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Kirche in WDR 5 | 28.12.2017 | 06:55 Uhr

„Ordne unsere Tage in deinem Frieden“

Guten Morgen.

In wenigen Tagen ist das Jahr 2017 Geschichte. Schon seit Anfang Dezember haben deshalb die alljährlichen Jahresrückblicke das Fernsehprogramm bestimmt. Viele Sender schauen nochmal zurück auf die vermeintlich spannendsten, dramatischsten und kuriosesten Ereignisse des Jahres. Redakteure wählen aus, sichten und sortieren und lassen somit ein Bild des vergangenen Jahres entstehen, das in einer Art Zusammenfassung das Gesamte präsentieren will.

Ich selbst bin „zwischen den Jahren“ auch ganz gerne dabei, alles Mögliche zu sortieren und zu ordnen. Früher habe ich dann immer meinen alten Kalender abgeschlossen und in den neuen, frischen die schon bekannten Termine des nächsten Jahres eingetragen. Ein Ritual, das im Smartphone-Zeitalter wegfällt, aber Papiere ablegen, den Kleiderschrank ordnen oder Fotos sichten – das ist immer noch angesagt. Freunde von mir legen in diesen Tagen immer ihre Foto-Jahres-CD auf. „Das war unser Jahr 2017“ – in Bildern dokumentiert.

Ich hatte neulich eine alte Fotokiste in der Hand, einen Ordner mit den Schwarz-Weiß-Bildern aus Kindertagen. Vergilbte Fotos vom Familienurlaub auf einem fränkischen Gasthof, wir Kinder auf dem Heuwagen, im Stall oder dann brav zusammengestellt bei Familienfesten, Erstkommunion und Einschulung…

Und wie ich mir die Bilder so ansah, habe ich mich gefragt: Woran erinnerst du dich eigentlich wirklich? Oder woran meinst du dich nur zu erinnern, aber im Grunde sind es nur diese Fotos oder die immer wiederholten Erzählungen von anderen, die in mir ein Bild von diesen Kindertagen haben entstehen lassen. Mir scheint: die wirkliche Erinnerung und die gewachsene Deutung und Interpretation lassen sich einfach nicht mehr unterscheiden.

Und so ist auch das Ordnen, Sortieren und Rückblicken am Jahresende eigentlich ein ganz eigener kreativer Akt, in dem ich dem wirklich Erlebten meine eigene Bedeutung, meine Gewichtung und eine persönliche innere Gestalt gebe und es so ablege. Mir gefällt das.

Wenn ich auf dieser Art auf mein Jahr 2017 zurückblicke, beginne ich innerlich zwei Kisten zu packen. In die eine lege ich die Highlights, das Gelungene, die Erfolge und die schönen Erlebnisse des Jahres. Und in die andere packe ich die Katastrophen, das Scheitern, die Verluste und persönlichen Niederlagen.

Mit der einen Kiste ist es leicht umzugehen: das macht ja Spaß, all dem Schönen nochmal so richtig Raum zu geben! Das sind Kraftquellen für das kommende Jahr!!

Aber was mache ich mit der Katastrophenkiste? Es geht ja nicht darum, die Wahrheit zu schönen oder zu verbiegen und mich selbst zu belügen, und diese Kiste rosarot anzupinseln. Es war ja wie es war.

Wenn ich also die beiden Kisten in mein inneres Regal stelle, werde ich auf die eine in fetten Lettern „Höhepunkte 2017“ schreiben, und auf die zweite schreibe ich: „Ungelöste Rätsel“!

Ich weigere mich einfach, das Schwere ein für alle mal als Katastrophen abzulegen. Vielmehr glaube ich daran, dass es so was wie eine „Wiedervorlage“ braucht, dass da manches noch nicht zu Ende gedacht ist und der Sinn sich womöglich erst später erschließt. So wie es schon das Sprichwort sagt: Kind, wer weiß, wofür das gut ist?

In einem alten Kirchengebet heißt es: „Gott, ordne unsere Tage in deinem Frieden.“

Ich wünsche mir, dass Gott beim Ordnen unseres Jahres 2017 einfach ein wenig mit sortiert, weil ich glaube, dass er den größeren Zusammenhang schon kennt. Und dass er uns anstoßen will, in all dem Erlebten einen hilfreichen, weiterführenden Sinn zu entdecken.

Das meint

Irmgard Conin aus Köln

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