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evangelisch

Choralandacht | 01.04.2017 | 07:50 Uhr

Aus tiefer Not schrei ich zu dir (eg 299)

Autorin:

Hier stehe ich, ich kann nicht anders. In dieser Woche stand bei Kirche in WDR3 ein Satz im Mittelpunkt, der auch Martin Luther nachgesagt wird: Ich kann nicht anders. Ich stehe zu dem, was ich glaube, was ich bekenne und was ich öffentlich gemacht habe. Für mich ist die Bibel der Leitfaden für mein Leben. Dort habe ich einen gnädigen Gott gefunden. An ihn glaube ich – ich kann nicht anders.

Um diesen gnädigen Gott geht es auch in dem Choral heute Morgen. Als Martin Luther um die Jahreswende 1523/24 diesen Text schrieb, ging es ihm entweder richtig schlecht – oder er hatte gerade eine Krise überwunden. Auf alle Fälle fällt Luther gleich mit dem ersten Vers mit der Tür ins Haus:

Choral. 1. Strophe

Aus tiefster Not schrei ich zu Dir, Herr Gott, erhör mein Rufen. Dein gnädig Ohr neig her zu mir und meiner Bitt sie öffne; denn so du willst das sehen an, was Sünd und Unrecht ist getan, wer kann, Herr, vor dir bleiben?

Sprecherin (overvoice):

Aus tiefster Not schrei ich zu Dir, Herr Gott, erhör mein Rufen. Dein gnädig Ohr neig her zu mir und meiner Bitt sie öffne; denn so du willst das sehen an, was Sünd und Unrecht ist getan, wer kann, Herr, vor dir bleiben?

Autorin:

In tiefer Not zu sein, war Martin Luther vertraut. Er sprach und schrieb oft von „Melancholie, die mich überfällt“ oder von dem „Fegefeuer, das unerbittlich in mir weiterbrannte“. Diese große innere Not beschreibt auch der Psalm 130. Mit dem Psalmdichter konnte sich Luther identifizieren, in diesem Psalm fand er sich wieder. Und so wurde er zum Leitfaden für das Lied:

Sprecher:

Aus der Tiefe rufe ich, HERR, zu dir. Herr, höre meine Stimme!

Lass deine Ohren merken auf die Stimme meines Flehens!

Wenn du, HERR, Sünden anrechnen willst – Herr, wer wird bestehen?

Denn bei dir ist die Vergebung, dass man dich fürchte.

Autorin:

Es ist kein Mensch, zu dem der Psalmdichter ruft – und später auch Martin Luther. Es ist Gott. Klar, sonst würden die Texte nicht in der Bibel oder im Gesangbuch stehen. Aber da steckt mehr dahinter. Beide Dichter wissen, dass es Dinge gibt, die ein Mensch einem anderen nicht erzählen mag oder nicht erzählen kann. Es gibt auch Dinge, die ein Mensch einem anderen nicht erklären kann, weil sie zu schwer zu beschreiben sind oder weil man sie einfach noch nicht formulieren kann. Da ist diese Not im Inneren, und die muss raus. Wer, wenn nicht Gott ist da der richtige Adressat?

Für Martin Luther hat diese Not einen Namen: Sünde und Unrecht. Anders ausgedrückt: quälende, notmachende Schuld und Ungerechtigkeit. Das soll Gott ansehen. Dafür ist Gott der richtige Ansprechpartner.

Choral, 2. Strophe

Bei dir gilt nichts denn Gnad und Gunst, die Sünde zu vergeben; es ist doch unser Tun umsonst auch in dem besten Leben. Vor dir niemand sich rühmen kann; des muss dich fürchten jedermann und deiner Gnade leben.

Sprecherin (overvoice):

Bei dir gilt nichts denn Gnad und Gunst, die Sünde zu vergeben; es ist doch unser Tun umsonst auch in dem besten Leben. Vor dir niemand sich rühmen kann; des muss dich fürchten jedermann und deiner Gnade leben.

