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Kirche in WDR 2 | 14.05.2014 | 05:55 Uhr

Die Jugend verdummt

Markus Lüpertz zählt nach allgemeinem Urteil zu den bedeutendsten deutschen Künstlern der Gegenwart. Im April hat er der Stadt Bonn eine neue Beethoven-Skulptur übereignet. Sie ist, wie man bei solchen Gelegenheiten in der Kulturszene gern sagt, „umstritten“ – obwohl man vielleicht über Kunst gar nicht streiten sollte und es ganz in Ordnung ist, wenn einer in dem, was ein anderer für einen Haufen Dreck hält, einen wesentlichen Denkanstoß erblickt. Und für die drängendsten Gegenwartsfragen ist es vielleicht auch nicht ganz entscheidend, ob in Bonn eine Beethoven-Skulptur mehr oder weniger steht.

Das scheint auch der Künstler Markus Lüpertz selbst so zu sehen, denn zeitgleich zur Enthüllung seiner Beethoven-Skulptur hat er unter beachtlichem Rauschen im Blätterwald dem Magazin Focus mitgeteilt, dass Internet und neue Medien aus Jugendlichen lernfaule und unkritische Menschen machen. Lüpertz ist erschüttert, dass sich junge Leute auf Informationen verlassen, die irgendwer ins Netz stellt, und nur noch mit dem Finger aufs iPhone drücken, statt sich wirkliches Wissen anzueignen. Lüpertz‘ Resümee lautet: „Der Nachwuchs verdummt zusehends.“

Markus Lüpertz ist 72, hat also ein Alter erreicht in dem er wissen müsste, dass die Klage über die Jugend von heute, die immer blöder und blöder wird, noch älter ist als er selbst und vermutlich schon von seinen eigenen Eltern angestimmt worden ist. Der frisch gebackene Abiturient aus meinem Nachbarhaus, der beim flüchtigen Surfen im Internet auf das Lüpertz-Interview gestoßen ist, hält den Künstler für einen reaktionären Spießer. Das wird aber von keiner Zeitung vermeldet.

Die Bibel lehrt uns, das Alter zu ehren. Das ist gut und richtig. Sie lehrt uns aber auch, dass die Zukunft stets eine Aufgabe der nächsten Generation ist, die dazu Ermutigung, Förderung und den nötigen Freiraum braucht. Für jeden kommt der Tag, wo man abtreten können muss, wenn man, wie es in der Abrahamgeschichte heißt, „alt und lebenssatt“ ist. Das sollte einen vorsichtig und bescheiden machen, wenn man anfängt, den Jüngeren gute Ratschläge zu erteilen oder gar den Stab über sie zu brechen.

Das Internet und neue elektronische Medien verändern wie jeder Fortschritt die Lebensum-stände und die Denkgewohnheiten. Das ist eine Binsenweisheit. Das war auch schon so, als die Generation Lüpertz seinerzeit das Radio für sich entdeckt hat. Und was in solchen umwälzenden Prozessen an Fluch und Segen steckt, wissen junge Menschen, die damit groß geworden sind, meist viel besser als die Älteren, die eine Sache schon allein deshalb für bedrohlich halten, weil sie sie gar nicht richtig kennen. Die Jungen gehen nur anders damit um. Und ihre Lösungen sind nicht so, wie es die Älteren gerne hätten. Das sollte man nicht madig machen, sondern man muss es fördern! Denn Leute wie Markus Lüpertz und ich hinterlassen der Jugend von heute eine zerrissene und gefährdete Welt, deren Probleme mit den Rezepten von gestern ganz bestimmt nicht zu lösen sind.

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