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Kirche in WDR 5 | 22.12.2017 | 06:55 Uhr

Lametta

Guten Morgen!

Im Karton für den Christbaum sind noch ein paar Reste Lametta. Die verwahr ich gut auf. Als Erinnerung. Wir haben heute ganz andere Herrlichkeiten, die wir an den Weihnachtsbaum hängen. Aber mein Vater liebte Lametta. Diese silbern glitzernden Streifen aus Stanniol. Für jeden Zweig am Christbaum nahm er ein Dutzend davon in seine Hand und legte sie sorgfältig, möglichst mittig auf die Nadeln. Bis der ganze Baum von allen Seiten silbrig glitzerte.

Damals war kein Geld übrig für eine schöne, gerade gewachsene Blautanne oder eine tadellos gewachsene große Fichte. Der Christbaum, für den das Portemonnaie damals reichte, war meist krumm und schief. Und wenn an einer Stelle ein Zweig fehlte, wurde mit dem Bohrer ein Loch in den Stamm gebohrt. Dann musste kurzerhand ein anderer Zweig mit einem Messer so zugespitzt werden, dass er in das Loch passte. Und schon war keine Lücke mehr zwischen den Zweigen zu sehen. Das Lametta war eine wunderbare Möglichkeit, den ärmlichen Christbaum aufzupeppen.

Wir Kinder fanden das damals schön. Und deshalb gilt auch heute für uns, was schon Opa Hoppenstedt im Sketch von Loriot sagte: „Früher war mehr Lametta“. Ja, die Zeiten ändern sich. Und seit 2015 wird in Deutschland überhaupt kein Lametta mehr hergestellt. Denn im Stanniol war auch gesundheitsschädliches Blei enthalten, was dem Lametta die nötige Schwere gab. Deshalb haben Ökofreunde schon früh vor dem Gebrauch von Lametta gewarnt.

Eigentlich sollten die silbernen Schmuckstreifen die Eiszapfen am winterlichen eingeschneiten Baum darstellen. Bei der Menge Lametta, die mein Vater benutzte, gab das allerdings keinen Sinn. So viele Eiszapfen auf einem Fleck gibt’s es nicht

Weil mein Vater ein Bibelkenner war, hatte für ihn das Lametta auf dem Christbaum etwas mit der Weihnachtsgeschichte zu tun.

Der Christbaum erinnert nämlich an einen anderen Baum. An einen Stammbaum. Den Stammbaum Jesu. Und der war auch kein besonders angesehener und stattlicher Stamm. Juda, der Stamm, aus dem Jesu Vater Josef stammte, war ein kleiner Stamm in Israel. Unscheinbar und schwach. Und doch hatte schon ein Prophet im alten Israel angekündigt, dass gerade aus diesem Stamm der Retter der Welt kommen sollte. Da heißt es: „Doch dir, Betlehem (…) lässt der Herr sagen: »So klein du bist unter den Städten in Juda, aus dir wird der künftige Herrscher über mein Volk Israel kommen. Sein Ursprung liegt in ferner Vergangenheit, in den Tagen der Urzeit« (Gute Nachricht, Micha 5,1)

Der Christbaum am Weihnachtsfest erinnert an diesen kleinen und gar nicht attraktiven Stamm Juda aus Israel, den Gott sich ausgesucht hatte, um daraus den Retter der Welt kommen zu lassen. Dort auf den Feldern von Juda in der Nähe von Bethlehem erschien den Hirten eines Nachts der Glanz Gottes.

Die letzten Streifen Lametta in unserem Christbaumkarton, sie erinnern mich daran: Gott schmückt gerade das Mickrige, das scheinbar Geringe mit einem besonderen Glanz.

Ihr Christoph Neumann, Pastor in Hemer.

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