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Hörmal | 05.08.2018 | 07:45 Uhr

Der Buber Blick

Wissen Sie eigentlich, was der Martin-Buber-Blick ist? Wenn ich ehrlich bin: Ich hatte keine Ahnung. Vielleicht eine besondere Art der Augen-Fehlstellung? Falsch. Geändert hat sich das, als ich eines Tages in Worms gewesen bin. Auf einer Gemeindefahrt.

Um freie Zeit zu füllen, gehen wir spazieren und stehen dann plötzlich auf diesem jüdischen Friedhof, dem Heiligen Sand. Inmitten uralter Bäume, umgeben von grauen, verwitterten Grabsteinen. Völlig ungeordnet, auf das Grün des Rasens gesetzt. Viele schon bedenklich geneigt, dem Umfallen nahe. Manche tatsächlich fast 1000 Jahre alt. Ein wirklich beeindruckender Ort. Und da habe ich ihn entdeckt, den Martin-Buber-Blick. Man findet ihn, wenn man über diese uralten Grabsteine hinweg zum Wormser Dom hinaufschaut.

Was für eine hübsche Ansicht. Aber die Zusammenschau von uralter jüdischer Erinnerung und christlichem Dom ist mehr: Das hat der jüdische Religionsphilosoph Martin Buber beschrieben. Daher der Name. Auch er ist hier gewesen. Fühlt sich tief verwurzelt in der Geschichte Gottes mit seinem Volk: dem erwählten Volk Gottes – ein Glaube, der von den Eltern an die Kinder weitergegeben wird. Bezeugt über 1000 Jahre hinweg von den Namen auf den Steinen. Und dennoch genauso lebendig wie vor 1000 Jahren. Und dann blickt Buber über diese Grabsteine hinweg zum Dom hinauf. Einem beeindruckenden Zeugnis für die Kraft des christlichen Glaubens. Jüdisches und Christliches, in diesem Blick begegnen sie sich. Und so wird dieser Blick zum Symbol.

Unterschiede, auch Glaubensunterschiede, müssen nicht aufgelöst werden. Es geht nicht ums Gewinnen. Es geht darum, miteinander ins Gespräch zu kommen. Wenn man achten kann, was den anderen ausmacht. Respektiert, was er mitbringt, an Wahrheiten, Ideen und Träumen, kann man miteinander ins Gespräch kommen. Und entwickelt sich selber weiter. Und zwar gerade, weil der andere anders ist und anders bleiben darf.

Ganz konsequent setzt sich Buber zeitlebens für den Dialog ein: Zwischen Israel und Deutschland, zwischen Christen und Juden, zwischen Israelis und Palästinensern. Und ist damit ein bedeutender Wegweiser auf dem Weg zu einem gerechten Frieden. Zukunft durch Dialog. Ich stehe da in Worms auf diesem uralten Friedhof. Zufällig dort hingeraten. Schaue wie einst Buber über die Grabsteine hinweg auf den Dom. Und bin beeindruckt. So eine hübsche Aussicht. Und ein so hoffnungsvoller Gedanke. Dieser Martin-Buber-Blick.

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