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Kirche in WDR 5 | 30.08.2018 | 06:55 Uhr

Anwalt der Schwachen

Autorin: Guten Morgen.

Auf dem Zentralfriedhof Santa Maria Addolorata auf Malta. Manfred Rekowski, Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, betet.

O-Ton 1 Rekowski Videotagebuch Gebet auf dem Zentralfriedhof Santa Maria Addolorata, Malta: „Gott, Anwalt der Schwachen:

du hast dein versklavtes Volk begleitet,

als es aus Ägypten floh.

Du hast sie sicher durch das Meer geführt,

sie in der Wüste bewahrt vor Durst und Hunger,

und ihnen das Land der Verheißung erschlossen.

Wir legen dir die Flüchtlinge unserer Zeit ans Herz: …“

(Gebet von Sylvia Bukowski)

Autorin: 24 ertrunkene Flüchtlinge sind hier bestattet. Alle haben an einem Tag ihr Leben verloren. Die meisten aber werden nie gefunden. Das Mittelmeer wird immer mehr zum Massengrab. (1)

O-Ton 2 Rekowski: Wir haben es mit dem Weltproblem Flucht zu tun, von dem rund 70 Millionen Menschen … betroffen sind. Und das ist nicht ein vorübergehendes Phänomen, sondern das ist ein Grundproblem.

Autorin: Manfred Rekowski ist auch der Vorsitzende der Kammer für Migration und Integration der Evangelischen Kirche in Deutschland.

Ja, die Ursachen für Flucht sind gravierend und vielfältig: Hunger, Armut, Klimawandel, Herrschaft von Despoten, Unrecht und Krieg.

O-Ton 3 Rekowski: Dass über diese Fragen faktisch kaum gesprochen wird, sondern darüber, ob man vier bis sieben Menschen zurückschicken kann an der Grenze, das finde ich erbärmlich… Und wenn wir einen Masterplan brauchen, dann vielleicht einen Masterplan zur Beseitigung von Fluchtursachen.

Autorin: Vor allem aber schaut die Evangelische Kirche in Deutschland hin, wo unmittelbare Hilfe nötig ist. So unterstützt sie die zivile Seenotrettungsorganisation Sea-Watch, indem sie das Aufklärungsflugzeug „Moonbird“ mit finanziert. Durch seinen Einsatz konnten schon 20.000 Menschen gerettet werden und vermutlich 1000 vor dem Ertrinken bewahrt werden. Und „Moonbird“ dokumentiert das Sterben an der südlichen Grenze Europas:

Gott schaut jeden einzelnen Menschen an und gibt keinen auf. Aus dieser Überzeugung heraus hat sich Präses Manfred Rekowski Mitte Juli von Düsseldorf auf den Weg nach Malta gemacht. Um die Helfer von Sea-Watch zu treffen und mit ihnen zu sprechen. Sie dürfen zu diesem Zeitpunkt nicht mit dem Schiff ausfahren und das Flugzeug darf nur über Malta fliegen. Manfred Rekowski steigt in das Aufklärungsflugzeug ein und fliegt in dem erlaubten Radius mit. Doch dann:

O-Ton 4 Atmo Einsatz open arms aus Videotagebuch 2 Wir dürfen das nicht hinnehmen: Meeresgeräusch, Bootsmotor, Hilferufe von Rettern….

Autorin: Während Rekowski mit der „Moonbird“ in der Luft ist, erhält das Team schreckliche aktuelle Bilder von der spanischen Organisation „open arms“:

O-Ton 5 Rekowski - Videotagebuch 2 Wir dürfen das nicht hinnehmen: Die Trümmer eines Bootes, tote Menschen, mittendrin eine Frau, die ums Überleben kämpft. Auf den Trümmern offenkundig zurückgelassen von der libyschen Küstenwache. Bilder zum Wegsehen. Aber wenn wir das alle tun – wegsehen -, dann geht das Unrecht weiter. Deswegen müssen wir hinschauen, … Wir dürfen das nicht hinnehmen,… Hier steht viel auf dem Spiel und wir werden keine Ruhe geben.

Autorin: Am Hafen von Valetta versammeln sich die Crew von Sea-Watch, Gemeindemitglieder der Evangelischen Kirchengemeinde in Malta und Präses Rekowski zu einem Gedenken an die Kinder, die auf der Flucht gestorben sind. Kleine Kreuze, Schwimmwesten und Kerzen stehen in der Nähe eines Denkmals (2).

Präses Rekowski spricht am Rande dieser Gedenkfeier auch mit einer Mitarbeiterin von Sea-Watch. Sie erzählt, wie schwierig es ist, in konkreten Einsätzen zu helfen.

O-Ton 6 Rekowski - Videotagebuch 2 Wir dürfen das nicht hinnehmen: Und manchmal muss man entscheiden, wem kann man helfen und wem kann man nicht helfen... Gemeinsam haben wir uns auch aber Hoffnung und Mut gemacht. Haben miteinander gesungen: We shall overcome. Und das ist für mich so ein Ausrufezeichen, das ist auch mein Glaubensbekenntnis, (von hier an Gesang unter Text) dennoch – trotz allem – We shall overcome. (Musik und Atmo weiter unter Autorin)

Autorin: We shall overcome. Gemeinsam werden wir stark sein und es überwinden. Das tausendfache Sterben an der südlichen Grenze Europas.

Ihre Petra Schulze, Rundfunkpfarrerin in Düsseldorf.

( 1 ) https://www.youtube.com/watch?v=stZke5hw0Oc (letzter Abruf 21.08.2018)

( 2 ) Das „Child migrant monument“ steht im Hafen von Valletta (Valletta Waterfront). Es erinnert an die Auswanderung von 300 maltesischen Kinder in den 1950er Jahren. Passt aber auch zur aktuellen Situation.

Weitere Informationen: https://www.ekir.de/www/service/malta30426.php

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