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katholisch

Kirche in WDR 5 | 12.07.2017 | 06:55 Uhr

Gebet

Guten Morgen!

Zum Chorgebet in unserer Prämonstratenser-Klosterkirche in Duisburg-Hamborn kommen schon mal Besucher, setzen sich in die Kirche und hören einfach zu. Ich wundere mich dann immer etwas, denn wir sind alles andere als hervorragende Sänger, und es ist nicht immer schön, was und wie wir da singen. Aber irgendwie geht von der Rhythmik, dem Wechselgesang und den uralten Melodien der Gregorianik etwas aus, was die Leute verweilen lässt. Oder vielleicht wirkt unser Auftreten in der Kirche in einer modernen und technisierten Welt inzwischen so fremd, dass es schon wieder interessant ist, wenn da ein paar Männer sich gegenüberstehen und abwechselnd Psalmverse und Hymnen singen.

Ich mache das jetzt jedenfalls schon über dreißig Jahre – auch wenn ich natürlich nicht immer bei allen Gebetszeiten dabei war und bin. Das Chorgebet ist für mich aber mehr als eine lästige Pflichterfüllung, denn das setzt bewusst Akzente und löst Fragen aus, die das ganz alltägliche Leben berühren – auch jenseits der Klostermauern.

Zunächst ist das regelmäßige Chorgebet eine Unterbrechung. Dreimal am Tag zusammenzukommen, heißt, meine Arbeit zu unterbrechen oder das, was ich sonst so tue. Das stört mich natürlich auch, wirft aber die Frage auf: Was ist mir wichtiger, das gemeinsame Gebet oder meine persönliche Arbeit – sogar wenn sie für die Gemeinschaft geschieht? Das ist vielleicht eine Luxusfrage, denn ich kann mir diese Frage auch nicht ernsthaft immer stellen, weil meine Arbeit zum Teil einfach fristgemäß erledigt werden muss. Trotzdem ermöglicht diese Unterbrechung, etwas bewusster auf meine Arbeit und überhaupt auf mein Leben zu schauen. Und das verändert mich.

Von außen betrachtet ist das Chorgebet eigentlich Zeitverschwendung. Immer die gleichen Psalmen und biblischen Texte vortragen. Was könnte ich in derselben Zeit nicht alles an Gutem tun, mich zum Beispiel sozial engagieren oder Geld verdienen, um damit mir und auch anderen zu helfen? Für mich ist aber gerade die Zweckfreiheit dieser Zeit wertvoll. Eben kein Geld verdienen, sich nicht fremden Zwecken unterwerfen, nicht bloß funktionieren, sondern erst einmal nur da sein in der Kirche zum Gebet. Das ist wie ein Kontrast zu den Maßstäben, die sonst in unserer Gesellschaft viel zu sehr angelegt werden: Du musst effektiv funktionieren und profitabel sein. Hier beim Chorgebet muss ich das alles nicht, da darf ich mich auch mal versingen und mit den Gedanken ganz woanders sein. Trotzdem ist es sinnvoll, was ich da tue, es lässt mich einfach da sein, so wie ich bin.

Und das spiegelt sich auch in den Texten wider, die ich da singe. Es sind vor allem die Psalmen, uralte Lieder und Gebete, die wirklich alle Gefühle des Menschen beinhalten: Liebe und Hass, Freude und Leid, Verzeihung und sogar Rache. Alles hat hier seinen Platz vor Gott. Da ist nichts, was ich ihm vorenthalten müsste. Da sein eben, so wie ich mich fühle und bin. Auch dieses Bewusstsein um mich selbst tut gut und verändert mich.

Schließlich vergleiche ich dieses Stehen vor Gott beim Chorgebet mit einem Wächterdienst. Mit dem Chorgebet, diesem zweckfreien, aber sinnvollen Handeln, halte ich Wache zusammen mit meinen Mitbrüdern in der Klosterkirche. Wir halten Wache und erinnern mit unserem Gebet daran: Pass auf, da ist noch etwas anderes, was über diese Welt hinausweist. Ja, es gibt noch mehr als alles Hier und Jetzt. Oder noch etwas anders formuliert: Im gemeinsamen Gebet halten wir die Frage nach Gott wach – und zwar ganz unaufdringlich.

In diesem Wächterdienst sehe ich mich dann auch verbunden mit den vielen anderen Betern auf der Welt, sogar mit den Betern anderer Religionen. Was sie tun, was wir tun ist ganz einfach: An Gott erinnern!

Ich jedenfalls freue mich, wenn sich wieder einmal Besucher in unsere Klosterkirche setzen und einfach beim Chorgebet zuhören. Vielleicht spüren sie ja etwas davon, dass hier zweckfrei und sinnvoll auch für sie gebetet wird.

Aus Duisburg-Hamborn grüßt sie Pater Philipp Reichling

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