Autorin:

Diese Strophe konnte Martin Luther so schreiben, weil er wusste, wie es anders geht. Jahrzehnte hatte er Angst vor Gott und lernte, dass man nur durch gute Taten Gott gnädig stimmen kann. Er erzählte seinem Beichtvater, wie sehr er sich damit gequält hat, „Ich habe als Mönch gedient bis zum Delirium. Ich habe Latrinen geputzt und Almosen gesammelt. Ich habe ununterbrochen gebetet und mich kasteit. Ich habe gefleht und gerungen. Und? Habe ich dabei mein Seelenheil gefunden? Nein“.

Erst als Luther den Vers im Römerbrief las: „Der Gerechte lebt aus dem Glauben“, da spürte er die Freiheit, die ein Christ haben kann. Deswegen dichtet er: „Es ist doch unser Tun umsonst auch in dem besten Leben, bei Gott gilt nichts außer Gnade und die Gunst, die Sünde zu vergeben.“

Choral, 3. Strophe

Darum auf Gott will hoffen ich, auf mein Verdienst nicht bauen. Auf ihn mein Herz soll lassen sich und seiner Güte trauen, die mir zusagt sein wertes Wort. Das ist mein Trost und treuer Hort; des will ich allzeit harren.

Sprecherin (overvoice):

Darum auf Gott will hoffen ich, auf mein Verdienst nicht bauen. Auf ihn mein Herz soll lassen sich und seiner Güte trauen, die mir zusagt sein wertes Wort. Das ist mein Trost und treuer Hort; des will ich allzeit harren.

Autorin:

Luther betont noch einmal in der dritten Strophe, dass es nicht auf das eigene Tun ankommt, um vor Gott bestehen zu können. Der Glaube an Gott ist entscheidend. An einen gnädigen Gott, der sich darüber freut, barmherzig zu sein. Der wie ein guter Vater seinen Kindern verzeiht, wenn sie einen Fehler gemacht haben. Der keine Opfer und keine Wiedergutmachung möchte. An so einen Gott glaubte Luther.

Und er ging in dem Choral noch einen Schritt weiter. Luther kommt in seiner letzten Strophe wieder auf den Psalm 130 zurück. Da spricht der Psalmbeter:

Sprecher

Ich harre des HERRN, meine Seele harret, und ich hoffe auf sein Wort.

Meine Seele wartet auf den Herrn mehr als die Wächter auf den Morgen;

mehr als die Wächter auf den Morgen hoffe Israel auf den HERRN!

Denn bei dem HERRN ist die Gnade und viel Erlösung bei ihm.

Und er wird Israel erlösen aus allen seinen Sünden.

Autorin:

Für den Psalmdichter kommt zur Gnade noch die Erlösung hinzu. Die Erlösung aus allen Sünden, wie es heißt. Also nicht nur Vergebung und ein „es ist wieder gut“ für den Moment. Sondern Erlösung meint, dass die Schuld völlig weggenommen ist. Für Luther war das durch den Tod Jesu am Kreuz geschehen. Mit dem Tod und der Auferstehung Jesu ist die Schuld der Menschen getilgt. Kein schlechtes Gewissen mehr, kein Wieder-aufs-Butterbrot-Schmieren, kein: ja, damals, da hast Du Dich richtig daneben benommen. Eine solche Erlösung kann nur Gott schenken. Luther fasst es in der letzten Strophe seines Chorals so zusammen: Gottes Gnade ist stärker als die Schuld der Menschen. Gott schenkt Erlösung. Und macht es so den Menschen möglich, in Freiheit zu leben.

Choral, 5. Strophe

O bei uns ist der Sünden viel, bei Gott ist viel mehr Gnade. Sein Hand zu helfen hat kein Ziel, wie groß auch sei der Schade. Er ist allein der gute Hirt, der Israel erlösen wird aus seinen Sünden allen.

Sprecherin (overvoice):

O bei uns ist der Sünden viel, bei Gott ist viel mehr Gnade. Sein Hand zu helfen hat kein Ziel, wie groß auch sei der Schade. Er ist allein der gute Hirt, der Israel erlösen wird aus seinen Sünden allen.

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