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Kirche in WDR 2 | 12.10.2018 | 05:55 Uhr

Fremdenfreundlichkeit - wie geht das

Es ist acht Uhr. Ich bin auf dem Weg zu einer Beerdigung. Vorher noch schnell das Kind zur Tagesmutter bringen. Mit Bus und Bahn. Da weiß man nie.

Ich bin angespannt. Die Beerdigung ist schwer: Zu jung – zu plötzlich. Mein Sohn hingegen hat ausgesprochen gute Laune. Plappert munter vor sich hin.

An der Bahnhaltestelle angekommen, fährt die Bahn ein.

„Super“, denke ich, „das hat schon mal geklappt.“

Die Bahn hält. Die Tür geht auf. Es steigen Leute aus. Trotzdem ist die Bahn rappelvoll. Wir quetschen uns rein. In die Masse fremder Menschen. Männer und Frauen auf dem Weg zur Arbeit: , Anzugträger und Handwerker, Büromenschen und Verkäufer*innen, Schüler*innen. Aber auch Alte, Kranke und Obdachlose. Und wir mittendrin: mein Sohn und ich. Das kostet mich jedes Mal Überwindung. Diese unfreiwillige Nähe zu diesen fremden Menschen, mit ihren Energien und Gerüchen, mit ihren Stimmungen und Problemen und ich mit meinen. Und manche von ihnen kommen mir so nah, wie ich sonst nur meinem Mann nahekomme, aber es geht ja wirklich auch nicht anders. Die Bahn ist einfach knallvoll.

Wie unterschiedlich die Wahrnehmungen doch sind.

Meinen Sohn scheint das nämlich eher zu freuen. „Endlich mal was los!“

Er sitzt aufrecht in seinem Buggy, hebt die Hand und ruft den Menschen in der Bahn „Ajo“ zu.

Das heißt „Hallo“ mit Schnuller im Mund.

Einige drehen sich um und schauen das Kind an.

Und plötzlich antwortet einer: „Hallo“ zurück.

Es ist ebenfalls (ein) Windelträger und Buggyfahrer.

Beide sehen sich, lachen und fangen ein HalloGa(Ga)Gespräch an. Keine Ahnung, worüber sie reden, aber sie scheinen sich zu verstehen.

Und es passiert noch mehr. Plötzlich nehmen auch wir Erwachsene Kontakt miteinander auf. Die Gesichter lösen sich. Erst ein freundliches Lächeln, ein Kopfnicken, dann ein Lachen und dann ein Gespräch.

Die Bahn hält, die Tür geht auf und wir steigen aus.

Mein Sohn hebt wieder die Hand und sagt: „Gau,Gau!“ , also „Tschüss“

Die Tür schließt sich und vorbei ist die Gemeinschaft, aber sie war da. Für einen Moment. Fremde Menschen, die gemerkt haben: Diese beiden Knilche haben Recht. Sie wissen, wie man sich verständigt und sie haben uns gezeigt, wie es geht, egal wo wir herkommen, wieviel Geld wir auf dem Konto haben, oder welche Sprache wir sprechen.

Diese beiden haben uns etwas voraus, obwohl sie noch nicht mal selbstständig aufs Klo gehen können. Sie haben Lust, das Fremde kennenzulernen. Machen wir’s ihnen nach!

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