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Kirche in WDR 2 | 08.08.2014 | 05:55 Uhr

Wir machen Afrika kaputt

Sie gehören fast schon zum Inventar, könnte man zynisch sagen, von Tagesschau und Heute-Journal: die täglichen Katastrophenmeldungen aus Afrika. Vor Somalias Küsten kapern die Shabab-Milizen Schiff auf Schiff, in der Zentralafrikanischen Republik machen christliche Banden Jagd auf Muslime, in Nigeria übt die islamistische Boko Haram nackten Terror. Und wir nehmen in wohldosierten Häppchen das Elend zur Kenntnis und bedauern, was Stammes-fehden, Religionskriege und Bandenkriminalität in der Welt so alles anrichten können.

Falsch. Wir machen Afrika kaputt. Sagt jedenfalls der Politologe Werner Ruf, Professor für Internationale Beziehungen mit Forschungsschwerpunkt Nordafrika, ehemals Uni Kassel. Was er meint, ist: Hinter fundamentalistischen Glaubensexzessen und grausamen Gemetzeln zwischen verfeindeten Stämmen verstecken sich fast immer europäische, aber auch nordamerikanische und chinesische Wirtschaftsinteressen.

In der von blutigen Konflikten geplagten Zentralafrikanischen Republik zum Beispiel herrscht seit Jahrzehnten ein System aus Korruption und Kriminalität, das von dem Nuklearkonzern Areva und der Erdölgesellschaft Total am Leben gehalten wird. In Burkina Faso werden riesige Mengen an Diamanten und Gold abgebaut; trotzdem gehört das Land zu den weltweit allerärmsten. Niger liefert Uran für 58 französische Atomreaktoren, und nun hat dort auch China schleunigst Schürfrechte erworben. Die Sahelzone im Norden von Mali kontrolliert trotz französischer Militärinterventionen noch immer El Kaida, Die Terroristen machen viel Geld mit Drogengeschäften - kassieren Unsummen an der von Kolumbien über Westafrika nach Europa führenden Drogenroute.

So etwas weiß hierzulande kaum jemand. Es will eigentlich auch keiner wissen. Und wer es anspricht, bekommt zu hören, dass die Probleme Afrikas doch vor allem hausgemacht und weit weg sind. Da ist auch was dran. Und doch ist es nur die halbe Wahrheit. Die Europäische Union zwingt die armen Länder in sogenannte Freihandelsabkommen. Das bedeutet: sie dürfen zum Beispiel Zitrusfrüchte und Olivenöl nur dann nach Europa exportieren, wenn diese in Italien und Spanien jahreszeitlich bedingt gerade nicht produziert werden. Die Folge ist eine schwere Behinderung der tunesischen Exportwirtschaft. Wir sorgen beim Einkauf auf dem Wochenmarkt vor der Haustür mit dafür, dass die tunesischen Produzenten kaum etwas verdienen können. Aber das merken wir gar nicht. Woher auch?

Die Welt ist ein Dorf geworden. Und klar: gegen die Globalisiserung zu sein ist, wie gegen das Wetter zu sein. Sie Ernst zu nehmen bedeutet dann aber, die einfachsten Fragen nach Gerechtigkeit nicht mehr nur in unserem unmittelbaren Umfeld, sondern eben weltweit zu stellen. Es geht nicht um moralische Appelle, im Grunde nicht mal mehr um Entwicklungshilfe. Es geht darum, den afrikanischen Ländern einen fairen Anteil am Weltmarkt zu geben und ihnen die politische Chance zu verschaffen, ihre Volkswirtschaften ans Laufen zu bringen. Das bedeutet für uns: Wir müssen unsere eigene Kultur, deren Sehkraft höchstens bis an Europas Grenzen reicht, fundamental verändern. Das beginnt damit, dass wir anfangen, von Afrika zu wissen und über Afrika zu reden – und zwar genauso ernsthaft wie über den Euro, über die Rente mit 63 und über Fußball.

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