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Kirche in WDR 5 | 12.10.2017 | 06:55 Uhr

Die Widersprüche des Lebens

Autor: „Dunkel war´s / der Mond schien helle / schneebedeckt die grüne Flur / als ein Auto blitzeschnelle / langsam um die Ecke fuhr.“ Das Gedicht begleitet mich seit meinen Kindertagen. „Drinnen saßen stehend Leute / schweigend ins Gespräch vertieft / als ein totgeschoss’ner Hase / auf der Sandbank Schlittschuh lief.“

Vom wem die absurden Verse sind, ist völlig unklar. Erste Aufzeichnungen – allerdings noch ohne „Auto“ – stammen aus dem 19. Jahrhundert aus Sachsen. Damals war das Gedicht vielleicht zwei, drei Strophen lang. Heute sind bis zu 16 Strophen im Umlauf.

„Und ein blondgelockter Jüngling / mit kohlrabenschwarzem Haar / saß auf einer grünen Kiste, die rot angestrichen war.“ Ich habe mit diesem Quatschgedicht gelernt: Das Leben ist nicht immer so eindeutig, wie ich mir das wünsche. Und allen, die meinen, sie hätten die Wahrheit gepachtet, würde ich es gerne immer wieder aufsagen. Das gilt für die große Politik: Wenn etwa jemand behauptet, er habe das Patentrezept für den Umgang mit Flüchtlingen oder gegen die Finanzkrise in der EU. – Vielleicht kommt es ja doch ganz anders.

Und es gilt in der kleinen Politik bei uns zu Hause am Küchentisch genauso: Wenn es etwa um die Beurteilung der Nachbarn geht. Oder um die Erziehung der Kinder, wo setze ich Grenzen, wo lasse ich laufen? Ich wünsche mir so oft Eindeutigkeit. Dass ich genau weiß, was ich tue, die Folgen abschätzen und eindeutig sagen kann: Was ist gut und was nicht.

„Im Arm ne' alte Schrulle / zählte kaum erst 17 Jahr / In der Hand ne' Butterstulle / die mit Schmalz bestrichen war.“ Das Leben ist voller Widersprüche und Überraschungen. Das muss man lernen. Dabei helfen mir nicht nur solche Verse wie in diesem Scherzgedicht, sondern auch mein Glauben.

Wir haben eben nicht die letzte Wahrheit, die hat allein Gott. Jesus hat seinen Mitmenschen daher eingeschärft: Im Leben wachsen Unkraut und Weizen auf demselben Feld nebeneinander. Und Jesus hat davor gewarnt, mit radikaler Hand Unkraut vom Weizen trennen zu wollen. Denn dann, so seine Mahnung, ist die Gefahr groß, auch viel Gutes mitauszureißen. Glaube nicht, du könntest immer gut und böse, richtig und falsch unterscheiden. Das ist seine Botschaft.

Die haben viele nicht verstanden. Denn auch Jesus war für sie ein Mann der Widersprüche. Da predigt einer Gottes Wort, tafelt aber mit Sündern, Zöllnern und Huren. Das darf doch nicht sein, riefen die Leute und nannten Jesus einen „Fresser und Säufer“!

Da hatte einer die wunderbare Macht zu heilen, aber er heilte die Falschen. Nämlich die Aussätzigen, die die Gesellschaft damals bewusst vor die Tore der Stadt verwiesen hatte. „Was macht der da?“, fragten die Menschen verärgert. Und wohl der größte Widerspruch in seinem Leben: Jesus ist Gottes Sohn – und er starb doch jämmerlich am Kreuz.

Wenn wir nur glauben, was wir sehen und was unseren Vorstellungen entspricht, bleibt unser Blick sehr beschränkt. Ich möchte lernen, Widersprüche stehen zu lassen, auszuhalten. Und wenn ich das kann, sehe ich das Leben auf einmal mit anderen Augen: mit einem viel weiteren Horizont, versöhnlicher. Nicht so verbissen, sondern fröhlich. „Droben auf dem Apfelbaume / der sehr süße Birnen trug / hing des Frühlings letzte Pflaume / und an Nüssen noch genug.“

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