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Kirche in WDR 2 | 01.10.2014 | 05:55 Uhr

Die Stille nach der Musik

Kennen Sie das? Für eine Zigarettenlänge weicht plötzlich alles zurück. Mitten drin. Sie sind mit sich allein: Im Badezimmer, beim Friseur, am Küchentisch, beim Grillen. Plötzlich ist alles still um einen herum, obwohl das Radio läuft, die Kollegen schwatzen, oder die Kinder nerven.

Vielleicht holt Sie das Klingeln des Handys zurück. Vielleicht müssen Sie gähnen, um den Moment vor sich selbst und den anderen zu rechtfertigen. Jedenfalls fühlt es sich an, als wäre gerade etwas Wichtiges passiert.

Ein Augenblick, über den man nicht redet. Ist vielleicht auch besser so - bevor jemand mit besorgter Mine die Visitenkarte seines Therapeuten rüberschiebt….

Stille. Ein Augenblick für mich. Stille in mir, vielleicht sogar um mich herum. Ein kleiner Moment Ewigkeit.

Für manche ist die Erfahrung von Stille bedrohlich. Sie üben sich im Stress, um auf keinen Fall Stille erleben zu müssen. Schlimmstenfalls könnte sie sich als Leere - mit Doppel e - offenbaren. Das kann Angst machen.

Für andere ist Stille im Alltag heilsam, eine Kraftquelle. Sie üben sich in Zen-Meditation oder Autogenem Training. Manche Menschen kommen in unsere geöffnete CityKirche, zünden eine Kerze an und setzen sich einen Augenblick. Draußen das Lärmen der Stadt. Alltagsstress.

Und dann gibt es noch die, die sich sehnlich eine Unterbrechung ihrer alltäglichen Stille wünschen. Wo Stille eher gewalttätig ist: Im Zimmer eines Altenheimes, in einer Gefängniszelle oder in einer Wohnung, wo keiner mehr klingelt.

Anfang des Jahres starb der Dirigent Claudio Abbado nach langer Krankheit. Er war fast zwanzig Jahre lang Chef der Mailänder Scala, zwölf Jahre lang Chefdirigent der Berliner Philharmoniker, in der ganzen Musikwelt hoch geachtet. Ein bescheidener Mann, der die Orchesterwelt ein wenig demokratisierte. Es gibt ein Portrait über ihn mit dem Titel: „Die Stille hören“. Der Titel des preisgekrönten Films ergab sich wohl aus seiner ihm eigenen Art, nach dem letzten Ton eines Konzertes einen Moment lang in Stille zu verharren. „Sekunden für die Ewigkeit“ schrieb ein Musikkritiker. Man sagt, er hätte der ausklingenden Musik noch mal nachgehört.

Dieser kurze Augenblick war offenbar so magisch, dass sich das Publikum nicht traute, direkt nach dem letzten Ton zu applaudieren. Seine Zuhörer ahnten in diesem Moment offenbar, dass es in der Musik zuerst um das Hören geht. Es geht weniger, um das Musik machen. Schon gar nicht um den Event, der heute gern inszeniert wird. Oder anders ausgedrückt: Es geht in der Musik um die Wahrnehmung und die Bedeutung von Stille. Als Musiker finde ich, dass Musik auch nur dort gelingt, wo sie der Stille Raum lässt.

Mit dem Glauben, ist es, glaube ich, ähnlich wie in der Musik: Luther hat mal übersetzt: „Der Glaube kommt aus der Predigt“ (Röm. 10,17). Das ist m.E. falsch: Der Glaube kommt aus dem Hören. Das Entscheidende ist, was ich höre, was ich wahrnehme. Ob man sich als Hörer der Musik oder anders: der Stille gegenüber öffnen kann; ob ich das, was Gott mir im Alltag vermitteln will, wahrnehmen kann; ob so die Musik, ob so Gott in mir zum „Klingen kommt“.

Manchmal sind es die Augenblicke „mitten drin“, die etwas von Gott erzählen. (Manchmal) - ist es die Stille dazwischen. So einen Moment wünsche ich Ihnen und mir für heute.

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