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Kirche in WDR 3 | 09.03.2018 | 07:50 Uhr

Betrauern können

Wenn man auf sein Leben zurückblickt und da tauchen unübersehbare Trümmer-haufen auf, das ist ziemlich trostlos. So war das bei einem Patienten, der nach einem schweren Herzinfarkt vom Arzt gesagt bekam, dass er nicht wieder genesen würde. Der eigene Tod war absehbar. Dieses sein Leben, von dem er sprach, erschien ihm in jeder Hinsicht erfolgreich und glücklich verlaufen zu sein. Bis auf ein Ereignis, das sich jetzt unwiderstehlich in den Vordergrund drängte. Und dieses Ereignis hatte es in sich.

Am Ende des letzten Weltkriegs war er Kommandeur einer Truppe und hatte die Macht Schießbefehl zu erteilen. Davon hat er auch Gebrauch gemacht. Und in dieser Machtausübung erlebte er sich als Befehlshaber über Leben und Tod .Ein junger Mann, Anfang 20. Jetzt aber angesichts seines eigenen Sterbens wurde er eingeholt von dieser unheilvollen Macht, mit der er durch den Schießbefehl ausgestattet war.

Nachdem er das alles erzählt hatte, fragte ich ihn, ob er sich noch daran erinnern könnte, was er im Augenblick des Schießbefehls empfunden habe. Zuerst meinte er, er wisse es nicht mehr. Doch dann korrigierte er sich und sagte: „Ich musste doch meiner Truppe zeigen, dass ich ein ganzer Kerl bin.“ Dann begann der ganze Kerl, der er war, bitterlich zu weinen. Und da habe ich erlebt, was ein trostloses Weinen ist, Dieses trostlose Weinen hat mir von da an geholfen, Tränen der Trauer, des Schmerzes und der Reue von jeder Art Krokodilstränen zu unterscheiden. An diesen Mann habe ich gedacht, als ich im Fernsehen eine Diskussion darüber sah, wie die Soldaten lernen, im Nahkampf einen Feind zu erschießen. Originalton eine Diskussionsteilnehmers: „der Soldat muss lernen, in dem Moment, in dem er schießt, seine Seele auszuschalten.

Kein Wunder, dass eine derart belastete Seele keine Ruhe gibt, wenn man sie wie-der freilässt. Und das war angesichts, einer Krankheit zum Tode geschehen. Es gibt ein letztes, das uns umtreibt, wenn wir sonst alles schon erledigt haben. Das Testament liegt vielleicht längst in der Schublade. Unsere Lebensbilanz kann sich sehen lassen. Unsere Angehörigen versprechen, nur Gutes von uns zu erzählen. Und da kommt dieses trostlose Weinen dazwischen.

Ich war der Seelsorger dieses Menschen, derjenige also, der Sorge für seine Seele übernimmt. Wie konnte ich Trost anbieten, ohne denen in den Rücken zu fallen, die unter seinem Schießbefehl gefallen sind. Die Frage ließ mir am Abend jenes Tages keine Ruhe, ich telefonierte mit einem alten erfahren Priester. Und der sagte zu mir: wer bist Du, dass Du Dich diesem Menschen in einem solchen Augenblick hättest verweigern dürfen.

Lassen Sie uns Wertschätzung und Wohlwollen nicht aufgeben, wenn wir jemanden begegnen, der Trümmern und Ruinen hinterlassen hat und damit fertig werden muss. Darum bittet Sie Pfarrer Friedhelm Mensebach aus Köln.

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