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Kirche in WDR 2 | 09.06.2018 | 05:55 Uhr

Abgebrannt

Was bleibt übrig, wenn einen das Leben durch´s Feuer schickt?

Da sitzt er auf dem Flur und wartet auf die Verhandlung.

Wie vor drei Tagen. Da ging es um den Offenbarungseid und seinen Firmenbankrot.

Nun wartet er auf seine Scheidung.

„Das war´s“, flüstert er vor sich hin und kämpft mit den Tränen. „Abgebrannt, ich bin total abgebrannt“. Er merkt gar nicht, dass er zu seinen Gedanken die Lippen bewegt. Der Anwalt dreht verlegen seinen Kopf zur Seite.

Seltsam, was einem in solchen Augenblicken in den Sinn kommt.

Er sieht sich selbst, wie er fünfzehn war. Mit Erika, die er sechs Jahre danach geheiratet hat, ist er in der gleichen Konfirmandengruppe. „Komisch,“ kommentiert er seine inneren Bilder, die ihn verwundern.

„Einen andern Grund kann niemand legen als den, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus“.

Eigenartigerweise hat er seinen so fruchtbar frommen Konfirmationsspruch nie vergessen. Mit Kirche und Glauben hatte er eigentlich nichts anfangen können.

Aber diese Worte sind geblieben. Seltsam, obwohl sie keine Rolle gespielt haben.

Weder in seiner Jugendzeit, noch als er seine Firma gründete. Auch nicht bei seinen vielen Frauengeschichten. Jesus: langhaariger Softie. Das war nichts für ihn.

Seltsam, was einem im Wartesaal vor dem Gericht für Gedanken durch den Kopf gehen. Jetzt kann er sich sogar an den Tag erinnern, als er in einer langweiligen Religionsstunde seinen Konfi-Spruch in der Bibel wieder gefunden hatte. Direkt danach wurde das Werk des Menschen verglichen mit einem Bau aus Gold und Silber, Edelsteinen, Holz, Heu, Stroh. Und dass das Feuer irgendwann zeigen wird, woraus das Werk des Einzelnen besteht.

Total abgebrannt. Ja, so fühlte er sich. Hab immer nur mit Stroh gebaut. Das brennt heiß, wenn es in Brand gerät.

„Erwarten sie nicht zu viel von mir“, sagt der Anwalt, „Unsere Position ist denkbar schlecht nach Gesetzeslage.“ Er steht auf und antwortet:

„Wird aber jemandes Werk verbrennen, so wird er Schaden leiden;

er selbst aber wird gerettet werden, doch so wie durchs Feuer hindurch.“

„Wie bitte“, fragt der Anwalt.

„Ach, lassen Sie nur, ist so ein alter Spruch. Hab ich einmal irgendwo mal gelesen. Bringen wir es hinter uns. Auf durch´s Fegefeuer.“

Er kann sich weder an den Namen seines Konfirmationspfarrers erinnern,

noch daran, wer ihm überhaupt jemals etwas vom Glauben erzählt hat und doch ist er froh, dass nach seinem Lebensbrand dieser kleine Strohhalm an ihm vorbei geschwommen ist.

Und er greift zu.

„… er selbst aber wird gerettet werden, doch so wie durchs Feuer hindurch“.

Darauf kommt es an. Auf nichts sonst.

Alles andere ist Eitelkeit.

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