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katholisch

Kirche in WDR 4 | 10.08.2017 | 08:55 Uhr

Faul und gerecht

Oh Du heilige Faulheit: Ich liege auf der Wiese. Die Augen zu, ab und an mal ein Blick in den Himmel. Die Vögel zwitschern, Grillen zirpen und ich finde es gerade ganz großartig, dass ich Urlaub habe und mein Gehalt trotzdem weiter bezahlt wird. Und mir schießt durch den Kopf: „Seht die Vögel unter dem Himmel an: Sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen; und euer himmlischer Vater ernährt sie doch.“ Bergpredigt. Von Jesus.

Heute ist der weltweite Faulpelz-Tag 2017 und ich zelebriere ihn gerade vermutlich sehr konsequent. Aber: Obwohl ich faul auf der Wiese liege, fangen meine Gedanken schon wieder an um die Faulheit und ihren Sinn zu kreisen. Darf ich denn guten Gewissens hier so herumliegen? Vor allem, wenn andere für mich arbeiten, für mich Brot backen, Kleidung nähen, Häuser bauen, die Stromversorgung sichern und all das tun, was ich täglich oder wöchentlich oder irgendwann einmal nutze? Der Volksmund hält für mich ganz andere Sprüche bereit: „Müßiggang ist aller Laster Anfang“. Und im biblischen Buch der Sprüche heißt es: „Die faule Hand bringt Armut“. Oder sogar: „Wer bei der Arbeit faul ist, ist ein Bruder dessen, der sein Eigentum umbringt“.

Naja, sowohl der Volksmund als auch die biblischen Sprüche reden vor allem über eine Gesellschaft, wo jeder sich selbst und seine Familie direkt mit seiner Arbeit ernähren musste. Die meisten Menschen lebten von dem, was ihr eigener Boden für sie abwarf. Da hingen das rechtzeitigen Säen und Ernten direkt zusammen mit einer ausreichend gefüllten Speisekammer. Wer die nicht hatte, lag dann den anderen auf der Tasche, die dann möglicherweise zu recht sauer waren. Faulheit war damals so etwas wie Dummheit, weil man zur falschen Zeit die Hände in den Schoß legte.

Ganz anders kann das aussehen, wenn man zur richtigen Zeit mal den lieben Gott einen guten Mann sein lässt. Immerhin erzählt schon die Bibel so schön, dass Gott selbst am siebten Tag der Schöpfung geruht hat. Abgleitet hat daraus die Bibel sogar einen Faulpelztag pro Woche: bei Juden der Samstag, der Shabbat, bei Christen der Sonntag. Wenn man nicht ab und zu die Arbeit zur Seite legt, kann sie ja doch schnell sinnlos werden oder zum Selbstzweck. Arbeit ist dann nur noch Oder dazu da, sich immer noch mehr zu leisten: mehr Klamotten, größeres Auto, schickeres Essen.

Genau da setzt Jesu Bergpredigt wieder an. „Macht euch also keine Sorgen und fragt nicht: Was sollen wir essen, was sollen wir trinken und was sollen wir anziehen?“ Nicht zu viele Gedanken darüber machen. „Trachtet zuerst nach Gottes Gerechtigkeit – dann wird euch alles zufallen.“

Lieber mal einen Schritt zurücktreten, locker lassen, Abstand gewinnen und dann meine Arbeit und mein Leben anschauen: Was ist wirklich wichtig? Wofür arbeite ich eigentlich? Und wie soll es damit weiter gehen?

Hm. Ist jetzt doch wieder ganz schön viel Kopf-Arbeit für einen Faulpelztag, finde ich.

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