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Hörmal | 09.04.2017 | 07:45 Uhr

Den Teppich ausrollen

Wenn Stars angesagt sind, dann wird der rote Teppich ausgerollt. Offenbar will man den Stars – ob Spitzenpolitiker oder Pop-Ikone – nicht zumuten, sich die Schuhe schmutzig zu machen, wenn sie den Boden berühren, man will ihnen einen weichen Untergrund bieten, damit sie sanft auftreten. Und nicht zuletzt spielt für die Fotografen der farbige Kontrast eine wichtige Rolle, um sie besonders herauszuheben.

Das Ritual ist uralt und findet sich schon in der Antike bei Zeremonien am Herrscherhof, wo man den Weg zum Thron mit einem Teppich auslegte. Besonders kostbar war damals die rote Farbe, gewonnen aus dem Sekret der Purpurschnecke. Das Beste war – sozusagen – gerade gut genug für den König oder die Königin. Und das gilt in gewisser Weise für den Starkult bis heute.

Gleichzeitig schafft der rote Teppich aber auch eine deutliche Distanz zu den Stars, weil man als normal Sterblicher diesen Teppich nicht betreten darf. Und so findet an dieser Stelle auch keine echte Begegnung statt auf Augenhöhe. Schlimm ist es, wenn aus dieser Distanz Starallüren erwachsen, wenn nämlich die Stars der Welt nichts mehr mit den normalen Menschen zu tun haben oder zu tun haben wollen.

Mir tun inzwischen so manche Stars leid, wenn sie eben diese Bodenhaftung verlieren, weil der rote Teppich sie zwar heraushebt, aber zugleich isoliert. Wenn man berühmt wird, liegt darin eben immer diese Gefahr.

Es war zwar kein roter Teppich, der ausgerollt wurde, aber als Jesus – so heißt es – in Jerusalem auf einem Esel reitend einzog, da sind ihm die Menschen entgegen gekommen, haben ihre Kleider ausgezogen und auf den Boden gelegt. Dazu haben sie Palmzweige abgerissen und ebenfalls auf den Boden gelegt. Das gab dem heutigen Gedenken an den Einzug Jesu in Jerusalem den Namen: Palmsonntag. Das Ganze stelle ich mir alles andere als distanziert vor. Das muss damals ein ziemliches Gewusel gewesen sein. Die Menschen müssen Jesus wirklich nahe gekommen sein. Bei einer anderen Gelegenheit heißt es sogar, dass die Menschen sich so um ihn gedrängt haben, dass sie ihn fast erdrückten (vgl. Lk 8,45).

Die Geschichte erzählt vom Einzug Jesu wie von einem Herrscher, einem Retter, einem Star, aber beschreibt ihn ohne Starallüren, sondern verweist direkt auf eine Vorhersehung im Alten Testament durch einen Propheten. Und darin heißt es, dieser Retter sei vor allem (vgl. Sach 9,9): friedfertig, gerecht, demütig, und er würde helfen.

Und genau so stelle ich mir einen echten Star auch noch heute vor: Er muss bei den Menschen und für die Menschen da sein, ob als Politiker oder als Pop-Ikone.

Dass das nicht immer leicht ist, das wusste übrigens auch schon der der Kirchenvater Augustinus. Der hat eine Klosterregel geschrieben, nach der auch die Ordensgemeinschaft lebt, der ich angehöre.

Augustinus hat zwar die kirchlichen Oberen im Blick, aber was er sagt, gilt allgemein für alle Höhergestellten – auch für Politiker und Pop-Ikonen. Er sagt: „Je höher einer gestellt ist, desto größer ist die damit verbundene Gefahr.“ Und Augustinus fordert dann Nachsicht gegenüber denen, die in Gefahr geraten, abzuheben. Er schreibt: „Habt deshalb nicht nur mit euch selbst, sondern auch mit ihnen Erbarmen.“

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