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Kirche in WDR 2 | 31.03.2018 | 05:55 Uhr

Der Tag danach - und davor

Am Morgen danach wussten sie, dass die Welt sich weiterdrehte. Dass es abends dunkel geworden war – wie jeden Tag- und morgens wieder hell. Schlafen war eher ein Rumwälzen gewesen. Die Bilder hinter den Augenliedern liefen wie ein Film in Dauerschleife. So, als wenn es helfen würde, immer und immer wieder zu sehen, wie er starb, um zu begreifen, dass er tot war. Und langsam begriffen sie das Jesus tot war – gekreuzigt – und doch das tat noch mehr weh.

Am Morgen danach wussten sie, dass sie etwas essen würden und trinken; ihre Körper lebten weiter. Sie wussten, dass sie ohne ihn weiterleben mussten, aber sie wussten auch, sie wollten es nicht. Und für drei Sekunden war da immer wieder diese Hoffnung, dass er vielleicht doch gleich wieder da stehen würde. Aber die drei Sekunden danach tat es noch mehr weh.

Doch sie standen auf zum ersten Tag ohne ihn und warteten, ohne zu wissen auf was. Und die Zeit ging voran und die Welt drehte sich weiter.

Damals in Jerusalem. Am Tag nach Jesu Kreuzigung, am Karsamstag. Nichts wird erzählt von diesem Tag. Nur das sie nichts taten. (Lk 23,56) Nichts kann Ruhe geben, aber Nichts ist auch die Bühne für die großen Fragen, die lauten Klagen, die „Warums“ und die „Wie jetzt weiter?“ auf die es keine Antwort gibt und die trotzdem wiederholt werden bis sie gehört werden auf der Bühne der Welt, wo zu oft nur Drama, und manchmal sogar der Horror des Lebens zu sehen ist. Aber was gehört werden kann und gesehen ist mehr als Nichts. Es ist ein Blick zurück und ein Blick nach vorn. Wie damals in Jerusalem bei den Angehörigen Jesu von Nazareth und auch heute in den Trauerhäusern der Welt. Ruhe, ein Nichts, ein Schock, Stille jenseits des Lebens, wenn der Tod die Hauptrolle spielt und: Fragen. Mehr Menschen sterben heute sehr alt, aber viel zu viele immer nochzu jung - sinnlos durch Gewalt und Krankheit. Menschen sterben, die anderen die Welt bedeutet haben und die, die sie geliebt haben, fragen sich, wie sie sich weiterdrehen kann. Gleichzeitig drehen sie die Welt mit weiter, damit das Leben weiter gehen kann. Vor und hinter dem Nichts, der Stille und den Fragen wird die Beerdigung organisiert, der Nachlass sortiert. Und während des Tuns und des Nichtstuns geht die Zeit voran, mal unfassbar schnell und einprägsam wie eine Grablegung, mal quälend langsam wie ein Trauerprozess.

Und dann bricht der Abend des Tages danach an, der Abend nach dem Tag von Jesu Kreuzigung. Und die Nacht flüstert eine Verheißung: „Morgen wacht ihr auf, und das ist der dritte Tag, Ostern, an dem etwas Neues beginnt. Und das macht das Heute nicht nur zum Tag danach, sondern auch zum Tag davor.“

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