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Kirche in WDR 2 | 11.07.2015 | 05:55 Uhr

Wozu heiraten

Sie ganz in weiß. Der Brautstrauß mit roten Rosen und Perlen. Er im schicken dunklen Anzug. Die Trauzeuginnen in Cocktailkleidern. Wir, die Hochzeitsgesellschaft ebenfalls festlich gekleidet. Durch die bleiverglasten bunten Fenster fällt warmes Licht. Die Frau, die die Hochzeitszeremonie leitet, findet warme Worte über das Paar und die Ehe. Findet Bilder, die ansprechen. Und wir alle warten auf den großen Moment. Das Ja-Wort, den Kuss. Alles kommt. Alles: bis auf den Segen. Ich bin unruhig. Mir fehlt was. Ich befürchte, ich bin die einzige.

Die Zeremonie ist beendet, wir treten aus dem Raum, gehen die große Freitreppe des historischen Rathauses hinunter. Draußen erwarten uns Konfetti und jubelnde Hochzeitsgäste. Ein paar Meter weiter andere Hochzeitsgäste, ein großes Banner in Regenbogenfarben. Das Hochzeitspaar in dunkelblaue Anzüge gekleidet – Sie und Sie, ein lesbisches Paar hat ebenfalls geheiratet. Alles schick, alles schön. Fröhliche Stimmung. „Da braucht man doch gar nicht in die Kirche, wenn man so ein schönes altes Rathaus hat. Und auch die Standesbeamtin – so eine schöne Ansprache. Das hätte unser Pfarrer nicht so gut gemacht“, höre ich jemanden sagen.

Meine Freundin hat geheiratet. Und ich wünsche ihr und ihrem Mann sehr, dass die Ehe gelingt. Immerhin haben sich die beiden schon mal dazu entschlossen, sich trauen zu lassen. Das schafft Verbindlichkeit. Eine feste Grundlage – rechtlich, aber auch gefühlsmäßig. So ganz leicht ist es dann nicht mehr, einfach alles hinzuschmeißen wenn´s schwierig wird. Die Grundlage heißt: Sichere Rahmenbedingungen für die Partnerschaft und für Kinder – falls es klappt.

Ich überlege: Was brauchen Frauen und Männer, um ihre Partnerschaften gut zu gestalten? Offenbar auf jeden Fall einen verbindlichen Rahmen, der Rechte und Pflichten sicherstellt. Nicht umsonst boomt die „Ehe light“ in Frankreich. Da gibt es den Pacte civil de solidarité (Pacs), einen eheähnlichen Solidaritätspakt. Der sichert die Partner ab im Steuer- und Mietrecht sowie im Blick auf das Erben. Ein Pakt der Vernunft. In wenigen Minuten geschlossen, ohne „romantisches Getue“.

Und er kann genauso schnell aufgehoben werden. Erfunden wurde PACs für gleichgeschlechtliche Paare schon vor 16 Jahren. (1999)

Doch es braucht noch mehr für eine gelingende Beziehung. Vor allem eine gute Vorbereitung auf den Ehe-Alltag. Gemeinsame Visionen und Ziele. Die Fähigkeit, konstruktiv streiten zu können. Als Pfarrerin habe ich Paare getraut, die an so genannten Ehe-Seminaren der Kirchen teilgenommen haben. Sie waren gut vorbereitet. Konnten sagen, was sie sich von der Ehe versprechen, wie sie leben wollen, welche Regeln gelten sollen und warum sie kirchlich heiraten wollen. Sie wollen Gottes Segen.

In der Kirche stehen zwei vor Gott und versprechen sich gegenseitig: Ich will mein Leben mit dir teilen. Und ich weiß: Alle Gesetze der Welt, nicht mal unser guter Wille sind eine Garantie. Wir brauchen dazu Gottes Segen. Er möge unsere Herzen immer wieder zueinander führen und uns beschützen.

Das ist ein kostbarer Moment, wenn vor Gott und allen Freunden und Verwandten zwei sagen: Ja, Gott, mit deiner Hilfe wagen wir die Partnerschaft. Hilf uns über alle Gräben und durch alle Schwierigkeiten. Segne unseren Pakt, unseren Bund. Ein Leben lang. Denn allein mit Vernunft und Gesetz lässt sich nicht alles regeln.

http://www.zeit.de/2015/14/ehe-light-frankreich-schweiz/komplettansicht

http://dradiowissen.de/beitrag/pacs-ziviler-partnerschaftspakt-in-frankreich

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