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Kirche in WDR 2 | 30.04.2018 | 05:55 Uhr

Frieden und Freiheit

Wenn ich an den Frieden denke, dann habe ich große Sorgen. Denn ich sehe überall, dass der Friede bedroht ist. Und dass die guten Gegenkräfte schwächer werden. Wenn zum Beispiel Religion mit Terrorismus gleichgesetzt wird, dann verlieren alle Religionen an Glaubwürdigkeit, Vertrauen und Attraktivität. Auch das Christentum.

Warum gewinnen eigentlich so oft die Falschen, gerade in Krisenzeiten? Warum kommen in vielen Ländern faktisch Diktatoren an die Macht? – Ein selten gelesenes Stück Bibel ist die Jotamfabel aus dem Buch der Richter. Nach dem jüdischen Religionsphilosophen Martin Buber ist sie „die stärkste antimonarchische Dichtung der Weltliteratur“. Hören Sie mal genau hin:

Sprecherin

„Einst machten sich die Bäume auf, um sich einen König zu salben, und sie sagten zum Ölbaum: Sei du unser König! Der Ölbaum sagte zu ihnen: Soll ich mein Fett aufgeben, mit dem man Götter und Menschen ehrt, und hingehen, um über den anderen Bäumen zu schwanken? Da sagten die Bäume zum Feigenbaum: Komm, sei du unser König! Der Feigenbaum sagte zu ihnen: Soll ich meine Süßigkeit aufgeben und meine guten Früchte und hingehen, um über den anderen Bäumen zu schwanken? Da sagten die Bäume zum Weinstock: Komm, sei du unser König! Der Weinstock sagte zu ihnen: Soll ich meinen Most aufgeben, der Götter und Menschen erfreut, und hingehen, um über den anderen Bäumen zu schwanken? Da sagten alle Bäume zum Dornenstrauch: Komm, sei du unser König! Der Dornenstrauch sagte zu den Bäumen: Wollt ihr mich wirklich zu eurem König salben? Kommt, findet Schutz in meinem Schatten! Wenn aber nicht, dann soll vom Dornenstrauch Feuer ausgehen und die Zedern des Libanon fressen.“ (Richter 9,8-15)

Im Alten Orient wurde ein guter König mit einem Fruchtbaum verglichen. Denn wie ein Fruchtbaum, so soll der König Früchte und Schatten spenden, also Leben und Sicherheit. Doch der Ölbaum, der Feigenbaum und der Weinstock wollen nicht König sein; sie wollen nicht „über den anderen schwanken“. Am Ende wird der Dornstrauch zum König gemacht; ausgerechnet er, der weder Früchte hat noch Schatten spenden kann. Ein Nichtsnutz kommt ganz nach oben und verbreitet Schrecken und Gewalt.

Die guten Bäume wollen „nicht über den anderen schwanken“; sie wissen also, dass Politik ein schweres und fruchtloses Geschäft sein kann, voller Kompromisse, langwierig und mühsam. Sie wollen ihr Fett, ihre Süßigkeit und ihren Wein nicht aufgeben. So bleibt nur der Dornstrauch übrig. Und der versteht von Politik überhaupt nichts! Wie heute: Weil so viele ein ruhiges Leben vorziehen, weil noch mehr lieber ihren Mund halten, kommen oft die Falschen an die Macht.

In zwei Wochen beginnt in Münster der Katholikentag. Das Motto „Suche Frieden“. Wer darunter versteht: Lasst mich in Frieden – der setzt viel aufs Spiel. Wer sich heraushält, wer die Welt sich selbst überlässt, riskiert seine Freiheit.

Die Einstellung „Man kann ja doch nichts machen“ ist gefährlich. Ich möchte mich für Frieden und Freiheit einsetzen, da, wo ich lebe.

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