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Kirche in WDR 2 | 13.09.2017 | 05:55 Uhr

Anfechtung macht den Theologen

„Guten Morgen“, sagte mein Radiowecker. „Aufwachen! Dem Mutigen gehört die Welt!“

„Oh Mann“, brummte ich ebenso genervt wie schlaftrunken. „Ich finde, es reicht, wenn du vom normalen Radioprogramm abweichst. Du musst mir nicht auch noch mit Sprichwörtern kommen. Fehlt nur noch, dass du wieder mit einem Lutherzitat um die Ecke kommst!“

„Nun, wenn dir das besser gefällt - kein Problem! Wie wär’s zum Beispiel mit: Anfechtung macht den Theologen?“

„Wie kommst du denn jetzt darauf?“ Mein Ärger wich ein wenig meiner Neugier.

„Ich hab‘ dir halt zugehört, wie du gestern Abend mit deiner Frau gesprochen hast. Und wie dein Chef dich abserviert hat, das geht dir doch wohl ziemlich an die Nieren.“

„Das ist ja auch ‘ne Riesensauerei!“ Und schon hatte mein Ärger wieder die Oberhand. Aber der Wecker ließ sich nicht aus der Ruhe bringen.

„Deswegen ist die Sache mit deinem Chef für dich eben ‘ne Anfechtung. Eine Krise, die dich komplett in Frage stellt.“

„Für diese aktuelle Schikane klingt das ein bisschen altertümlich, aber von mir aus. Und so was macht den Theologen aus?“

„Genau.“

„Also, jetzt hör mal zu. Mag ja sein, dass das zu Martin Luther gepasst hat. Aber das hat doch nichts mit mir zu tun! Ich bin nun ganz bestimmt kein Theologe!“

„Wieso denn nicht? Jeder, der sich mit Gott beschäftigt, ist ein Theologe. Und du hast doch erst letzte Woche deinem Sohn erklärt, dass Gott tatsächlich alle Menschen lieb hat. Ich glaub‘, er hat’s sogar begriffen.“

„Okay, wenn das so einfach ist, ein Theologe zu sein … Und wie hängt das jetzt mit der Anfechtung zusammen?“

„Na ja. Erst mal hängt der Glaube mit der Anfechtung zusammen. Denn der Glaube muss sich ja bewähren, wenn es Probleme gibt oder eine Krise.“

„Hm hm. So, wie ich das jetzt erlebe?“

„Genau. In so einer Situation kann Dein Glaube schwächer werden oder er kann reifer werden, erwachsener, vielleicht sogar stärker. Weil du merkst: Das Vertrauen auf Gott hilft dir, mit dem zurechtzukommen, was du erlebst.“

„Verstehe. Und dann werde ich ein besserer Theologe?“

„Das weiß ich nicht. Aber auf jeden Fall bleibst du einer. Weil dein Glaube dann nicht nur was Theoretisches ist. Sondern auch was Praktisches, Lebensnahes. Und ich mein‘: Was sich in Krisen bewährt, kann ja auch im Alltag nicht verkehrt sein.“

„Du meinst, auf diese Weise hätte die Anfechtung trotz allem Ärger sogar noch was Positives?“

„Ist jedenfalls nicht ausgeschlossen“, meinte mein Radiowecker mit einer gewissen Zuversicht in der Stimme - und schaltete auf WDR 2 um.

Das Zitat geht auf die Vorrede Martin Luthers zum 1. Band der Wittenberger Ausgabe seiner Schriften. Dort heißt es: „Oratio, meditatio, tentatio faciunt theolo¬gum.“ (Übersetzt: „Gebet, Meditation, Anfechtung machen den Theologen.“)

Zitiert nach WA (Weimarer Ausgabe), Bd. 50, S. 69.

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