Beiträge auf WDR3  

katholisch

Kirche in WDR 3 | 06.10.2017 | 07:50 Uhr

Freiheit des Gehorsams

Freiheit ist ein hohes Gut. Jeder Mensch hat das Recht auf Freiheit, - so heißt es in der 1948 von der Generalversammlung der Vereinten Nationen in Paris verkündeten Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte. Doch diese Freiheit meint mehr als hingehen können, wo ich will; tun, was ich will; sagen, was ich will. Die Möglichkeit der Freiheit sollte jedem zugestanden sein, doch hineinreifen muss jeder und jede ganz persönlich. Im Gespräch mit einer Schulklasse zweifelte eine Schülerin an unserer Freiheit. Sie meinte, wir wären unfrei wegen unseres Gehorsams! Wenn sie Hunger auf Pommes hätte, könne sie einfach zur Imbissstube gehen und sich welche kaufen – wir nicht. Ich fragte zurück, wem sie denn gehorche, wenn sie zur Pommesbude ginge. Sie konnte nicht leugnen, dass sie dann schließlich ihrem Magen gehorche oder ihrer Lust auf etwas. Wir gehorchen fast ständig irgendwem, ohne es uns bewusst zu machen: den Verkehrsregeln, den Arbeitsbedingungen, den Bedienungsanleitungen irgendwelcher elektrischer Geräte usw. Gehorsam ist nicht das Gegenteil von Freiheit, sondern hilft mir, zur Freiheit zu reifen, zwischen den vielen Stimmen, die mich zu irgendetwas bewegen wollen, die herauszuhören, die zum Leben führt.

Der heilige Franz von Assisi, dessen Fest die franziskanischen Orden in dieser Woche gefeiert haben, gibt dem Gehorsam eine besondere Bedeutung. Sein Orden, den er vor über 800 Jahren gegründet hat, wird vom Gehorsam zusammengehalten. Jemand, der in diesen Orden eintritt, wird zum Gehorsam angenommen. Und Gehorsam ist für Franziskus ein hochsensibles Tun. Damit fordert er kein Funktionieren im Sinne der Vorgesetzten, wo die Untergebenen keine Chance haben. Für ihn ist Gehorsam ein verbindliches Hören auf Gott, auf den anderen und auch auf sich selbst. Er gibt dem, was der Vorgesetzte will, unbedingte Priorität – aber zugleich mit der Einschränkung: wenn er etwas will, was der eigenen Seele zuwider geht, dann darf man nicht gehorchen. Also kein Marionettengehorsam, sondern ein waches und verbindliches Hinhören und dann Handeln aus eigener Entscheidung. Gehorsam nimmt dem, der gehorcht, nicht die Verantwortung für sein Tun.

In einer seiner Ermahnungen, die von ihm überliefert sind, steht ein für mich sehr wichtiger Satz:

Sprecher:

„Wenn der Vorgesetzte dem Untergebenen etwas gegen dessen Seele befehlen würde, so darf dieser ihm zwar nicht gehorchen, soll ihn aber nicht verlassen.“

Auch wenn der Untergebene anderer Meinung ist und es für grundlegend falsch hält, was von ihm verlangt wird, soll er trotzdem bei seinem Vorgesetzten bleiben. Das heißt für mich mehr als am gleichen Ort bleiben.

Das gilt im Grunde für jede Form von verbindlicher Beziehung: auch wenn wir unterschiedlicher Meinung sind, einander nicht verlassen, sondern im Hören aufeinander bleiben. Zu schnell gehen wir manchmal weg und die Beziehung zerbricht. Es ist eine Herausforderung unserer Freiheit zu bleiben und hinzuhören, wo Aufregung und Emotionen uns auseinandertreiben. Gehorsam als Bereitschaft, verbindlich zuzuhören und zu bleiben, gibt dem gemeinsamen Leben Verlässlichkeit.

Das wünscht Ihnen für den heutigen Tag Sr. Ancilla Röttger aus Münster.

katholisch
Abspielen (titel)
katholisch
Abspielen (titel)
katholisch
Abspielen (titel)
evangelisch
Abspielen (titel)
evangelisch
Abspielen (titel)
evangelisch
Abspielen (titel)
evangelisch
Abspielen (titel)
evangelisch
Abspielen (titel)
evangelisch
Abspielen (titel)
katholisch
Abspielen (titel)
katholisch
Abspielen (titel)
katholisch
Abspielen (titel)
katholisch
Abspielen (titel)
katholisch
Abspielen (titel)
evangelisch
Abspielen (titel)
evangelisch
Abspielen (titel)
evangelisch
Abspielen (titel)
evangelisch
Abspielen (titel)
evangelisch
Abspielen (titel)
evangelisch
Abspielen (titel)
katholisch
Abspielen (titel)
katholisch
Abspielen (titel)
katholisch
Abspielen (titel)