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Kirche in WDR 5 | 10.11.2017 | 06:55 Uhr

Dr. Eckart von Hirschhausen Körper und Seele

O-Ton 1 Dr. Eckart von Hirschhausen: Ich finde, dass diese Geschichte deswegen für uns heute so wichtig ist, weil wir alle in dieser absurden Trennung leben, sozusagen die Schulmedizin ist für den Körper zuständig, und wer noch was für die Seele braucht, der soll halt Globuli nehmen oder zum Heilpraktiker gehen. Und das ist ja ein völliger Unsinn.

Autorin: meint Dr. Eckart von Hirschhausen. Diese Geschichte, von der er spricht – die steht in der Bibel. Im Markus-Evangelium. Sie ist eine der Lieblingsgeschichten des Moderators. Warum – das erzählt er gern.

O-Ton 2 Dr. Eckart von Hirschhausen: Da wird erzählt dass Jesus in Kapernaum in einem Haus predigt, und so viele Menschen wollen zuhören, dass kein Platz mehr ist, auch nicht draußen vor der Tür. Ein Gelähmter wird von vier anderen auf einem Bett angeschleppt. Als diese sehen, dass sie ihn nicht zu Jesus bringen können, steigen sie Jesus buchstäblich aufs Dach. Sie machen ein Loch ins Gebälk und lassen das Bett herunter, auf dem der Gelähmte liegt. Als nun in Jesus ihren Glauben sieht, spricht er zu dem Gelähmten: „Deine Sünden sind dir vergeben.“ Die Schriftgelehrten, die Aufsichtsbehörden ihrer Zeit, fanden das anmaßend. Sünden vergeben kann doch nur Gott.

Doch genau diesen Anspruch erhebt Jesus. Und zum Zeichen dafür setzt er noch einen drauf: „Ich sage dir, steh auf, nimm dein Bett und geh heim.“ Und er stand auf, nahm sein Bett und ging alsbald hinaus vor aller Augen, sodass sie sich alle entsetzten und Gott priesen und sprachen: „Wir haben so etwas noch nie gesehen.“ Wenn Jesus die Gabe hatte, Menschen zu heilen, warum hat er dann verdammt noch mal kein Krankenhaus eröffnet und das von morgens bis abends gemacht? Er wusste, was er kann, hielt es aber offenbar für sinnvoller, in der ambulanten Versorgung zu bleiben.

Unabhängig davon, ob man die Geschichte genauso glaubt, steckt für mich viel Zündstoff für uns heute in ihrem Kern. Alleine die Hartnäckigkeit der Freunde, sich durch das Dach Zugang zum Heiler zu verschaffen, erkennt Jesus an. Wer krank ist, soll nicht alleine sein, braucht sozialen Halt, Menschen, die mit einem durch dick und dünn und sogar durch Dächer gehen. Aber als alle Platz machen, damit der Meister nun endlich das Wunder vollbringt, da der passiert erst mal nüscht. Zumindest nichts Sichtbares. Nur Worte: Deine Sünden sind dir vergeben. Mit Worten die Seele des Kranken zu berühren, war Jesus offenbar wichtiger, als sich auf die Symptome zu stürzen. Die Lähmung zu heilen, war die Zugabe.

Der Meister fragt nicht: Wie ist das mit der Lähmung passiert? Wer ist schuld? Und: Wie bist du überhaupt krankenversichert? Er spricht einen Satz. Der Kranke steht auf und geht mit seinem Bett nach Hause. Ich stelle mir manchmal vor, wie das heute wäre, wenn ein Patient sich in der Psychoanalyse auf die Couch legt, und nach einem Satz des Therapeuten sich die Couch schnappt, aufsteht und geht. Da wird er aber gucken, der Therapeut. Vor allem, wenn die 50 Minuten noch nicht rum sind.

Autorin: Eckart von Hirschhausen weiß aus eigener Erfahrung als Arzt: Die Medizin hat die Seele viel zu lange vergessen. Jesus zeigt: Beides ist wichtig. Körper und Seele und vor allem: Beziehungen. Dass ich Menschen habe, denen ich vertraue, die mich tragen. Das hilft beim Ertragen einer schweren Krankheit und beim Gesundwerden.

Autorin: Dass Sie sich getragen fühlen – von Gott und Ihren Nächsten, das wünscht Ihnen Pfarrerin Petra Schulze aus Düsseldorf.

Mehr Informationen zu Dr. Eckart von Hirschhausen:

http://www.hirschhausen.com/

Der ganze Bibeltext:

https://www.die-bibel.de/bibeln/online-bibeln/lutherbibel-2017/bibeltext/bibelstelle/markus%202/

Deutsche Bibelgesellschaft Stuttgart: Lutherbibel, revidiert 2017, 2016.

Markus 2,1-12 Die Heilung eines Gelähmten und die Vollmacht zur Sündenvergebung

1 Und nach etlichen Tagen ging er wieder nach Kapernaum; und es wurde bekannt, dass er im Hause war. 2Und es versammelten sich viele, sodass sie nicht Raum hatten, auch nicht draußen vor der Tür; und er sagte ihnen das Wort. 3Und es kamen einige, die brachten zu ihm einen Gelähmten, von vieren getragen. 4 Und da sie ihn nicht zu ihm bringen konnten wegen der Menge, deckten sie das Dach auf, wo er war, gruben es auf und ließen das Bett herunter, auf dem der Gelähmte lag. 5 Da nun Jesus ihren Glauben sah, sprach er zu dem Gelähmten: Mein Sohn, deine Sünden sind dir vergeben. 6 Es saßen da aber einige Schriftgelehrte und dachten in ihren Herzen: 7Wie redet der so? Er lästert Gott! Wer kann Sünden vergeben als Gott allein? 8 Und Jesus erkannte alsbald in seinem Geist, dass sie so bei sich selbst dachten, und sprach zu ihnen: Was denkt ihr solches in euren Herzen? 9 Was ist leichter, zu dem Gelähmten zu sagen: Dir sind deine Sünden vergeben, oder zu sagen: Steh auf, nimm dein Bett und geh hin? 10 Damit ihr aber wisst, dass der Menschensohn Vollmacht hat, Sünden zu vergeben auf Erden – sprach er zu dem Gelähmten: 11Ich sage dir, steh auf, nimm dein Bett und geh heim! 12 Und er stand auf und nahm sogleich sein Bett und ging hinaus vor aller Augen, sodass sie sich alle entsetzten und Gott priesen und sprachen: Wir haben solches noch nie gesehen.

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