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Sonntagskirche | 15.05.2016 | 08:55 Uhr

Gesundheit!

Gesundheit! Ich hoffe, ich darf Ihnen das wünschen, auch wenn Sie gerade nicht geniest haben. Wobei: Laut Knigge ist dieser Wunsch ja ohnehin nicht mehr erlaubt. Vielmehr solle man das Niesen als einen, Zitat, „unerheblichen Zwischenfall ignorieren“ und es nicht durch ein schallendes „Gesundheit!“ zu einem „Drama gesundheitlichen Verfalls verfremden“.

Stattdessen sei es durchaus angebracht – so der Knigge –, dass sich der Niesende entschuldigt. Denn der ein oder andere könnte ja durch das laute „Hatschi!“ erschrocken zusammengezuckt sein. Oder aber alle Beteiligten sind aufgerufen, das gesundheitliche Ereignis diskret zu übergehen.

Nun, Heuschnupfengeschädigte werden es Ihnen sicher danken, wenn Sie ihnen in einer Stunde nicht 60 Mal Gesundheit wünschen. Das Niesen einfach diskret zu übergehen – diese Empfehlung der Knigge-Kommission bewahrt auch vor vermeintlich humorvollen Variationen: Sie kennen das vielleicht … Nach „Gesundheit!“ folgen dann bei weiteren Niesanfällen noch grinsende Wünsche wie „Schönheit!“ oder „Reichtum!“. Also: Besser nix wünschen.

Trotzdem schade, dass gute Wünsche offenbar aus der Mode kommen können. Und das ohne Ersatz. Warum eigentlich? Wenn schon beim Niesen nicht mehr erlaubt, dann könnte man sich doch auch andere Gelegenheiten ausdenken, bei denen man sich stattdessen künftig freundlich begegnen kann. Liebe Knigge-Kommission, lasst doch euren Köpfen dazu mal eine kreative Idee entspringen. Schließlich ist das kontaktfördernde Potential freundlicher Wünsche nicht zu unterschätzen: Wenn ich meinem Nachbarn an der Kasse „Gesundheit!“ wünschen und ihm ein Taschentuch reichen darf, liegt ein freundlicher Smalltalk doch wesentlich näher als wenn ihm sein Niesen peinlich sein muss. Und schließlich sind aus manch kurzer Begegnung im Supermarkt schon lange Partnerschaften entstanden.

Vielleicht ein kleiner Tipp an die Knigge-Kommission: Gerade beim Einkauf, wo so viele Dinge, die in den Wagen wandern, durch irgendwelche gesundheitsgefährdende Schadstoffe belastet sind, da würde es sich doch lohnen, mal neu über den Wunsch von Gesundheit nachzudenken. Oder eine andere Idee: Wenn der Wunsch keinen gesundheitlichen Verfall kennzeichnen soll, dann könnte man ihn sich ja zum Beispiel beim ohnehin so gesunden Lachen zusprechen. Wobei: Vielleicht würde dann Manchem sein Lachen peinlich werden. Das wäre auch wieder schade.

Vielleicht halten wir es doch lieber ein bisschen biblisch mit der Gesundheit: Jesus hat ja gerade diesen Wunsch nach Gesundheit von allen Regeln befreit. Ganz gegen die Gesinnung irgendwelcher vermeintlich Gelehrter heilte er gerade dann, wenn es nicht erlaubt war: Am Sabbat, wenn alle Ruhe halten sollten. Warum? Nun, weil Gesundheit offenbar ein göttlicher Wunsch ist, den der Mensch sich gesagt sein lassen darf, und zwar an jedem Tag. Und den wir auch weitersagen sollen, denn so heißt es: „Betet füreinander, dass ihr gesund werdet.“ (Jakobus 5,15, Lutherübersetzung)

Also: Ich bete für Sie und wünsche Ihnen einen gesunden Sonntag. Ge-niesen Sie ihn. Ihre Daniela Kirschkowski, Pfarrerin in Marl.

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