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Kirche in WDR 2 | 17.04.2015 | 05:55 Uhr

Aussteiger (Markus 1,13-15)

Im Vorübergehen sieht Jesus den Mann an. Er sitzt am Straßenrand – gut gekleidet – hinter einem Tisch mit geordnetem und gestapeltem Geld. Der Mann heißt Levi. Er ist Zollbeamter. Er arbeitet für die Besatzungsmacht, für die Weltmacht Rom. Jeden Tag sitzt er dort. Alle müssen an ihm vorbei. Manche spucken im Vorübergehen aus. Sein Job ist es, den Warenverkehr zwischen Dörfern und Provinzen zu kontrollieren und Wegezölle zu erheben. Die Höhe des Zolls liegt in seinem Ermessen. Das Finanzamt fordert von ihm nur einen Sockelbetrag. Ein Platz an der Sonne! Alles legal. Natürlich disqualifiziert ihn der Job bei seinen Leuten. Schließlich lebt er auf ihre Kosten. Aber egal. Hinter ihm steht Rom. Außerdem: Geschäft ist Geschäft. Seine Kinder brauchen jedenfalls auf nichts zu verzichten.

Das ist so ähnlich wie heute: Die westliche Welt gestaltet den Warenverkehr untereinander frei, erhebt aber Zölle auf die Einfuhr der Waren armer Länder. Zugleich diktiert man, wie diese Länder das eigene Steuersystem zu gestalten haben, wenn sie verschuldet sind. Die Folgen sind bekannt: Die Menschen in Entwicklungsländern bleiben arm, und auf ihre Kosten geht es uns hier so gut. Das hat System.

Im Vorübergehen sieht Jesus den Mann an. Dann sagt er zu ihm: Komm mit!

Und Levi steht auf und geht mit.

Mehr steht da nicht. Da werden keine beruflichen Veränderungsmöglichkeiten angeboten. Da steht auch nichts von einer therapeutischen Intervention. Jesus sieht den Mann nur an. Jemanden, der kein Ansehen hatte.

Was veranlasste Levi, mit zu kommen und damit auszusteigen aus seinem bisherigen Alltag? Vielleicht, so dachte ich, kann es ein glückliches, ein sinnvolles Leben zu Lasten anderer gar nicht geben. Levi steht auf und verlässt damit ein System, das zu Ausbeutung und Ungerechtigkeiten führt. Ein System, das Opfer produziert. Bis heute funktioniert die Logik: Ich bin wertvoll, weil ich mir etwas leisten kann. Und sei es auf Kosten anderer.

Vielleicht aber hat der Ausstieg Levis auch mit der Art und Weise zu tun, wie Jesus begegnet. Offenbar wird im Kontakt mit ihm mehr angerührt, als Karriere und Geld versprechen. Vielleicht wird der alte Traum angerührt: Ich werde geliebt, so wie ich bin. Ich bin wertvoll, einfach weil ich bin.

Jesus lebte und lehrte ein völlig anderes Gottes- und Menschenbild. Ein liebender Gott, der anrührt und ein freier Mensch, der sich berühren lässt. Nicht Opfer werden gefordert, sondern Gerechtigkeit. Diese Weltsicht ist bis heute revolutionär.

Levi steht auf und geht mit. Am selben Abend noch feiert er mit den neu gefundenen Freundinnen und Freunden ein Fest. Alle sind eingeladen. Niemand wird ausgeschlossen. Man kann sich nur selbst ausschließen vom Fest und hinter dem Gartenzaun bleiben.

Eine verrückte Gesellschaft sitzt da abends im Garten von Levi zusammen. Übrigens alles Menschen, die in der Stadt keinen guten Ruf haben. Aussteiger. Es sind die Freundinnen und Freunde Jesu. Sie sind herausgekommen, um miteinander das Leben zu feiern. Man isst und singt, lacht und tanzt. Ein tolles Gesindel! Eine gute Alternative.

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