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evangelisch

Choralandacht | 26.05.2018 | 07:50 Uhr

Gelobet sei der Herr (eg 139)

Autor: Trinitatis, das Fest der Dreieinigkeit Gottes. Morgen wird es überall in unseren Kirchen gefeiert. Ein Fest, das vielleicht gar nicht so bekannt, aber durchaus wichtig ist. Denn dieser Sonntag will auf besondere Weise vom Glauben erzählen. Davon, wie Gott sich zeigt und wie Menschen glauben.

Bei mir ist das so: Manchmal spüre ich, Gott ist für mich da wie ein guter Vater oder wie ein bester Freund. Manchmal sogar noch mehr als das. Auf Gott kann ich mich verlassen, er beschützt mich, zu ihm kann ich immer wieder zurückkommen.

Dann gibt es aber auch Zeiten, da frage ich mich: Was ist jetzt richtig? Was soll ich tun, wofür soll ich mich einsetzen? In solchen Momenten wird mir Jesus von Nazareth zum Vorbild. Weil ich glaube, dass Gott sich in diesem Menschen gezeigt hat. Was Jesus im Namen Gottes gesagt und getan hat, das ist ein guter Maßstab - auch für Fragen, die mich heute beschäftigen. Wie möchte ich mit anderen umgehen? Wie will ich denen begegnen, die am Rand stehen oder mit denen ich Probleme habe? Wofür will ich mich politisch einsetzen? Wer braucht meine Unterstützung? Solche Dinge.

Und dann gibt es noch etwas Drittes, das ist schwer zu beschreiben. Aber manchmal erlebe ich den Glauben wie eine Kraft, die mir zuwächst. Mich tröstet oder wieder aufstehen lässt. Oder, wenn’s gut läuft, mich regelrecht begeistert. Ich merke dann: Das kommt nicht aus mir selbst, das kommt von Gott. Es ist seine Geisteskraft.

Das feiern wir an Trinitatis, dem Fest der Dreieinigkeit Gottes. Es erinnert uns daran, dass Gott ganz vielfältig ist. Natürlich gibt es für uns Christen nur einen Gott. Aber der offenbart sich in drei verschiedenen Wesensarten: Als Vater, als Sohn und als Heiliger Geist.

Denn Gott lässt sich nicht auf eine Form festlegen und er lässt sich nicht in eine Schublade zwängen. Sondern er zeigt sich immer wieder neu und anders. Gern auch auf eine Art und Weise, die wir nicht erwartet hätten. Auf jeden Fall aber so, dass es uns und unserer Welt gut tut.

Von dieser Vielfalt Gottes und seinen unabsehbaren Möglichkeiten, uns zu begegnen und zu begleiten, handelt das Trinitatis-Lied „Gelobet sei der Herr“.

Musik II: Instrumentalstück aus der Bach-Kantate

4. Strophe

(Sprecherin). Gelobet sei der Herr, mein Gott, der ewig lebet,

den alles lobet, was in allen Lüften schwebet;

gelobet sei der Herr, des Name heilig heißt,

Gott, Vater, Gott, der Sohn und Gott, der werte Geist.

Autor: Man hört sofort: Bei diesem Lied geht es vor allem um das Lob Gottes. Nicht so sehr um die Lehre und wie das nun zu verstehen ist: Ein Gott als Vater, Sohn und Heiliger Geist. Dabei war der Dichter dieses Textes ein durchaus gelehrter Mann. Johann Olearius hieß er und lebte von 1611 bis 1684. Dieser Theologe verfasste mehrere wissenschaftliche Bücher und darüber hinaus etwa 240 geistliche Lieder. Mit seinen Dichtungen wollte er den Menschen die Psalmen und andere biblische Lieder nahebringen. Außerdem wollte er ihnen die Grundlagen des christlichen Glaubens vermitteln - und zwar auf eine möglichst zeitgemäße, anschauliche Art.

So auch mit dem Lied „Gelobet sei der Herr“. Johann Olearius beschreibt darin, wie Gott sich den Menschen gezeigt hat: als Vater und Schöpfer, als Sohn und als Heiliger Geist.

Musik I.: 1. Strophe (Chor a Capella)

Gelobet sei der Herr, mein Gott, mein Licht, mein Leben,

mein Schöpfer, der mir hat mein‘ Leib und Seel gegeben,

mein Vater, der mich schützt von Mutterleibe an,

der alle Augenblick viel Guts an mir getan.

Autor: Das Lob der ersten Strophe richtet sich an Gott als Vater und als Schöpfer. Allerdings ist hier beim Thema „Schöpfung“ nicht so sehr die Welt als Ganze im Blick wie in den ersten beiden Kapiteln der Bibel. Es geht um den einzelnen Menschen und das eigene, persönliche Leben. Dieses Leben ist ein Geschenk Gottes, das er uns gegeben hat und in dem er uns beschützt seit unserer Geburt.

Wenn Eltern ihr Kind zur Taufe bringen, haben sie oft genau dieses Gefühl: Wir lieben unser Kind, wir wollen gute Eltern sein, wollen es so gut es geht beschützen. Aber wir spüren: Es gibt Grenzen, da können wir nichts mehr machen. Da sind wir mit unseren Möglichkeiten am Ende. Deshalb wollen wir unser Kind Gott anvertrauen. Weil seine Möglichkeiten so völlig unbegrenzt sind.

