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Kirche in WDR 4 | 19.11.2014 | 08:55 Uhr

Buß- und Bettag: Keine Angst vor´m Teilen

Ein Feiertag ist ein Denkanstoß, ein „Denk mal“ im Kalender. Guten Morgen liebe Hörerin, guten Morgen lieber Hörer, auch der heutige Buß- und Bettag ist solch ein kalendarisches Denkmal. Abgeschafft seit 1995 sollte dieser Feiertag ein Beitrag zur Finanzierung der Pflegeversicherung sein. Doch eine wirklich auskömmlich finanzierte Versorgung pflegebedürftiger Menschen und angemessen bezahlte Pflegekräfte haben wir auch heute immer noch nicht. So gesehen bleibt Buß- und Bettag ein Anstoß.

Aber evangelische Christen feiern den „abgeschafften Feiertag“ immer noch, zum Beispiel mit Gottesdiensten am heutigen Abend. Dieser Tag erinnert uns daran, dass Umkehr notwendig und möglich ist. Wir müssen nicht in eingefahrenen Gleisen bleiben, ein neuer Blick, neues Denken und neues Tun sind möglich. Wir lassen uns in Bewegung setzen, von Menschen, die uns begegnen, herausfordern. Auch von Gott, der gelingendes Leben und Zusammenleben will.

Ich denke an die Flüchtlinge in unserem Land. Seit einigen Monaten wird in unserem Land lebhaft und oft kontrovers über die Flüchtlingsfrage diskutiert. Meist geht es dabei um die steigende Zahl der nach Deutschland kommenden Flüchtlinge und die damit verbundenen Herausforderungen. Wer über Zahlen diskutiert, sieht oft nicht mehr die Menschen, um die es geht: erschütternde Schicksale von Menschen, die etwas anderes als den Tod suchen, die leben, überleben wollen. Sie suchen Zuflucht in unserem Land, finden manchmal aber nur Desinteresse, Gleichgültigkeit oder Ablehnung. Auch Ängste, Sorgen und Fremdheitsgefühle werden geäußert. Ich will das nicht einfach wegschieben. Wir müssen das ernst nehmen.

Trotzdem wünsche ich uns einen anderen Blick. Zum Beispiel diesen: Vor einigen Wochen haben wir in einem Gottesdienst ein Kirchenlied gesungen, indem ein ganz schlichter Satz enthalten war: „Gott schuf die Welt nicht bloß für mich, mein Nächster ist ein Kind wie ich.“ (EG 412,4). Dieser Satz hat mich berührt und angesprochen. Ich habe keine Vorrechte, auch wenn ich schon länger in einem Land lebe, in dem die meisten ihr Auskommen haben. Die Welt ist nicht Eigentum derer, die über große Wirtschaftskraft verfügen. Die Menschen neben mir, die Frauen, Männer und Kinder aus dem Irak, aus Syrien sind, wie Christen es in einem Bild ausdrücken, „Kinder Gottes“. Ich habe ihnen nichts voraus.

Die Flüchtlinge kommen auch in unsere Kirchengemeinden. Sie sind uns fremd, aber sie sind Menschen, die Mitmenschen brauchen. Wir wollen sie willkommen heißen. Wenn wir dem einzelnen Menschen in die Augen sehen und von seinem Schicksal hören, wird aus einer abstrakten Zahl eine persönliche Geschichte, die berührt. Mit scheinbar kleinen Dingen können die Kirchengemeinden Großes leisten: ein freundlicher Blick, ein „Herzlich Willkommen“, Versorgen mit Lebensnotwendigem wie warmem Essen, Kleidung, Spielzeug für die Kinder. Hier geschieht schon viel, aber mehr ist möglich und nötig.

Ich habe immer wieder erlebt: Begegnungen mit Fremden aus Bosnien, Rumänien, Sri-Lanka, dem Iran oder aus Kaliningrad haben mich verändert. Ich frage, was ginge verloren, wenn wir uns abschotten, wenn wir wegsehen? Wir blieben in unserer eigenen kleinen Welt, setzten uns selbst zum Maßstab. Gott will mehr und hat anderes mit uns vor: Ich zitiere noch einmal aus dem anfangs genannten Lied: „Wer dieser Erden Güter hat, und sieht die Menschen (Brüder) leiden, und macht den Hungrigen nicht satt, lässt Nackende nicht kleiden; der ist ein Feind der ersten Pflicht und hat die Liebe Gottes nicht.“(EG 412,2)

Umkehr ist möglich. Daran erinnert uns der heutige Buß- und Bettag. Es grüßt Sie herzlich Ihr Manfred Rekowski – Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland.

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