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Kirche in WDR 5 | 29.12.2017 | 06:55 Uhr

Zwischen den Jahren - Umgang mit Ungewissheiten

Wir befinden uns in einer Zeit des Übergangs. „Zwischen den Jahren“ – sagen wir dazu. Das alte Jahr ist noch nicht ganz abgeschlossen, aber das neue Jahr hat auch noch nicht begonnen. So hängen wir irgendwie dazwischen.

In früherer, heidnischer Tradition wurde in dieser Zwischenzeit von Weihnachten bis Dreikönige auch von den Raunächten gesprochen. Um diese 12 Nächte ranken sich Legenden, Märchen und Mythen und der Aberglaube, dass in dieser dunklen Zeit die Seelen der Verstorbenen und alle möglichen Geister Ausgang haben. Schaurig-schön und unheimlich waren sie. Und um die damit verbundenen Ängste zu vertreiben kannten diese Nächte zahlreiche Rituale und Bräuche, die auch heute noch mehr oder weniger lebendig geblieben sind. Der Brauch an Silvester, Feuerwerk zu verpulvern, also richtig Lärm zu machen, entstammt ursprünglich dem Wunsch, solche Geister-Biester zu vertreiben. Da man sich in diesen Nächten vor der wilden Jagd nächtlicher Reiter und Heere in Acht zu nehmen hatte, war es verboten Wäsche aufzuhängen: die Reiter würden, so der Aberglaube, die weiße Wäsche gleich als Leichentuch für deren Besitzer benutzen. Wahlweise befürchtete man aber auch einen leeren Geldbeutel für das kommende Jahr – so jedenfalls hat es meine Oma mir in der Kindheit noch erzählt. Und sich treu an den Brauch der „Wasch-Abstinenz“ gehalten. In diesen Nächten wird auch der Versuch gestartet, einen Blick in die noch unbekannte Zukunft zu werfen, wovon bis heute das Ritual des Bleigießens an Silvester Zeugnis gibt.

Alles Maßnahmen gegen die Unsicherheiten der Übergangszeit.

Übergangszeiten, die verunsichern, gibt es allerdings nicht nur in dieser Jahreszeit; sondern immer dann, wenn etwas zu Ende geht und Neues, Unbekanntes auf uns zukommt. Wenn der Schulabschluss in der Tasche ist, aber noch nicht klar ist, ob es mit dem Studien- oder Ausbildungsplatz klappt und welcher es überhaupt sein soll. Und ebenso wenn das Arbeitsleben sich dem Ende neigt, die Rente naht und überhaupt nicht klar ist, wie man danach die Zeit gestalten will. Es gibt auch die alltäglichen Übergangszeiten, die kleinen Ungewissheiten. Wir bekommen im nächsten Jahr einen neuen Chef oder ein neuer Kollege kommt ins Team. Wir stehen vor einem neuen Projekt und wissen noch nicht genau, wie es anzugehen ist.

Pack ich das? Kann ich mit der Veränderung umgehen? Bin ich dem gewachsen?

Solche Zeiten können beunruhigen und ängstigen – das ist ganz normal.

Was aber hilft da, wenn es nicht die Silvesterknaller sind?

Vor einigen Jahren habe ich noch einmal beruflich meine Stelle gewechselt. Nach 19 Jahren in ein und derselben Aufgabe galt es, mir nochmal ein ganz neues Arbeitsfeld zu erschließen. Da meldeten sich auch aus dem Abgrund meiner Seele Ängste und „Geister-Biester“, von denen ich dachte, die hätte ich doch schon längst begraben.

Damals hat ein netter Kollege zu mir gesagt: „Das kriegst du schon hin. Was du anpackst, das verwandelt sich doch in deinen Händen zu Gold.“ Das war natürlich maßlos übertrieben, aber der Kollege hat mich geschätzt, an meine bisherigen Erfolge erinnert und mir einfach Mut zugesprochen. Das war ein wirklicher Segen und den habe ich durch diese Übergangszeit mitgenommen.

Angesichts von ungewisser Zukunft geben Rituale Sicherheit.

Ich halte nichts vom Bleigießen, auf Holz klopfen oder der Wäscheabstinenz an Silvester.

Aber ich halte was von Ritualen, in denen einer dem anderen etwas Gutes und Mut zuspricht. Wie z. B. das Ritual beim Kindergeburtstag in einer Kölner Förderschule: das Geburtstagskind darf die Kerzen auf dem Kuchen erst dann ausblasen, wenn alle anderen Kinder sich jeweils einen guten Wunsch für es ausgedacht haben.

Das kann ein echt gut gemeintes Wort aus voller Seele sein wie bei meinem Kollegen oder auch ein Segenszeichen, wenn ich ein kleines Kreuz auf die Stirn des Partners oder der Kinder zeichne.

Das lateinische Wort für Segnen heißt übrigens: Bene dicere, Gutes sagen. Dem anderen etwas Gutes zusagen und das auch zeigen ist wirklich ein Segen – und ein schönes Ritual.

Das Gute für den anderen liegt (nicht allein) in meiner Hand und meinen Möglichkeiten. Und so verbinde ich mich beim Segnen mit meinem Gott und hoffe, dass er die Ängste in Vertrauen wandelt und die Umbrüche des Lebens treu begleitet.

Benedictus – Gutes für Sie!

Das wünscht Irmgard Conin aus Köln

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