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Sonntagskirche | 09.09.2018 | 08:55 Uhr

Emulgatoren

Es gibt Dinge, die passen einfach nicht zusammen. Missmutig starre ich auf die unappetitlichen, in Öl schwimmenden Klumpen in meiner Rührschüssel. Eigentlich sollte mir hier jetzt eine feine, selbstgemachte Mayonnaise cremig entgegen schauen. Mist.

Kochen und ich passen einfach nicht zusammen. Genauso wenig wie Öl, Eigelb, Essig und Senf offensichtlich. Diese Nummer mit den Emulsionen ist einfach nicht mein Ding.

Ich hatte schon in der Schule eine Allergie allein gegen das Wort: Emulsion. Angeblich ein Gemisch aus zwei nicht-mischbaren Dingen. Also Essig und Öl, Fett und Wasser, Männer und Frauen, ich und Kochen. Wenn was nicht passt, wird es passend gemacht - DAS ist eine Emulsion.

Oder - auch nicht. Ich schütte das Ergebnis meines Koch-Versuchs in den Ausguss, öffne den Kühlschrank und starre hinein. Mmmh. Ich habe noch ein halbes Glas-Fertig-Mayo vom letzten Pommes-Anfall. Ob ich einfach die nehme? Schmeckt doch fast genauso.

Herrje, ich hatte es mir aber anders vorgenommen. Ich wollte keinen Fertig-Fraß mehr. Ich wollte weniger Chemie im Essen. Womit wir beim Emulgator wären. Der hilft den Stoffen, die nicht zusammen passen, sich zu verbinden. Und ist in der Fertig-Mayo natürlich drin.

Gott, ich hasse Chemie. Womit habe ich DAS verdient? Was habe ich eigentlich angerichtet, dass ich ein derartiges Nicht-Talent zum Kochen bekommen habe? Herrgott, stimmt zwischen uns die Chemie nicht?

Ich sollte aufhören mit Dir zu sprechen beim Kochen. Schlechte Angewohnheit. Meist fluche ich dann doch nur. Ach Gott, und Du kannst wahrscheinlich auch nichts dafür, dass ich nicht kochen kann, oder? Aber komm: ein bisschen hält uns das doch auch zusammen. Dass ich gewillt bin zu glauben: Ich bin nicht allein für alle meine Fehler verantwortlich. Da hast Du doch mit dran gedreht – bei der Vergabe der Kochtalente. Und außerdem: Es gibt genug Menschen, die reden kein Wort mit Dir. Nicht mal ein schlechtes. Es gibt genug Leute, für die bist Du nicht mal klumpige Mayonnaise. Die machen nicht mal den Versuch, Dich anzurühren. Die schauen höchstens in den Kühlschrank und gucken, ob es Dich auch schon fertig gibt. So mit allem. Einmal in perfekt. Ohne Arbeit.

Mein Glaube, mein Beten und auch mein Fluchen, das ist mein Emulgator. Der hilft mir, mich zu verbinden mit Dir, Gott. Was wären wir denn ohne? Du, ein einsamer Gott, und ich, ein einsamer Mensch. Ja, mein Glaube wirft heute Klumpen, ich fluche über Dich, okay?! Es gibt solche Tage. Soll ich lügen, dass es anders wäre?! Aber ich schwör Dir: Solange mein Glaube Klumpen wirft, so lange ich überhaupt mit Dir spreche, sind wir immerhin in Verbindung. Und wag es ja nicht, zu behaupten, dass zwischen uns die Chemie nicht stimmt. Manches muss man eben üben - das gilt für die Verbindung von Eigelb und Öl genau wie für die von Mensch und Gott.

So. Und jetzt das Öl also langsam zum Dotter dazu gießen. Aha. Ja, so wird’s was. Glaub ich. Also: Einen appetitlichen Sonntag!

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