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Kirche in WDR 3 | 13.09.2017 | 07:50 Uhr

Du bist ein Gott, der mich sieht

Guten Morgen,

manchmal beobachte ich während einer S-Bahnfahrt oder beim Spaziergang Kleinkinder. Mich fasziniert dabei besonders ihr Blick. Er ist konzentriert auf einen Punkt gerichtet. Auf die dicke Hummel, die auf einer Blume sitzt. Auf die Regentropfen am Fenster der S-Bahn. Und auch wenn ein Kleinkind einen anderen Menschen so anschaut, tut es das meist ausdauernd und konzentriert. Ich würde schon gerne wissen, was ein Kind dann sieht und denkt. Manchmal muss ich unwillkürlich lächeln, wenn ich so angeschaut werde. Manchmal erwidert das Kind mein Lächeln oder aber sein Blick bleibt gleichbleibend konzentriert und fixierend, das Gesicht ernst. Das Wort vom Blickkontakt erhält hier eine besondere Bedeutung. Besonders intensiv ist dieser Blickkontakt natürlich zwischen dem Kind und seinen Eltern. Wenn sich Mutter oder Vater und Kind intensiv anschauen, dann strahlt das oft Harmonie und Einverständnis, Geborgenheit und Vertrauen aus.

Im Straßenbild fallen mir inzwischen allerdings häufig Eltern auf, die einen Kinderwagen schieben und dabei nicht auf ihr Kind, sondern auf ihr Smartphone schauen. Der Blick des Kindes geht ins Leere, erreicht den Vater oder die Mutter nicht. Ich weiß jetzt nicht, was ein Kind in dieser Situation wirklich bewusst wahrnimmt, vermute aber doch, dass ein Gefühl entsteht: Ich werde übersehen – anderes oder andere sind wichtiger.

Auch bei anderen Gelegenheiten fällt mir auf, dass der Blick vielfach nicht auf den Begleiter oder die Begleiterin gerichtet ist, sondern auf das Smartphone. Natürlich weiß ich selbst die Vorteile eines Smartphones auch zu schätzen und nutze es regelmäßig. Aber ungeteilte Aufmerksamkeit gelingt offenkundig im Online-Modus selten.

Das beobachtete ich neulich in einem Restaurant. An einem Nachbartisch saß ein Pärchen. Sie saßen sich gegenüber und waren beide konzentriert mit ihrem jeweiligen Smartphone beschäftigt. Einen Augenblick lang dachte ich, vielleicht kommunizieren sie auf diese Weise diskret und lautlos miteinander. Aber ich befürchte eher: Sie teilten die Aufmerksamkeit mit Dritten und saßen einander stumm und ohne Blickkontakt gegenüber, während sie recht intensiv mit Abwesenden kommunizierten.

Ansehen und angesehen werden sind wichtig. In der Bibel wird von einer Frau erzählt (1), die es schwer hatte im Leben. Die an die Seite geschoben und drangsaliert wurde, deren Ansehen mit Füßen getreten wurde. Und in dieser Situation erinnert sie sich an Gott und sagt: „Du bist ein Gott, der mich sieht.“ Ich finde das ist eine wunderschöne Geschichte. Sie zeigt, jedes Menschenkind hat bei Gott ein gutes Ansehen, wird wahrgenommen und angenommen.

Wenn ich selber Ansehen habe, werde ich hoffentlich auch einen Blick haben für die Menschen rechts und links neben mir: für das Kleinkind im Kinderwagen, für die Partnerin, die mir gegenüber sitzt, für die Menschen, die mir heute begegnen.

„Du bist ein Gott, der mich sieht.“ So kann dieser Tag für Sie und mich zu einem guten werden. Das wünscht Ihnen Ihr Präses Manfred Rekowski aus Düsseldorf.

(1) 1. Buch Mose 16, 13: „Und sie nannte den Namen des HERRN, der mit ihr redete: Du bist ein Gott, der mich sieht.“

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