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Kirche in WDR 3 | 10.03.2018 | 07:50 Uhr

Der geschenkte Augenblick

Er hatte sie seit 20 Jahren nicht mehr gesehen. So lange war lag die Scheidung schon zurück. Und solange war es her, seit sich ein letztes Mal gesehen und erlebt hatten. Jetzt lag er im Sterben. Nach einer langen unheilbaren Erkrankung war es soweit und es konnte nur noch Stunden dauern, bis dieses Leben vorbei sein würde.

An seinem Sterbebett saß seine hoch betagte Mutter, eine tapfere Frau. Sie tat alles, was sie tun konnte, damit er in Frieden sterben konnte. Ohne Trost sollte er nicht sterben. Aber dieser Trost sollte nicht allein von ihr kommen. Darum ließ sie einen Priester rufen und der war ich.

„Seine geschiedene Frau kommt gleich“, sagte sie mir auf dem Flur als wollte sie mich darauf vorbereiten, „die beiden haben sich seit zwanzig Jahren nicht mehr gesehen“. Währenddessen schauten wir den langen Krankenhausflur entlang und sahen, von weiten eine energische Frau auf uns zukommen. „Da kommt sie“, sagte seine Mutter. Ich ging ihr entgegen, um mich vorzustellen. Sie wirkte auf mich sehr entschlossen. Und als ich mich beeindruckt zeigte, dass sie diesen Weg nach so langer Zeit in dieser schweren Stunde auf sich genommen habe, da antwortete sie kurz und bündig: „Ja, das muss sein.“

Wir gingen zusammen hinein in das kleine Zimmer, in dem er lag. Sie stand noch in der offenen Tür. Er erblickte sie mit weit aufgerissenen Augen. Er streckte ihr seine offenen ausgebreiteten Arme entgegen, richtete sich mit letzter Kraft auf, als wollte er aufstehen. Dann sank er in sich zusammen und war tot.

Es war das letzte Ereignis seines Lebens, das ich hier als Seelsorger miterleben durfte und das bleibt mir unvergessen. Was auch immer geschehen ist und zum Zerbrechen dieser Ehe geführt haben mag, ich weiß es ja nicht. Aber hier geschah etwas Heilendes und es geschah sprichwörtlich in letzter Minute. Man sagt ja gerne: „Die Hoffnung stirbt zuletzt“. Was hier passiert ist, war eine Hoffnung, die sich erfüllt hat.

Mir kam die Frage in den Sinn, wie die Beerdigung dieses Menschen wohl verlaufen würde. Hätte ich das letzte Gebet zu sprechen, so wäre es ein altes Gebet des Totengedenkens aus einer katholischen Eucharistiefeier. Da heißt es: „Gedenke der Verstorbenen, deren Glaube niemand so kennt, wie Du.“ Dieses Gebet geht mir nahe, weil die betende Kirche hier bekennt, dass sie nichts weiß und kennt, was den Glauben des einzelnen Menschen betrifft. Und dass sie nichts tun kann, als das Leben am Ende Gott zu überlassen.

Dass niemand unseren Glauben kennt als Gott allein, das zu beherzigen gilt auch mitten im Leben. Ein gutes Wochenende wünscht Pfarrer Friedhelm Mensebach aus Köln.

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