel (1 Könige 19,12).

Die Kirchen geben dieser Stille Räume und auch Zeiten, an den Sonntagen und besonders an den so genannten stillen Feiertagen, Karfreitag, Allerheiligen und Totensonntag. Sie stehen unter besonderem gesetzlichen Schutz. An diesen Tagen sind laute öffentliche Spaßveranstaltungen verboten.

Manche möchten nun aber gerade Totensonntag und Karfreitag ihr angespartes Lärmguthaben vom Konto räumen. „Heidenspaß statt Höllenqual – religionsfreie Zone“ lautet dann das Motto. Der Bund für Geistesfreiheit zog vergangenes Jahr vor Gericht, um den so verstandenen „Lärmschutz“ durchzusetzen, sprich den Schutz des Lärms vor dem christlichen Ruhegebot und das Recht auf ungestörtes, öffentliches Krachmachen. Mit einem Teilerfolg. Karlsruhe verlangt seitdem eine „Abwägung im Einzelfall“, wenn man Totensonntag vergnüglichen Höllenlärm veranstalten will.

Meine leise Frage an die wackeren Geistesfreien: Ist das die freie Gesellschaft? Eine Gesellschaft, in der man 365 Tage im Jahr öffentlich Ramba Zamba machen kann?

Es kann aber sein, dass die Geistesfreien sich selber ins Knie schießen. Denn sie schaden nicht der Kirche, sondern dem Menschen, jedem Einzelnen. Denn: Jeder hat ein lebensnotwendiges Recht auf Stille.

Einen gesegneten Tag wünscht Ihnen Silke Niemeyer, Pfarrerin in Lüdinghausen.

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