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Kirche in WDR 5 | 10.09.2018 | 06:55 Uhr

Erinnern

Guten Morgen!

Erzähl das noch mal, Opa! Wie oft habe ich diesen Satz von meinen Töchtern gehört. Als sie noch jünger waren. Immer wieder wollten sie die spannenden Geschichten aus der Kinder- und Jugendzeit ihres Opas hören. Er nahm sie mit in eine andere Zeit und eine andere Welt. Er war auf einem Bauernhof aufgewachsen, als Kinder waren er und seine Freunde meistens draußen, stromerten herum durch den Wald oder zum nahen Fluss. Überall fanden sie etwas, woraus man ein Spielzeug machen konnte. Auch von seinen Streichen konnten meine Töchter nicht genug bekommen: Wie er mit seinem Freund einfach mal mitten in der Nacht den halben Sonntagsbraten aufgefuttert hatte. Dafür gab´s natürlich mächtig Ärger. Opa erzählte seine Kindheitserlebnisse so lebendig und lachte dabei. Man hatte das Gefühl, als wäre es erst gestern gewesen. Tatsächlich ist es so: Erinnerungen verbinden das Gestern mit dem Heute. Die Vergangenheit wird in der Gegenwart wieder lebendig. Als ob es gestern war, der erste Kuss. Die Jugendfreizeit in Schweden. Die peinliche Situation beim Besuch der Schwiegereltern. Auch an Trauriges erinnert man sich so: Den Tod der Oma. Den schlimmen Sturz mit dem Fahrrad. Die verpatzte Prüfung. Mir geht es heute oft so: Da steigt mir ein Geruch in die Nase und plötzlich fällt mir etwas ein, was ich schon lange nicht mehr im Gedächtnis hatte.

Erinnerungen gehören zur Lebensgeschichte. Es sind Erfahrungen, die mich zu einer unverwechselbaren Persönlichkeit machen.

Aber was ist, wenn mir die Erinnerungen abhandenkommen? Wenn ich plötzlich Lücken in meinem Erinnerungsarchiv habe? Wenn ganze Zeiträume einfach nicht mehr abrufbar sind?

Wie schwer war es für meinen Vater, als er feststellte, dass ihn sein Gedächtnis immer wieder und immer häufiger im Stich ließ. Wir haben uns dann oft Fotos angesehen und manchmal kam ein Stück der Erinnerung zurück. Anderes schien so, als sei es einfach ausradiert.

Wenn ich mich nicht mehr erinnern kann, bin ich dann ein unbeschriebenes Blatt?

Was ist der Mensch, dass du – Gott - an ihn denkst? (Psalm 8, 5) Diese Frage steht in der Bibel.

Was macht mich wirklich aus? Ist es das, was ich erfahren und geleistet habe? Das, was ich erreicht und umgesetzt habe?

Als Christin glaube ich, dass für Gott jedes Leben unverwechselbar und einzigartig ist, zusammengesetzt aus vielen Facetten, Erfahrungen und Begebenheiten. Und an so mancher Stelle ist auch Gottes Handschrift in meinem Leben zu erkennen. Und selbst wenn meine Erinnerungen verblassen, bin ich in Gottes Gedächtnis gespeichert. So wie jeder andere Mensch. Gott sagt: „Ich habe dich in meine Hände geschrieben!“ (Jesaja 49,16). Dieser Satz gefällt mir sehr gut, weil ich mich gut aufgehoben weiß in Gottes Erinnerung.

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