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Kirche in WDR 3 | 09.01.2018 | 07:50 Uhr

Bleib dreckig!

Guten Morgen!

Gar nicht so lange her: Das Wochenende stand vor der Tür. Und eigentlich wollte ich meinem Freund nur etwas Nettes sagen. Etwas Belangloses. Ich gebe zu: Ich habe da auch nicht lange überlegt. „Viel Spaß am Wochenende“, rief ich ihm zu. „Und bleib sauber.“ Als ich mich umdrehen wollte, sah ich seinen irritierten Blick. Und dann fragte er: „Ja – was denn jetzt?“

Keine Sorge: Ich mache Ihnen hier jetzt nicht die Spaßbremse am frühen Morgen. Aber das ist ja schon eine ziemlich merkwürdige Redensart – dieses: Bleib sauber! Und ob sich das mit „Spaß“ verträgt – naja, die Zweifel meines Freundes scheinen mir da durchaus berechtigt.

Aber mal ganz unabhängig davon: Mir gelingt das jedenfalls in der Regel nicht – dieses „sauber bleiben“. Nicht, weil ich ein besonders schlechter Mensch wäre. Sondern vielleicht einfach nur deshalb, weil ich normal bin. Für mich ist „sauber bleiben“ jedenfalls eine ziemlich schwierige Sache. Nicht nur, weil irgendein kluger Psychologe einmal herausgefunden haben soll, dass wir im Durchschnitt 200 Mal am Tag lügen.

Wissen Sie, was ich aber noch interessanter finde? Dass ich so gerne „sauber“ bleiben würde, dass ich anfange, das „dreckige“ schön zu reden, „sauber“ zu reden. Wahrscheinlich bin ich nicht der einzige, der das ganz gut kann: Die Lüge hübsche ich zur Notlüge auf. Später mache ich daraus eine Halbwahrheit – und von der Halbwahrheit zur Höflichkeit ist der Weg nur noch halb so lang wie von der Höflichkeit zum Anstand. Ehe ich mich also versehe, habe ich nicht mehr nur „nichts Schlechtes“ getan. Ich habe sogar etwas besonders Gutes getan.

Oder neulich im Radio. Da gab es einen Bericht über einen Dieb. Der wurde bei seinem Tun beobachtet. Der Zeuge rief die Polizei. Die kam und nahm den Mann auf frischer Tat fest. Als man dann seine Personalien aufgenommen hatte und ihn gehen ließ, da stellte der Dieb die Person zur Rede, die in „verpfiffen“ hatte. Er verlangte Schadenersatz. Für die entgangene Beute. Ich vermute mal: Dieser Dieb hatte einen ganz eigenen Begriff von „sauber bleiben“. Zumindest hat da irgendetwas mit dem „Gewissen“ nicht ganz so funktioniert…

Bleib sauber – das ist also eigentlich ein frommer Wunsch. Etwas, von dem ich weiß, dass ich es wahrscheinlich nie erreichen werde. Aber ehrlich gesagt: Ich bin nicht einmal so sicher, ob der Wunsch wirklich so fromm ist. Weil ich mich manchmal nämlich frage, was eigentlich problematischer ist: Dass ich nicht immer sauber bleibe – oder dass ich mir das Dreckige schön rede.

Vielleicht sollte ich mir deshalb künftig eher sagen: Bleib dreckig! Nicht, weil das erstrebenswert wäre. Eher in dem Sinne: Erinnere dich daran, dass Dreck Dreck bleibt. Dass sich das nicht schönreden lässt. Aber dass ich darauf vertrauen kann, dass da einer ist, der das wirklich sauber machen kann. Dass ich also zu meinen Fehlern stehen kann. Nicht, um mich um eine Entschuldigung zu drücken, um ein Wort der Verzeihung. Auch nicht, um mich mit ihnen zu rühmen. Und schon gar nicht, um sie aufzuhübschen. Aber in der Gewissheit: Da ist einer, der kann tatsächlich alles Krumme gerade machen.

In diesem Sinne: Verzichten Sie heute doch auf das „weißeln“.

Bleiben Sie dreckig … und vertrauen Sie auf Gottes Gnade, Ihr Diakon Claudius Rosenthal

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