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katholisch

Kirche in WDR 3 | 18.04.2017 | 07:50 Uhr

Ehe

„Sind Sie da nicht neidisch?“ fragte mich der zwölfjähriger Junge, dem ich erzählt hatte, dass ich bald wieder ein junges Paar trauen würde. Er wusste, dass wir katholische Priester nicht heiraten und wollte mich vielleicht auch ein wenig foppen. – Nein, ich bin nicht neidisch. Vielmehr gehört es zu meinen schönsten Aufgaben, junge oder auch ältere Menschen auf den Empfang des Ehesakramentes vorzubereiten und mit ihnen den Traugottesdienst zu feiern.

Meistens finden vorher zwei Gespräche statt. Die Brautleute erzählen mir dann, wie sie sich kennengelernt haben, wie ihre Liebe zueinander gewachsen ist und wie sie sich schließlich bewusst wurden: Wir sind füreinander bestimmt. Wir wollen das Wagnis einer lebenslangen ehelichen Beziehung miteinander eingehen. Ich darf ihnen aus meiner Überzeugung als katholischer Priester sagen: Ihre Liebe ist kein Zufallsprodukt, sondern Gott selbst ist derjenige, der sie einander zugeführt hat. Seine Liebe zu den Menschen spiegelt sich in ihrer Liebe wieder. Deshalb ist nach katholischer Auffassung die Ehe ein Sakrament. Alle Sakramente sind Zeichen für die Liebe Gottes zu den Menschen. Dazu nimmt Gott Dinge aus dieser Welt, um deutlich zu machen, was über diese Welt hinausragt. Bei der Eucharistie zum Beispiel nimmt Gott dazu das Brot. Im Brot schenkt uns Jesus seine Gegenwart. Ohne Brot ließ sich keine Messe feiern, käme das Sakrament nicht zustande. Ähnlich ist es bei der Taufe das Wasser. Bei der Ehe aber sind es keine Dinge dieser Welt, die Zeichen für die Liebe Gottes sind, sondern lebendige Menschen: Mann und Frau nämlich! Durch ihre gegenseitige Liebe wird die Liebe Gottes erfahrbar – für sie selbst und für ihre Umwelt. Wenn ich das den Brautleuten sage, füge ich meistens hinzu: Das Sakrament, das Zeichen der Liebe Gottes zu den Menschen wird natürlich dann nicht deutlich, wenn zu Hause die Tassen und Teller durch die Luft fliegen. Wie jedes Geschenk von Gott ist auch die eheliche Liebe Gabe und Aufgabe zugleich. Gott ist der Grund dieser Liebe, aber die Eheleute sind auch selbst dafür verantwortlich, dass sie ihnen erhalten bleibt. Das erfordert stete Aufmerksamkeit füreinander und wohl auch die Bereitschaft zum Neubeginn, wenn dann doch einmal ein Streit den ehelichen Frieden gestört hat.

Ich kann mich an ein altes Ehepaar erinnern, das inzwischen schon lange tot ist. In ihrer Ehe war es Brauch, dass die Frau abends im Bett laut das Abendgebet vorbetete. Wenn es tagsüber Streit gegeben hatte, dann verweigerte die Frau diesen Dienst – bis der Mann schließlich auf Plattdeutsch sagte: „Lot john – lass gehen!“ Worauf die Frau dann mit dem Beten anfing. Ob das Eheleute heute so machen können, weiß ich nicht. Was die beiden aber auf diese Weise beherzigt haben, war der Ratschlag der Heiligen Schrift (Eph 4,26): „Die Sonne soll über euren Zorn nicht untergehen!“ Sie haben sich jeden Abend wieder vertragen und – ich bin mir sicher – das hat ihrer Ehe gewiss nicht geschadet.

In einer seiner letzten Ansprachen hat sich Papst Johannes-Paul I., der Papst, der 1978 nur 30 Tage lang die Kirche leitete, auch an junge Eheleute gewandt. Er erzählte, dass er als Bischof in einem Zeitungsartikel einmal den französischen Schriftsteller Montaigne mit den Worten zitiert hatte: „Die Ehe ist wie ein Käfig. Die, die draußen sind, wollen hinein und die, die drinnen sind, wollen heraus.“ Ein alter Professors habe ihm daraufhin geschrieben: Sie haben Unrecht, Herr Bischof. Meine Frau und ich sind schon sechzig Jahre verheiratet und jeder Tag ist wie der erste.“ Und der Professor hat einen anderen französischen Dichter zitiert:

„Ich liebe dich jeden Tag mehr als gestern, aber weniger als morgen.“ Der Papst fügte damals im Blick auf die anwesenden Brautleute hinzu: „Möge es euch genauso gehen!“

Ich bin Heinz-Josef Löckmann und Pfarrer in Unna. Ich wünsche Ihnen allen, ob verheiratet oder nicht, heute einen Tag, an dem Sie die Liebe Gottes und die der Menschen erfahren.

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