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Kirche in WDR 4 | 31.05.2014 | 08:55 Uhr

80 Jahre Barmer Theologische Erklärung

Es gibt Situationen im Leben, liebe Hörerin, lieber Hörer, da muss man sich entscheiden. Man muss Ja oder Nein sagen. Es gibt keine eleganten Kompromisse und eine neutrale Stimmenthaltung ist auch nicht möglich. Man muss sich entscheiden, man muss Position beziehen. So war es auch heute vor 80 Jahren.

16 Monate schon regierten Adolf Hitler und seine Partei, die NSDAP, in Deutschland. Und nun konnten es alle spüren: Es hatte nicht nur ein Regierungswechsel stattgefunden, sondern eine Machtübernahme, die in alle Lebensbereiche hineinregierte. Es kam zur ideologischen Gleichschaltung in Kultur und Kunst. Politisch Andersdenkende wurden verfolgt, inhaftiert, gefoltert und getötet. Die Nationalsozialisten errichteten Konzentrationslager. Juden wurden zunehmend systematisch gesellschaftlich ausgegrenzt, gedemütigt und getötet. Auch in den christlichen Kirchen begann eine Gleichschaltung. So trieben „deutsche Christen“ als verlängerter Arm der Nationalsozialisten auch in der Evangelischen Kirche ihr Unwesen. Es begann ein „Kirchenkampf“.

Es gibt Situationen, da muss man sich entscheiden. Man muss Ja oder Nein sagen. So war das auch heute vor 80 Jahren. Vom 29. bis 31. Mai 1934 trafen sich mehr als hundert Vertreter der verschiedenen evangelischen Landeskirchen aus ganz Deutschland zur Bekenntnissynode in der Gemarker Kirche in Wuppertal-Barmen. Auf dem Programm stand keine politische Kundgebung, keine Demonstration. Wohl aber ein Wort zur Sache: So entstand mit der „Barmer Theologischen Erklärung“ ein Bekenntnis zu Jesus Christus und gegen die Diktatur des Nationalsozialismus.

Viele spürten damals: Der Blick zurück auf die Botschaft Jesu Christi schärft unseren Blick für das, was politisch im Gange ist. Wer weiß, wofür er steht, kann auch widerstehen, muss widerstehen. Eine Kirche, die sich zum gewaltfreien Jesus bekennt, muss staatlichen Totalitätsansprüchen Hitlers widerstehen. Und Christinnen und Christen, die glauben, dass Gott Menschen in ihrer Verschiedenheit unterschiedslos liebt, können Ausgrenzung, Diskriminierung und Verfolgung von Juden oder Menschen mit Behinderungen nicht hinnehmen. Soweit die Erkenntnis. Im Handeln aber, blieben die in Barmen versammelten Christen 1934 hinter ihren Einsichten zurück: Sie sagten kein Wort zur Verfolgung der Juden. Aus Sorge um die Zukunft der Kirche, aus Angst, dass die Kirche verwüstet werden könnte. Die ausgegrenzten, diskriminierten und verfolgten Jüdinnen und Juden waren nicht im Blick. An dieses Versagen der Gläubigen erinnert der heutige Tag auch.

Vor meinem Büro im Landeskirchenamt in Düsseldorf steht die Kopie einer Bronze-Plastik, die an die Barmer Theologische Erklärung erinnert. Das Original steht in der Fußgängerzone in Wuppertal-Barmen wenige Meter von der Gemarker Kirche entfernt. Die Büste hat zwei Seiten: die Ja-Sager und die Nein-Sager:

-Die Ja-Sager sind bei weitem in der Mehrheit und heben die Hand zum Hitlergruß. Eine entschlossen wirkende Massenbewegung.

-Die Nein-Sager sind eine kleine Gruppe, die sich von der Mehrheit abwendet und mit der Bibel im Zentrum bekennt: Gottes Wort bleibt in Ewigkeit.

Eine kleine Minderheit hat 1934 das Bekenntnis zu Jesus Christus aufrecht gehalten, gegen eine große Mehrheit.

Ich frage mich: Wo kann ich heute „ja“ sagen? Und wo muss ich „nein“ sagen, wo muss ich widerstehen?

Gedenktage: Sie warnen. Sie ermutigen. Sie sensibilisieren. Ich lasse mich gerne anstoßen. Ihr Präses Manfred Rekowski, Düsseldorf.

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