Dieses Vertrauen hatte auch Johann Olearius. Deshalb schlägt sein Liedtext gleich zu Beginn einen sehr persönlichen Tonfall an. Statt um allgemeine, gelehrte Wahrheiten geht es in erster Linie um unsere Beziehung zu Gott. In dieser Beziehung können wir die Güte Gottes erkennen: Er beschützt unser Leben und schenkt uns viel Gutes.

Musik I.: 2. Strophe (Chor a Capella)

Gelobet sei der Herr, mein Gott, mein Heil, mein Leben,

des Vaters liebster Sohn, der sich für mich gegeben,

der mich erlöset hat mit seinem teuren Blut,

der mir im Glauben schenkt das allerhöchste Gut.

Autor: Dass Gott zu uns in Beziehung treten will, zeigt sich vor allem an Jesus Christus. Der in einem ärmlichen Stall in Bethlehem geboren wird, sich in erster Linie den Armen, Kranken und Ausgestoßenen der Gesellschaft zuwendet und der schließlich am Kreuz hingerichtet wird. Durch seinen Lebensweg macht Gott deutlich, dass er sich für nichts zu schade ist. Und dass es deshalb nichts gibt, was uns von ihm trennen kann: Keine Schuld, keine Armut, kein Leiden oder Schicksalsschlag und auch keine Ungerechtigkeit, die uns trifft. Egal, was in unserem Leben passieren mag - Gott wird sich nicht zurückziehen. Sondern wird mit uns da durchgehen und uns davon erlösen.

Durch Jesus Christus ist das deutlich geworden. An ihm können wir sehen, dass Gott tatsächlich für alle Menschen da ist. Und an ihm können wir erkennen, wie Gott sich unsere Welt vorstellt. Zum Beispiel so, dass alle dazugehören und teilhaben können. Dafür sollen wir uns einsetzen, so wie Jesus es getan hat. Denn Glauben hat Folgen für das Leben. Damit wir allerdings die Kraft dieses Glaubens tatsächlich erleben können, muss davon auch etwas bei uns ankommen. Das geschieht durch den Heiligen Geist.

Musik I.: 3. Strophe (Chor a Capella)

Gelobet sei der Herr, mein Gott, mein Trost, mein Leben,

des Vaters werter Geist, den mir der Sohn gegeben,

der mir mein Herz erquickt, der mir gibt neue Kraft,

der mir in aller Not Rat, Trost und Hilfe schafft.

Autor: Not kannte Johann Olearius nur zu gut. Als er 7 Jahre alt war, begann der 30-jährige Krieg und als er 11 war, verlor er kurz hintereinander seine beiden Eltern. Er brauchte selbst Rat, Trost und Hilfe in der Not. Und er hat erlebt, wie diese Hilfe von Gott kommt. Deshalb ist hier - wie in allen anderen Strophen auch - nicht von einem allgemeinen Gott die Rede, sondern es ist „mein Gott“, um den es geht. Und es ist „mein Trost“, der in „mein Leben“ so hineinkommt, dass er meine Situation trifft und zu mir passt.

Denn es ist klar: Wir können wissen, dass Gott sich in grauer Vorzeit als Schöpfer gezeigt hat und dass er wie ein guter Vater ist. Wir können etwas erfahren über das Wirken Jesu vor 2.000 Jahren. Aber - so wichtig das ist - es kann nicht genug sein, wenn davon nicht etwas bei uns heute ankommt. Und zwar etwas, das mit unserem Leben, unserer Situation, unseren Bedürfnissen zu tun hat. Hier kommt Gottes Kraft ins Spiel, der Heilige Geist. Denn so kann er uns genau das geben, was wir gerade brauchen: einen guten Gedanken, Trost oder Hilfe in einer ganz anderen Form.

So beschreibt das Lied „Gelobet sei der Herr“ Gottes Wirken als Vater, Sohn und Heiliger Geist. Johann Olearius zeigt mit seinen Versen: Selbst wenn wir Gottes Sein nie ganz begreifen - wir haben allen Grund, ihn zu loben. Weil er - trotz seiner Größe und Unbegreiflichkeit - immer die Beziehung zu uns sucht: zu mir, zu Ihnen. Dass er dafür alle möglichen und unmöglichen Wege nutzt - das zeigt uns das Fest Trinitatis. Und mit ihm das Lied „Gelobet sei der Herr“.

Musik III.: (Bach-Kantate, BWV 129)

Musik I.

CD-Titel: Johann Sebastian Bach: Pfingstkantaten

Track-Titel: Gelobet sei der Herr, mein Gott.wav

Track-Nr. 04

Komponist: Johann Sebastian Bach

Chor: La Petite Bande

Leitung: Sigiswald Kuijken

LC-Nr.: 06618

Label: ACCENT

Best.Nr.: 25316

EAN: 4015023253162

Musik II.

CD-Titel: 9 Choräle. Kammerchor des Aachener Bachvereins

Track-Titel: Gelobet sei der Herr

Komponist: Johann Sebastian Bach

Texter:J ohannes Olearius

Chor: Kammerchor des Aachener Bachvereins

Leitung: Wolfgang Karius

Verlag: hänssler

LC-Nr.: Z2323

Label: Eigenproduktion

Musik III.

CD-Titel: Choräle und Motetten

Track-Titel: Gelobet sei der Herr

Track-Nr. 03

Komponist: Johann Sebastian Bach

Texter: Johann Olearius

Chor: Rheinische Kantorei

Leitung: Hermann Max

Verlag: Voggenreiter und Strube

LC-Nr.: Z2323

Label: Eigenproduktion

Text: Johann Olearius 1665

Melodie (Nun danket alle Gott, eg 321): Martin Rinckart (um 1630) 1636

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