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Kirche in WDR 5 | 14.05.2018 | 06:55 Uhr

„Es ist nie zu spät!“

Sprecher (über Atmo Konferenzgespräche):

Afghanistan: Nein. Argentinien: Enthaltung. Australien: Ja.

New York, am 29. November 1947. Erste Sondersitzung der noch jungen Vereinten Nationen. Die beteiligten Staaten stimmen ab über Resolution 181.

Sprecher (über Atmo Konferenzgespräche):

Frankreich: Ja. Großbritannien: Enthaltung. Indien: Nein.

Es geht um den Antrag, im Gebiet des historischen Palästina den Weg zu ebnen für einen arabischen und einen jüdischen Staat.

Sprecher (über Atmo Konferenzgespräche):

Sowjetunion: Ja. Syrien: Nein. Vereinigte Staaten von Amerika: Ja.

Am Ende wird der Teilungsplan bei 10 Enthaltungen mit 33 zu 13 Stimmen angenommen. So wird die Resolution 181 zur völkerrechtlichen Grundlage für die Errichtung des Staates Israel. Als David Ben Gurion dann am 14. Mai 1948 in Tel Aviv feierlich die Staatsgründung verkündet, erfüllt sich für viele Juden auf der ganzen Welt ein Traum. Ein Traum, der für das palästinensische Volk bis heute nicht Wirklichkeit geworden ist. Und was sich in 70 Jahren für beide Seiten nicht erfüllt hat, das ist die eine gemeinsame große Hoffnung auf Frieden.

Noch in der Nacht vom 14. auf den 15. Mai 1948 beginnt der erste arabisch-israelische Krieg. Seitdem sind die Nachrichten aus der Region beunruhigend geblieben. Nahezu beständig begleitet die Rede von Vergeltung, von Rache die Berichterstattung. Von beiden Seiten her. Und auf beiden Seiten sterben und verzweifeln Menschen.

Mir geht das nahe. Ich kenne die Region. Sie liegt mir am Herzen. Auf beiden Seiten. Angesichts der hochkomplizierten politischen, religiösen und kulturellen Verhältnisse hab‘ ich mich schon häufig gefragt, wie das Leben dort jemals für alle gut werden kann?

Eine Antwort auf diese fast unmögliche Frage hat für mich Ismael Khatib gegeben. „Es ist nie zu spät, miteinander etwas anzufangen“, sagt der Palästinenser. Sie kennen vielleicht nicht mehr seinen Namen, doch seine Geschichte ging vor einigen Jahren um die Welt. Nachdem sein Sohn beim Spielen von israelischen Soldaten lebensgefährlich angeschossen wurde, trifft Ismael Khatib mit seiner Frau Abla eine ungewöhnliche Entscheidung: Sie geben die Organe ihre Sohnes zur Transplantation frei.

„Natürlich hätte ich mich nach Achmeds Tod auch selbst in die Luft sprengen können“, sagt der Vater. Stattdessen stellt er eine Frage, die die Dynamik immer neuen Hasses durchbricht: „Können die Organe unseres Sohnes das Leben anderer retten?“ – Ja! Um Gottes Willen: Ja!

Für das israelische Ärzteteam, das im Krankenhaus von Haifa vergeblich um das Leben des palästinensischen Jungen gekämpft hatte, heißt das nach nur zwölf Stunden: Achmeds Herz für das drusische Mädchen Samah. Eine Niere für den Beduinenjungen Mohammed; die andere Niere für Menuha, ein Mädchen aus jüdisch-orthodoxer Familie in den Siedlungsgebieten. Die Lunge für eine Teenagerin in Jerusalem. Allesamt: Kinder Israels. Ahmeds Tod wird für sie zum Geschenk eines neuen Lebens. Was überall sonst auf der Welt anonym geblieben wäre: Organspende – wird in Israel und Palästina zum weit bekannten Hoffnungszeichen.

Ismael Khatib und seine Frau Abla nennen die Organspende ihres Sohnes Ahmed ihre persönliche Entscheidung, die weniger mit Politik zu tun habe, sondern einfach nur mit Menschlichkeit. Auch das berührt mich. Als wenn das so einfach wäre mit der Menschlichkeit… „Wie könnten denn Kinder unsere Feinde sein?“, sagen die Khatibs. Ach ja, und: „Es ist nie zu spät, miteinander etwas anzufangen.“ In diesem Sinne: Shalom al Israel! Und: Alsalam Lifilastin! Wünscht Vera Krause aus Köln.

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