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Kirche in WDR 2 | 04.08.2015 | 05:55 Uhr

Die Inklusionslüge

Autorin: Max hat überlebt. Die fünfte Klasse am Gymnasium. Seine Mutter übrigens auch. Doch beide bekommen Bauchschmerzen, wenn sie daran denken, dass die Schulferien bald vorbei sind. Max tickt nämlich anders als die anderen. Er redet nicht mit jedem, verbringt die Schulstunde auch gerne mal unter dem Tisch und bezeichnet seinen dunkelhäutigen Mitschüler als Schoko Muffin. Man kann das witzig finden, kreativ, originell. Die Lehrer sehen das anders. Sie reagieren mit Elterngesprächen, Schulverweisen und jede Menge fünfen und sechsen. Und das obwohl er eine Inklusionsklasse besucht. Eine Klasse für Schüler mit und ohne Behinderung . Max ist das, was man ein Opfer der Inklusion nennt.

O-Ton: Das Problem ist, dass die Kinder oft untergehen. Sie gehen deshalb unter, weil die Klassen zu groß sind, weil das didaktische Know-How nicht vorhanden ist, weil die Förderschullehrer z.T. ambulant von Schule zu Schule fahren und nur drei bis 5 Stunden pro Woche Kinder mit Behinderung begleiten und trotzdem meint man, man könnte Menschen mit Behinderungen, Kinder mit Behinderungen in diesen Schulen beschulen.

Autorin: sagt der Theologe und Sozialethiker Prof. Dr. Uwe Becker. Er kritisiert, dass die Grundlagen für die Umsetzung der Inklusion bis heute fehlen. Prof. Uwe Becker:

O-Ton: … das es verlogen ist, zu denken, dass die bestehenden Systeme, ob das Arbeitswelt ist, ob das Schule ist, so bleiben können, wie sie sind, wenn Inklusion wirklich praktiziert werden soll.

Autorin: Die Wahrheit ist - und die wird verschwiegen -

O-Ton: dass allein für das Schulsystem Milliarden von Euro in die Hand genommen werden müssten. Die Gebäude müssten komplett renoviert werden, die Lehrer müssten qualifiziert werden, die Klassen müssten kleiner sein. Es müssten Regelschullehrer und Förderschullehrer präsent sein. Es müsste sich gleichzeitig die ganze Didaktik sich verändern.

Autorin: Weg von einer leistungszentrierten hin zu einer personenzentrierten Didaktik. Dies fordert Uwe Becker auch in seinem jüngst erschienenen Buch: Die Inklusionslüge. Mit dem schönen Untertitel: Behinderung im flexiblen Kapitalismus.

O-Ton: Der flexible Kapitalismus zeichnet sich dadurch aus, dass er sozusagen immer im Gewand der moralisch bestehenden Normen auftritt.

Autorin: - also betont harmlos - dabei geht es dem flexiblen Kapitalismus nicht um die Menschen mit Behinderungen, sondern darum, den Gewinn zu maximieren. Es gibt zu wenig Fachkräfte in Deutschland. Deshalb will man nun stärker als bisher Menschen mit Behinderungen in den Arbeitsmarkt einbinden.

O-Ton: Das ist ja an sich nicht verwerflich, aber ich befürchte, dass wir an dieser Stelle auch einen Selektionsprozess haben, nämlich das wir sozusagen zwei Kategorien von Menschen mit Behinderungen haben. Die einen, die erwerbsfähig sind, die anderen, die nicht erwerbsfähig sind.

Autorin: Becker fordert vom Staat die finanzielle und die rechtliche Sicherstellung von Inklusion – damit sie politisch gelingt und mehr ist als ein moralischer Appell an die Bürger. Wenn dies gelingen sollte, dann ist Inklusion auch eine Riesenchance für alle, die an der Leistungsorientierung unserer Gesellschaft leiden, sei es im Bereich Bildung oder Arbeit:

O-Ton: Ich glaube, dass Inklusion Recht verstanden extrem revoltuierendes Potenzial hat. Wenn man hier lernen könnte, dass Inklusion auch bedeutet, wegzukommen von der alleinigen Reduzierung auf Konkurrenz und Leistungsprinzipien, dann würde das diese Gesellschaft enorm bereichern.

Autorin: Es würde die Gesellschaft auf jeden Fall wärmer und bunter machen. Und Max müsste keine Bauchschmerzen mehr haben.

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