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Kirche in WDR 2 | 01.03.2017 | 05:55 Uhr

Die Fremde im Familiengrab

Der Friedhof Bonamorone in Agrigento, Sizilien. Ein beeindruckender Friedhof.

Von hier aus ist in der Ferne das Meer zu sehen und irgendwo da hinter dem Horizont liegt Lampedusa. Hier ist auch das Grab von den Gelardis.

Auf der Grabplatte die Fotos von einem Mann und einer Frau. Der Mann war ein Mitglied der Familie, die Frau nicht. Niemand aus der Familie Gelardi hat sie je gesehen, als sie noch lebte oder auch nur von ihr gewusst.

Sie hieß Kiflay Wegahta und stammte aus Eritrea. Das Foto zeigt nur, dass sie jung war und schön. Die Zahl „47“ auf dem Bild irritiert darum. Aber es ist keine Altersangabe, sondern eine Registrierungsnummer.

Kiflay Wegahta wurde als 47. von 368 toten Flüchtlingen geborgen, die am 3. 10. 2013 vor Lampedusa ertranken.

Und die Gelardis haben das siebzehnjährige Mädchen aufgenommen in ihr Familiengrab.

„Das ist doch ganz natürlich“, sagt Giuseppe Gelardi, ein 74jähriger Pensionär.

Mit Aufmerksamkeit und Interviews hatten sie nicht gerechnet, als sie sich zu einer Geste entschlossen, die vielleicht natürlich ist, aber ganz gewiss außergewöhnlich.

„Letztlich war es eine spontane Idee. Wir überlegten, was wir tun können. Und nun ging es vor allem darum, dass die Toten in Würde begraben werden“, erklärt Amalia Gelardi.

Die Gelardis fragten die zuständigen Behörden, ob sie einen toten Flüchtling in ihr Familiengrab aufnehmen könnten. Dabei hätten sie niemals Bedingungen gestellt, wie etwa, dass es ein Christ sein soll.

Obwohl alle, die seit etwa 1900 in dem Familiengrab der Gelardis bestattet wurden, katholisch waren. Die Religion des Toten spielte für die Familie keine Rolle. An der Beerdigung des Mädchens aus Eritrea nahm der Bürgermeister von Agrigento teil und viele andere auch. Die spontane Geste der Gelardis wurde zu einer öffentlichen.

Zu den beiden Brüdern von Kiflay, die die Katastrophe überlebten, haben die Gelardis Kontakt. Sie sind inzwischen Norweger, einen haben sie dort getroffen:

„Wir haben uns immer wieder umarmt“, erzählt Amalia und wie emotional das Treffen gewesen sei.

Ob es auf dem Friedhof von Bonamorone auch so ist, wie andernorts in Italien, dass die Überreste der Verstorbenen irgendwann aus den Gräbern entfernt werden?

Vielleicht auch die von Kiflay?

„Nein“, sagt Amalia, „sie bleibt bei uns - für immer“.

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