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Kirche in WDR 4 | 08.10.2016 | 08:55 Uhr

Freundschaft

Freunde kann man sich aussuchen. Ich selbst habe mal nachgerechnet und bin auf fünf Personen gekommen, die ich als enge Freunde bezeichnen würde. Alle begleiten meinen Lebensweg schon seit Jahrzehnten und uns verbindet viel: Höhen und Tiefen.

Guten Morgen!

Freundschaft ist für mich ein Geschenk, das man nicht machen kann. Ihr liegt eine Art Seelenverwandtschaft zu Grunde. Echte Freundschaft ergibt sich oft durch zufällige Begegnungen im Leben. Meine beste Freundin habe ich zum Beispiel durch gemeinsames Warten vor dem Kindergarten meiner Kinder getroffen. Einander fremde Menschen begegnen sich und stellen fest: Ich fühle mich dem anderen verbunden, da stimmt die Chemie. Doch eine Freundschaft muss erst wachsen und sollte auch gepflegt werden, d. h. ich muss in eine Freundschaft Zeit investieren. Sie erweist ihre Stärke vor allem in den Zeiten, in denen es nicht so gut läuft: In den Krisenzeiten meines Lebens merke ich, wie ich meine Freunde um Rat fragen kann, wie ich auf sie zählen und auf sie setzten kann.

„Ein treuer Freund ist wie ein festes Zelt, wer einen solchen findet, hat einen Schatz gefunden. Für einen treuen Freund gibt es keinen Preis, nichts wiegt seinen Wert auf“, heißt es im Buch Jesus Sirach in der Bibel (Sir 6,14f.).

Freundschaft ist etwas Kostbares, etwas, das man nicht kaufen kann, sondern sie ist im Letzen freie und ungeschuldete Gabe. Und umgekehrt bedeutet Freundschaft: Ich darf dankbar für das Vertrauen sein, wenn ein anderer Mensch mir zu verstehen gibt: Du bist mein Freund, du bist meine Freundin.

Wenn das alles schon für die Freundschaft zwischen den Menschen gilt, wie viel mehr bedeutet dann die Freundschaft Gottes zu mir?

Ein schönes Bild für die freundschaftliche Vertrautheit und Zuwendung Gottes zu uns Menschen zeichnet ein Psalm im Alten Testament. Dort heißt es (Ps 23):

Der Herr ist mein Hirte, nichts wird mir fehlen.

Er lässt mich lagern auf grünen Auen und führt mich zum Ruheplatz am Wasser.

Er stillt mein Verlangen; er leitet mich auf rechten Pfaden, treu seinem Namen.

Muss ich auch wandern in finsterer Schlucht, ich fürchte kein Unheil; denn du bist bei mir, dein Stock und dein Stab geben mir Zuversicht.

Du deckst mir den Tisch vor den Augen meiner Feinde. Du salbst mein Haupt mit Öl, du füllst mir reichlich den Becher.

Lauter Güte und Huld werden mir folgen mein Leben lang und im Haus des Herrn darf ich wohnen für lange Zeit.

Auf diesen Freund kann ich zählen, er schenkt mir Orientierung, Trost und Zuversicht.

Wenn ich von mir selbst sagen kann, Gott ist mein Freund, dann ist das schon ein kurzes Glaubensbekenntnis: Ich bekenne mich zu ihm, ich vertraue ihm wie einem guten Freund. Ich gestalte eine Beziehung zu Gott so, wie ich mich auch um die Beziehung zu meinen Freunden kümmere. Ich kann mich auf Gott verlassen, wie auf einen guten Freund, gerade dann, wenn ich Krisensituationen durchleben muss.

Dieses Freundschaftsangebot Gottes einzugehen verlangt natürlich etwas von mir, wie sonst eine Freundschaft auch: Es fordert meine Entschiedenheit! Das heißt zunächst: Riskiere ich eine Beziehung zu Gott oder nicht? Und, wenn ja: Was bin ich bereit, in diese Freundschaft zu investieren?

Ich persönliche habe die Erfahrung gemacht: Es lohnt sich, jeden Tag aufs Neue, Gottes Freundschaftsanfrage anzunehmen und in Beziehung mit ihm zu leben. Ich weiß auch, dass es nicht immer leicht ist, diese Freundschaft zu pflegen zu jemanden, den ich nicht sehe und der mir nicht so unmittelbar gegenübertritt wie ein Mensch. Hier muss Gott mir selbst noch einmal helfen, dass ich auf seine Freundschaftsanfrage eingehe. Ein Gebet von Antoine de Saint-Exupéry bringt genau dies zum Ausdruck:

Herr, „du weißt, wie sehr wir der Freundschaft bedürfen. Gib, dass ich diesem schönsten, schwierigsten, riskantesten und zartesten Geschenk des Lebens gewachsen bin.“

Aus Duisburg grüßt Sie Meike Wagener-Esser.

*Antoine de Saint-Exupéry, zitiert nach: Hubert Hein, Auf den Punkt gebracht, Berlin 2012, S. 30.

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