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Kirche in WDR 2 | 16.02.2017 | 05:55 Uhr

Entdeckung der Gewissensfreiheit

Zitat: „Hier stehe ich, ich kann nicht anders.“ – Martin Luther oder nachträgliche Legende?

Atmo/Musik: Mittelalterlicher Kneipenlärm

Sprecherin: Was ist denn hier los? Die Kneipen überfüllt, die Gassen verstopft. Bettler, Gaukler, Huren überall…

Autor: Worms am 18. April 1521. Kaiser Karl V hat 80 Fürsten, 130 Grafen und die Bürgermeister der freien Städte zu einem „Reichstag“ eingeladen, um…

Sprecherin: …den Ketzer Martin Luther zum Widerruf seiner antipäpstlichen Bücher aufzufordern?

Autor: Nein, um von den Landesherren höhere Steuern für seine Kriege zu verlangen. Dabei müsste er stinkreich sein. Seine spanischen Eroberer plündern gerade das Gold der Inkas. Die deutschen Fürsten sind in Widerstandslaune, also kommt der Kaiser ihnen entgegen: Er verhört diesen lästigen kleinen Mönch.

Atmo/Musik Unheil dräut

Sprecherin: Das könnte für Luther auf dem Scheiterhaufen enden, oder?

Autor: Noch am selben Abend. Luther redet sich um Kopf und Kragen, als er behauptet: Der Papst ist nicht die höchste Autorität, er steht nicht über der Bibel, sondern unter ihr. Er ist dem Kirchenvolk gegenüber rechenschaftspflichtig. Und: Jeder getaufte Christ ist berechtigt, die Bibel zu lesen und Gottesdienste zu feiern. Außerdem: Jeder Christ muss seinem Gewissen mehr gehorchen als den Dogmen, die ein Kirchen-Konzil beschlossen hat.

Atmo Glockengeläut

Autor: Und dann setzt Luther noch einen drauf und sagt sinngemäß: „Weil ich mich aus Gewissensgründen an die Bibelgebunden fühle, müsstet Ihr mich schon mit biblischen Argumenten überzeugen. Oder mit Vernunftgründen. Wenn Ihr das nicht könnt, kann und will ich nichts widerrufen, denn es ist weder sicher noch heilsam, gegen das Gewissen zu handeln. Gott helfe mir, Amen.“ (1)

Sprecherin: Oha. Selbständig glauben, denken und handeln. Die staatliche und kirchliche Autorität hinterfragen. Damals revolutionär,

Autor: Und wie. Die Freiheit, „Nein“ sagen zu dürfen und die Verantwortung „Nein“ sagen zu müssen, stehen im Raum. Martin Luther fordert religiöse Gewissensfreiheit…

Sprecherin: …und in der politischen Konsequenz damit die Meinungs-, die Presse-, die Kunst- und die Wissenschafts-Freiheit. Grundlage jedes modernen demokratischen Rechtsstaates. Ahnt Kaiser Karl V, was Luther da lostritt?

Autor: Nie im Leben. Er ist 21 Jahre jung, spricht kaum Deutsch, wirkt übermüdet. Luther selbst übrigens auch: Damit die päpstlichen Gesandten aus Rom auch alles genau

protokollieren, soll Luther seine Rede noch mal auf Lateinisch wiederholen. (2)

Sprecherin: Aber woher stammt dann das berühmte Zitat „Hier stehe ich,

ich kann nicht anders?“

Autor: Nachträgliche Legende. Vielleicht sagte er „Hier stehe ich schon so lange, ich kann nicht mehr.“

Es verabschiedet sich Andreas Malessa aus Hochdorf.

(1)Zitat im Original in Martin Luther. Ausgewählte Schriften, herausgegeben von Karin Bornkamm und Gerhard Ebeling, Band I, Seite 265 bis 269, Insel-Verlag Frankfurt 1982.

(2)„Die weil ich also rede, so begehren sie von mir, ich solt es noch ein mal widerholet alle meine Wort Lateinisch;“ „derweil ich also redete, so begehrten sie von mir ich solle es noch einmal wiederholen lateinisch.“

D M. Luthers Werke, 5. Band, Weimar, Hermann Böhlaus Nachfolger, 1919, Nr. 5342 b. Tischreden ab 1540.

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