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Kirche in WDR 4 | 21.08.2018 | 08:55 Uhr

Durchblick

Es fing mit dem Wetter an. Auf einmal war es schöner als vorher. Zumindest für meine Nachbarin. Sie freute sich über die klare Luft, wenn es kalt war, für die Pflanzen, wenn es regnete und für uns alle, wenn die Sonne schien. Irgendwas hatte sich verändert an ihr. Ich habe es nur schleichend gemerkt. Dass sie auf einmal gelächelt hat, wenn sie mühevoll die vier Stufen zu ihrer Wohnung hochgekraxelt war. Vorher hatte sie dann meist sowas gesagt wie „Es ist nicht schön, alt zu werden.“ Jetzt lächelte sie mich an und sagte: „Schön ist es heute draußen.“ Und dabei war sie immer noch genauso aus der Puste wie früher.

Es muss irgendwann zwischen ihrem 92. und ihrem 94. Geburtstag passiert sein, dass sich ihr Blick auf ihr Leben verändert hat. Ihre Aufmerksamkeit ging mehr und mehr zu dem, was schön ist. Zu dem, was ihr Freude macht. Man könnte sagen, dass sie sich auf ihre alten Tage eine „Das – Glas – ist – halbvoll – Mentalität“ angeeignet hat.

Und ich habe bald gemerkt, wie ansteckend das ist. Denn wenn ich sie vorher kommen hörte, dann dachte ich: „Die Arme. Sie muss sich so anstrengen, um die paar Meter bis zum Taxi zu schaffen.“ Und jetzt kam mir in der gleichen Situation der Gedanke: „Och, wie schön, sie fährt wieder irgendwo ins Grüne, einen Kaffee trinken.“

Irgendwann hat sie es dann auch ins Wort gebracht. Ich hatte ihr wie so oft geholfen, den Rollator nach oben in die Wohnung zu tragen, da hält sie meinen Arm fest, sieht mich eindringlich an und sagt: „Man muss dankbar sein. Dann geht es einem auch gut.“

Das war nicht nur so dahingesagt. Das war eine tiefe Erkenntnis, das habe ich deutlich gespürt. Und ich hab ihr aufs Wort geglaubt, denn ich habe ja gesehen, wie viel besser es ihr geht. Da habe ich endlich verstanden, was ihren Blick auf ihr Leben so verändert hat. Sie hat sich eine Art „Dankbarkeitsbrille“ aufgesetzt. Die Gläser womöglich leicht rosarot getönt. Und es geht ihr sichtlich gut damit.

Das war ein besonderer Moment, als sie mir das mit auf den Weg gegeben hat. Und ich bin ihr total dankbar dafür. Denn es war schon irgendwann zwischen meinem 42. Und meinem 44. Geburtstag und seitdem merke ich immer wieder: Sie hat so Recht!

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