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Kirche in WDR 3 | 24.04.2018 | 07:50 Uhr

Gesundheit ist das Wichtigste?

Sprecher: „Das wichtigste im Leben ist ja die Gesundheit.“

Autorin: Ich kann mich nicht erinnern, jemals richtig „gesund“ gewesen zu sein. Seit meinem zweiten Lebensjahr habe ich Neurodermitis. Meine Eltern haben damals fast alles versucht: Ernährungsumstellung, die richtige Kleidung ohne Chemie, die richtigen Cremes, aber ohne Kortison, die richtigen Ärzte mit den langen Wartezeiten, die richtige Entspannungsmethode, das richtige Klima, ständig waren wir an der Nordsee oder in den Bergen. Sicher war es die Versuche wert, aber Heilung brachte mir nichts davon. Im Gegenteil: Oft fühlte ich mich sogar schuldig, weil ich einfach nicht gesund wurde. Und hätte ich den Kuchen beim Kindergeburtstag meiner Freundin doch nicht essen dürfen?

Als Familie hatten wir wegen meiner Krankheit gemeinsame Themen, aber auch viel Stress. Und zu der Hautkrankheit kam ein schiefer Rücken dazu. Schmerzen hatte ich zwar keine, aber mein Orthopäde schickte mich zwei Sommer in eine Rehaklinik in Baden Württemberg. Dort gab es keinen Strand, aber ich turnte neben anderen jungen Mädchen in Bikinoberteilen, die die gleiche Diagnose hatten. Für sechs Wochen waren wir unzertrennlich. In der Rehaklinik gab es auch keine Partys, sondern eine Psychologin. Ob es an meiner Seele lag, dass ich nie gesund war: Die Haut, das Organ zur Außenwelt durch falsche Kontakte ständig gereizt, meine Wirbelsäule durch zu schwere Gedanken in vier Bögen gekrümmt? Irgendwie klang das richtig, aber diese Welt und mich zu ändern, damit war ich dann mit vierzehn Jahren auch irgendwie überfordert.

Sprecher: „Gesundheit ist ein Zustand des vollständigen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlergehens und nicht nur das Fehlen von Krankheit oder Gebrechen.“

Autorin: So definiert die Weltgesundheitsorganisation Gesundheit. Und danach bin ich eigentlich ziemlich gesund. So manche Diagnose und Therapie hat mich zwar auf dem Papier noch kränker gemacht, als ich eigentlich war. Hat mich isoliert, meine Lebenszeit gefressen, meine Selbstbild verzerrt - mir mein Wohlbefinden unnötig schwer gemacht. Und doch sehe ich auch viel Heilsames im Rückblick: Menschen, die sich sehr um mich gesorgt haben. Ich sehe das Privileg, medizinisch gut betreut zu werden. Ich sehe das Glück, anderen Menschen zu begegnen, die mit den gleichen Krankheiten und Therapien leben müssen, und ich erinnere mich an den Spaß, den wir hatten. Das gibt mir Hoffnung: Egal welche Krankheit mein Körper irgendwann tragen wird, egal welche Therapie ich absolviere – ich werde daran nicht zerbrechen. Ich werde mich wohl fühlen, also „gesund“ bleiben, selbst wenn ich eine Einschränkung habe. Wohlbefinden kommt ja vielleicht von „ das Wohl finden“ und ist dann mehr als Schmerzfreiheit. Es ist dann der Fokus auf das Leben, das trotz der Einschränkung gelebt werden kann.

In der Bibel bedeutet „heil sein“ unter anderem „nicht allein sein“. Und es ist meine Hoffnung, dass das alle Menschen erleben. Die Anzeichen einer heilen Welt, in der es keinen Pflegenotstand gibt, keinen Ärztemangel und ein gerechtes Gesundheitssystem. Einer Welt, in der Krankheit nicht das Schlimmste ist, weil Gebrechen nunmal zu menschlichen Körpern gehören und Menschen nur zusammen ein Gemeinwohl finden können.

Ein herzliches Lebe wohl für heute, sagt Ihnen Katrin Berger, Pfarrerin an der Jugendkirche Hamm.

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