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Kirche in WDR 5 | 12.09.2017 | 06:55 Uhr

Aufeinander zugehen

Guten Morgen, ich wartete bei typisch Wuppertaler Schauerwetter an einer Haltestelle auf den Bus. Er kam nicht pünktlich – auch das ist nicht ganz ungewöhnlich. Ein älterer Herr zwischen siebzig und achtzig Jahren kam nach einer Weile hinzu. Er begann das Gespräch ebenfalls nicht ganz überraschend mit dem Satz: „Was für ein Wetter. Es ist doch Sommer. In meiner Heimat haben wir besseres Wetter!“ Ich fragte: „Wo kommen Sie denn her?“ Er antwortete: „Ich bin in Marokko geboren. Vor 40 Jahren kam ich nach Wuppertal und habe hier immer gearbeitet.“

Nach einer kurzen Pause sagte er etwas unvermittelt: „Das Lied 'In die Hände spucken - steigern das Produkt' oder so ähnlich. Kennen Sie das?“ Mir dämmerte es dunkel: „Ach, sie meinen 'Ja jetzt wird wieder in die Hände gespuckt. Wir steigern das Bruttosozialprodukt.'“ (1). Ich erinnerte mich an den Song der aus den 80er Jahren von der Band Geier Sturzflug. Er versuchte mir in nicht ganz fließendem Deutsch den Refrain vorzusingen und fügte dann hinzu: „Ich habe hier in Wuppertal die Mülltonnen geleert. Die waren damals noch aus Eisen und schon leer ziemlich schwer. Ich habe alle Knochen kaputt.“

Über den alten Mann aus Marokko habe ich noch lange nachgedacht. Ja, so war das vor einigen Jahrzehnten: Willkommen waren alle, die arbeiten konnten und wollten. Unser Land brauchte Arbeitskräfte vor allem für die Jobs, die kein Deutscher mehr übernehmen wollte: Da, wo es heiß war, da wo es körperlich sehr schwer war oder da, wo es stank, kamen vorzugsweise ausländische Arbeitskräfte zum Einsatz. Sie sicherten so unseren Wohlstand und die wirtschaftliche Entwicklung. Als Gastarbeiter willkommen waren alle, die arbeiten konnten und wollten. Die Religionszugehörigkeit, die Nationalität oder die Kultur spielten erst einmal keine Rolle. Sicher war nicht alles harmonisch und unkompliziert. Mit den angeworbenen Gastarbeitern kamen Menschen, die ihre eigene kulturelle und religiöse Prägung mitbrachten.

Ich habe jedenfalls an der Bushaltestelle verstanden: Religion, Nationalität oder Kultur derjenigen, die zu unserem Wohlstand beigetragen haben, die wir für die Drecksarbeit geholt haben, dürfen nun nicht auf einmal zum Problem werden. Das ist nicht fair. Die Menschen sind verschieden. Alle von Gott geschaffen und gleich viel wert.

Gerade jetzt gemeinsam – das ist für mich ein Leitsatz, den ich den vielen Glaubenszeugnissen in der Bibel entnehme. Dem Wort Gottes, das darin seit Jahrtausenden überliefert wird und mich auch heute anspricht. An der Bushaltestelle habe ich gelernt: Gerade jetzt gemeinsam - das geht am besten, wenn man sich begegnet, aufeinander zugeht. Und wenn ein alter Mann aus Marokko aus dem Liedgut der „Neuen Deutschen Welle“ singt, dann sind Grenzen tatsächlich in Bewegung gekommen. Und dass die Spielregeln wie sie im Grundgesetz formuliert sind, für alle gelten, das hat er schon lange gelernt.

Anregende Begegnungen am heutigen Tag, wünscht Ihnen Präses Manfred Rekowski aus Düsseldorf. Im Aufeinanderzugehen beginnt etwas Neues, lassen Sie sich überraschen!

(1) https://www.youtube.com/watch?v=Yu8OYmFToyQ

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