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Hörmal | 09.09.2018 | 07:45 Uhr

Offenes Denkmal

25 Jahre gibt es ihn schon, heute ist es wieder soweit: Der Tag des offenen Denkmals! Ich oute mich mal als Fan. Ich liebe es, alte Gemäuer zu durchforschen. „Burgen und Höhlen – und manchen unterirdischen Gang“ wie das früher hieß im 5 Freunde-Titelsong meiner Kindheit. Denkmäler versetzen mich in den Entdeckermodus.

Beim Nachdenken über den heutigen Tag hab ich für mich noch mal was ganz anderes entdeckt. Denn je mehr ich überlegt hatte, umso mehr fragte ich mich, ob nicht der Begriff „offenes Denkmal“ eigentlich ein Widerspruch in sich ist.

Denn zum Denkmal gehört im Grunde immer das Geschlossene. Und es geht mir nicht darum, dass viele Denkmäler abgeschlossen sind und dann heute offen sind. Nein, Ich meine das grundsätzlicher. Das Denkmal wird zum Denkmal, wenn damit etwas abgeschlossen wird. Jeder, der in einem denkmalgeschützten Haus wohnt, kennt das. Da kann nicht so einfach umgebaut werden, ergänzt oder abgerissen. Das Denkmal soll bleiben, so wie es ist, damit spätere Generationen noch sehen können, wie es früher einmal war. Das Denkmal ist auf die Zukunft hin abgeschlossen, konserviert.

Das genaue Gegenteil davon ist die Baustelle. Da gibt es zwar einen Baustellen-Plan, aber prinzipiell ist bei der Baustelle die Zukunft offen– und nicht nur der Berliner Flughafen zeigt, was während des Bauens noch alles für Überraschungen kommen können.

Das geschlossene Denkmal, die offene Baustelle. Geht beides nicht zusammen. Ein Widerspruch. Wie ist es aber dann mit einem offenen Denkmal?

Auf die Spur brachte mich ein Denkmal, an dem ich jeden Tag vorbeigehe auf dem Weg zur Arbeit. Und das ist hier im Westen Denkmal Nummer 1. Der Kölner Dom.

Der ist auf so vielen unterschiedlichen Ebenen ein Denkmal: für die gotische Architektur, für die Geschichte der deutschen Nation, für 1.000 Jahre Kunst- und Glaubensgeschichte und und und. Zugleich, und das weiß jeder, der den Dom von Nahem gesehen hat: der Dom ist nie fertig. Ist eine Dauerbaustelle. Über 60 Leute arbeiten hier. Immer gibt es irgendwo Gerüste. Und da wird in großen Teilen konserviert, aber nicht nur. Gerade 11 Jahre ist es her – in der Domgeschichte ein Augenblick – da wurde das sogenannte Richterfenster eingesetzt und gab dem Dom einen ganz neuen Raumeindruck. Insofern ist der Dom für mich in bester Hinsicht ein offenes Denkmal an dem auch weitergebaut wird, in die Zukunft.

Und genau das macht ihn für mich auch zu einem starken Bild für Kirche und Glauben. Denn der Dom birgt die Glaubensgeschichte von etlichen Generationen vor mir, er ist aber auch wandelbar auf eine Zukunft hin, die noch kommen wird.

Ich weiß natürlich wie schwierig das ist, beides zusammenzubringen: Da gibt es die einen, die sagen: Genau! In der Kirche muss der Glauben denkmalgeschützt werden, da darf sich nichts verändern – sonst verliert das alles an Wert. Und andere sagen: Kirche ist eine offene Baustelle wo der Glaube sich weiterentwickeln muss.

Je älter ich werde, umso mehr erfahre ich, dass meine Art zu Glauben gebaut ist auf jahrhundertealten Fundamenten. Und jeder Umbau ist ein Kraftakt, denn immer wieder stellt sich die Frage: was ist schmückendes Beiwerk? Wo geht es aber mitunter an die Substanz, wenn man da ran wollte? Aber da jede Generation sich dieses Glaubensgebäude auch zu Eigen machen sollte – braucht es immer wieder auch den Umbau, den Ausbau, ja – manchmal auch den partiellen Abbruch, um das Haus nicht verfallen zu lassen. Ein offenes Denkmal eben – mit hoffentlich vielen Leuten im Entdeckermodus.

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