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Kirche in WDR 2 | 13.03.2017 | 05:55 Uhr

Fastenzeit - 7 Wochen ohne sofort

Autor: Was ist Ihre größte Schwäche? Die Frage ist beliebt in diesen Fragebögen nach der eigenen Persönlichkeit. Und die Antwort? Sie ist ganz oft: Ungeduld.

Das ist – wenn man darüber nachdenkt – nicht sehr aussagekräftig. Denn die Antwort sagt mehr über die anderen aus als über einen selbst. Ich bin halt schnell in Worten und in Taten – und die anderen eben nicht. Ungeduld. Das kann auch ziemlich selbstgerecht klingen. Und ich frage mich auch: Ist Schnellsein, immer Tempo machen ein Selbstzweck? Ist es gut, von sich und anderen immer noch mehr zu fordern?

Ihre größte Schwäche? Ungeduld! Eigentlich ist das eine Floskel. Aber sie passt in unsere Zeit. Man darf so manches verlieren, aber bitte keine Zeit. Es geht aber auch anders: „Augenblick mal!“ Das ist das Motto der Fastenaktion der evangelischen Kirche dieses Jahr. „Augenblick mal! – Sieben Wochen ohne Sofort.“ Das Motto ist ein Zwischenruf: Halt, stopp, langsam!

Und das tut gut in unserer hektischen Zeit. Mir auf jeden Fall und den Entscheidungen, die ich zu fällen habe, den Worten, die ich zu sagen habe. Ein wenig mehr Ruhe, ein wenig mehr Nachdenken, das macht mich achtsamer, vorsichtiger und am Ende auch gerechter im Umgang mit anderen.

Unsere Welt fordert Vor-Denker. Das passt zur allgemeinen Ungeduld. Dabei sind Nach-Denker zurzeit viel wichtiger. Menschen, die sich Zeit nehmen, eine wichtige Sache abzuwägen. Die sich bei schwierigen Fragen bemühen, verschiedene Seiten in den Blick zu nehmen.

Ich wünsche mir mehr solcher Nach-Denker in der Politik, wo die Probleme ja komplex sind und es anscheinend immer schwerer wird, die Folgen abzusehen. Ich wünsche mir Präsidenten und Staatsmänner und -frauen, die nicht schnell und selbstverliebt aus der Hüfte entscheiden, sondern die sich Zeit nehmen, mit klugen Anderen gemeinsam zu beraten.

„Augenblick mal!“ Das heißt auch für mich ganz persönlich: Ich nehme mir Zeit, nicht gleich loszupoltern, wenn ich mich geärgert habe, über meine Kinder, meine Partnerin, meinen Kollegen … „Augenblick mal!“ Das heißt: Ich nehme mir Zeit, wenn etwas schief geht, nicht gleich aufzugeben. Ich atme tief durch. Und ich habe damit am Ende auch einen längeren Atem durchzuhalten.

Zeit nehmen. Darum geht´s. „Alles hat seine Zeit“ sagt der Prediger Salomo in der Bibel. Ein toller Spruch. Aber ein hoher Anspruch. Der Prediger meint das nämlich sehr grundsätzlich: Leben hat seine Zeit, Sterben hat seine Zeit, Trauern, Sich-Freuen, alles hat seine eigene Zeit. Wer so lebt, der lebt bewusster, weiser.

Vielleicht hilft es mir, das mal im Kleinen zu üben: Jeden Tag für einen Augenblick den Terminkalender frei räumen. Fünf Minuten, in denen ich Luft hole, überlege: Was ist heute wirklich wichtig? Welchem Menschen kann ich etwas Gutes tun? Was sollte ich mir Gutes tun?

„Eile hat nur der Teufel“ heißt es in einem Sprichwort. Der weiß genau warum. Damit ich nicht zu viel nachdenke. – Ich werde nie wieder in einem Fragebogen „Ungeduld“ als meine größte persönliche Schwäche angeben. Aber ich muss das üben, geduldig zu sein, abzuwarten. Die Fastenzeit ist dafür ein guter Anlass. Augenblick mal! Sieben Wochen ohne sofort.

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