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Kirche in WDR 5 | 31.08.2018 | 06:55 Uhr

Chemnitz: Rollt die Lawine?

„Man darf nicht warten, bis aus dem Schneeball eine Lawine geworden ist. Man muss den rollenden Schneeball zertreten. Die Lawine hält keiner mehr auf.“ Das hat Erich Kästner gesagt. Der berühmte deutsche Erzähler und Dichter. Er stand selbst auf dem Opernplatz in Berlin, 1933, als die Nazis öffentlich Bücher verbrannten. Auch seine.

Chemnitz 2018. Der rechte Mob erobert die Straße, zeigt den Hitlergruß, jagt willkürlich Menschen, die irgendwie nicht deutsch aussehen. Ich frage mich, rollt die Lawine schon? Und wenn: lässt sie sich noch aufhalten? Ob Leute aus meiner Nachbarschaft wohl mitgegangen wären? Neulich beim Grillfest machte jemand so Bemerkungen. Und meinte noch: „Wenn ich das sage, bin ich ja ein Rechter.“

Was wir in Chemnitz sehen, ist bedrohlich. Die Rechten benutzen den Tod von Daniel H., um Hass und Rassismus auf die Straße zu bringen. Jeder, der hier mitläuft, bringt die Lawine weiter ins Rollen.

Ich widerspreche. Schon seit einiger Zeit. Ein Bekannter teilt auf Facebook ein vermeintliches Merkel-Zitat. Ich habe es überprüft. Es kommt aus der rechten Presse und ist ziemlich verfälscht. Deshalb habe ich ihm eine persönliche Nachricht geschrieben: „Ist dir bewusst, was du da teilst?“ Seine Reaktion: „Oh, es war wohl schon spät.“ „Na, dann pass mal besser auf! Besser nicht teilen, was die Rechten teilen!“, hab ich noch geschrieben.

An einem Marktstand erzählt eine Frau vom Flüchtlingsheim in ihrer Nachbarschaft. „Es sind schon wieder Fahrräder geklaut worden. Wie die sich hier benehmen. Man muss echt aufpassen.“ Ich bin irritiert und frage: „Und wenn das ein kleinkrimineller deutscher Gymnasiast gewesen wäre, würden Sie dann auch sagen: Passt auf bei diesen Gymnasiasten?“ „Ach so, nein...“

An vielen kleinen Stellen den Mund aufmachen, das ist jetzt angesagt. Auf Facebook, beim Grillfest, auf dem Markt. Ich höre nicht mehr weg, zeige Gesicht und kenne viele, die das auch tun. Denn was manche nur sagen oder phantasieren, bringen andere hemmungslos auf die Straße. So wie in diesen Tagen in Chemnitz. Ich erwarte auch, dass die Polizei hinsieht und einschreitet. Und ich erwarte, dass die Politik klare Kante zeigt.

„Man darf nicht warten, bis aus dem Schneeball eine Lawine geworden ist. Man muss den rollenden Schneeball zertreten. Die Lawine hält keiner mehr auf.“ Erich Kästner hat im Rückblick gesagt: Vielleicht wäre es bis fünf Jahre vor der Machtergreifung Hitlers noch möglich gewesen, gegenzusteuern.

Also: Jetzt ist die Zeit, zu widersprechen. Sonst rollt die Lawine.

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